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Vom Backpacker zur Neuseeländerin - Interview mit der der "Wahl-Neuseeländerin" Meike

Meike (30) verabschiedete sich 2007 für einen Work&Travel Aufenthalt in Neuseeland von ihrer Heimat Deutschland. Ein Jahr lang bereiste sie das Land als Backpackerin und anstatt danach in die Heimat zurückzukehren, blieb sie einfach am anderen Ende der Welt.

In einem kurzen Interview mit ihr erzählte sie uns von ihrer Zeit als Backpackerin, ihrer Entschiedung für Neuseeland, ihrem Leben heute und davon wie sie heute versucht deutschen Backpackern in Neuseeland unter die Arme zu greifen.

Meike im Nelson Lakes Nationalpark
Meike im Nelson Lakes Nationalpark

Erzähl uns kurz von deinem Leben vor dem Schritt nach Neuseeland.

Ich bin am 11. Mai 1980 in Bremen geboren. Meine Eltern sind nach Schwarzenbek/ Schleswig-Hosltein gezogen als ich 3 Monate alt war. Seit 1980 lebte ich in Schwarzenbek und habe dort auch mein Abitur gemacht. Von Ende 1999 bis Anfang 2005 habe ich in Lüneburg gelebt, dort habe ich Wirtschafts – und Sozialwissenschaften an der Uni studiert. Nach dem abgeschlossenen Studium bin ich nach Hamburg gezogen, um bei Airbus in Finkenwerder zu arbeiten. Dort habe ich 2,5 Jahre in der Personalabteilung gearbeitet bis ich dann im Januar 2008 mit dem Work and Travel Visum nach Neuseeland gegangen.

Was hat dich damals dazu beworgen Deutschland hinter dir zu lassen und für eine Zeit nach Neuseeland zu gehen?

Ich wollte ein ‚‚Abenteuer“ erleben und bevor ich irgendwann zu alt für das ‚Work & Travel Visum‘ bin, habe ich mich Mitte 2007 entschieden, dass jetzt die richtige Zeit ist dieses Abenteuer in Angriff zu nehmen und habe mit der Planung begonnen. Das Work & Travel Visum für Neuseeland kann jeder deutsche Staatsbürger beantragen, es gilt einmalig für 12 Monate und ist ein offenes Arbeitsvisum für Neuseeland. Man kann es bis zum seinem 30ten Lebensjahr beantragen.

War es dein erster Trip nach Neuseeland und was hast du von dem Land erwartet?

Ja, das war mein erster Trip nach Neuseeland. Was ich erwartet habe: Klein, lieb, grün! und so war es auch. Auch hatte ich ja diese wunderschönen Landschaftseindrücke von den ‚Herr der Ringe‘ Filme gewonnen und wurde auch nicht enttäuscht. Es ist alles etwas kleiner in Neuseeland und die Wege sind kürzer. Auch gibt es hier nur 4 Mio Menschen, die teilen sich zwar das Land mit 40 Mio Schafen und 70 Mio Opossums, aber trotzdem ist es eher ‚leer‘ in Neuseeland, das heißt wenn man nicht gerade in einer größeren Stadt ist. Als ich im Januar 2008 in Christchurch angekommen bin, war mein erster Eindruck: „das sieht ja hier so aus wie bei uns“! Bei einem so langen Flug erwartet man irgendwie, dass alles ganz anders ist, aber da man ja in einer Stadt ankommt und diese nicht viel anders sind als die Europäischen Städte, muss ich zugeben, war ich erst mal etwas enttäuscht. Nach 5 Tagen bin ich dann aber auf Reisen gegangen und war sofort Hin – und Weg von der Schönheit der Landschaft und der Vielseitigkeit der Landschaftsbilder. Innerhalb von 100km ändert sich eine schneebedeckte Hügellandschaft zu goldenem Sandstrand mit türkisem Wasser.

Wie verliefen deine ersten Tage in Neuseeland?

Ich bin in Christchurch angekommen und hatte von Deutschland aus 5 Nächte in einer Jugendherberge vorgebucht, damit ich erst mal einen Zufluchtspunkt für die ersten Tage habe. Das war auch wichtig um mich etwas einzugewöhnen und den Jetlag zu überwinden, wofür man mind 3 Tage braucht . Es werden ja plötzlich Tag und Nacht vertauscht. Am Anfang war es schwierig die ganzen bürokratischen Regeln und Abläufe in Neuseeland zu verstehen oder auch herauszufinden, wo man die richtigen Informationen herbekommt und wer für was zuständig ist, was man alles braucht um ‚arbeitsfähig zu sein‘ z. B. Steuernummer, Bankkonto etc. Natürlich habe ich auch Sightseeing gemacht und mir dann auch gleich einen Sonnenbrand geholt. Die Sonne in Neuseeland ist sehr stark, da hier das Ozonloch ist, und auch bei bedeckten Himmel verbrennt man innerhalb von 15 Minuten. Meine Nase creme ich mittlerweile mit LSF 75 ein.

Erzähl uns von deinem Leben als Backpackerin.

Ich habe es geliebt, vor allem die Freiheit, die man auf einmal hat. Ich kann ganz alleine entscheiden, wo ich hingehe und was ich mache. Ich muss mich nicht an irgendwelche Zeiten halten, wenn es mir irgendwo gefiel, dann bin ich einfach geblieben. Es kommt kein Alltag auf, und diese Work & Travel Jahr war das Beste, was ich im Leben machen konnte. Man lernt sich auch selber viel besser kennenlernen und erkennt ganz neue Seiten an sich. Man muss mit sich auskommen, und man muss auch mal alleine sein können. Ich denke, dass ist eine wichtige Fähigkeit, die viele Menschen einfach verlernt haben. Ich bin während der Backpacker – Zeit von Hostel zu Hostel gezogen und habe in den Tag hineingelebt. Ich habe in Mehrbettzimmern übernachtet und dadurch immer Leute kennengelernt. Manchmal sind da richtige Freundschaften daraus entstanden. Mit einem Deutschen Mädel bin ich dann auch für 3 Monate zusammen gereist. Zum Winter hin haben wir uns dann Jobs und eine WG in Christchurch gesucht. Hier bin ich dann ja irgendwie hängen geblieben, habe meinen Freund kennengelernt und einen guten Job gefunden.

Wie hast du dich während dieser Zeit fortbewegt?

Ich habe mir einen aufladbaren Bus-Pass (so was wie eine Prepaid – Karte) vom Intercity gekauft und bin damit rumgereist. Der Intercity ist ein Überlandbus, den Touristen und Neuseeländer gleichermaßen benutzen. Mit diesem Pass war ich super flexibel, vor allem weil ich auch oft Leute in den Hostels kennengelernt, die mich mitgenommen haben. Das ist sehr verbreitet hier, denn die Backpacker mit Auto freuen sich über Unterstützung bei den Benzinkosten. Zwei Wochen bin ich zum Beispiel mit einem Schweizer und einer Engländerin rumgereist. Wir hatten alle dasselbe Ziel, und wir haben uns gut verstanden.

Hast du während deiner Reise durch das Land gejobbt? Wenn ja wo?

Als ich damals angekommen bin, habe ich erst mal 3 Monate Urlaub gemacht und bin von Hostel zu Hostel gezogen , weil ich die 2 Jahre davor nicht viel Urlaub hatte. In den Hostels lernt man unendlich viele Alleinreisende kennen. Das hat mir gutgetan, und ich konnte mir das Land angucken und mich eingewöhnen, aber ich weiß auch, dass viele diesen Luxus nicht haben und ziemlich schnell einen Job brauchen, nachdem sie angekommen sind. Ich habe danach in 2 Hostels für Kost und Logis gearbeitet und ab Juni bin ich dann nach Christchurch und habe dort für 3 Monate einen Job im Immatrikulationsamt an der Fachhochschule bekommen, es ging um Dateneingabe und Archivierung von Dokumenten. In der Zeit habe ich mir dann auch ein WG Zimmer mit meiner Deutschen Reise-Kumpanin geteilt. Nach den 3 Monaten bin ich dann wieder einen Monat rumgereist. Danach ging es wieder zurück nach Christchurch. Dann war es aber schon Oktober , und ich wollte einen Job mit dem ich weiter in Neuseeland bleiben konnte und den habe ich dann auch glücklicherweise an der Universität in Lincoln gefunden. Das mache ich heute noch,nun fast mehr als 2 Jahre.

Welches Erlebnis / welche Erfahrung hat dich dazu beworgen in Neuseeland zu bleiben?

Wegen der Liebe (habe meinen Freund im August 2008 hier kennengelernt) und wegen eines guten (unbefristeten) Jobs, den ich hier gefunden habe. Ich habe gesehen, dass Neuseeland gute Chancen für mich bereithält, mich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln, und mich dann entschieden zu bleiben. Für mich ist die berufliche Entwicklung hier sogar besser als in Deutschland. Zuerst kam die Entscheidung in Neuseeland zu bleiben und dann brauchte ich einen Job mit dem ich ein weiteres Arbeitsvisum bekommen konnte.

Wie haben damals deine Freunde und Familie auf deine Entscheidung reagiert?

Sie waren schon traurig,über meine Entscheidung, konnten es aber verstehen, dass ich in Neuseeland bleiben möchte. Ich habe auch das Glück sie jedes Jahr 4 Wochen zu besuchen, und sie haben nun ein tolles Urlaubsziel.

Erzähl uns von deinem Leben heute.

Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Lincoln University. Ich arbeite dort in einem kleinen Forschungsinstitut der ‚Agribusiness und Economics Research Unit‘ und bin in Studien und Projekten zum Thema regionale wirtschaftliche Entwicklung und Nachhaltigkeit involviert. Die letzten 4 Monate haben für die neuseeländische Regierung, die wirtschaftlichen Auswirkungen des Erdbebens für die Region untersucht, da Canterbury (das Bundesland in dem ich lebe) am 4 September wurde, von einem 7.1 Starken Erdbeben erschüttert wurde. Ich lebe auch in Lincoln. Dies ist ein kleiner Ort mit ca. 3000 Einwohnern, einem Supermarkt und einer Tankstelle, allerdings ist Lincoln nur 25km von Christchurch (350.000 Einwohner, 2.größte Stadt Neuseelands ) entfernt. Dadurch, dass die Uni hier im Ort ist, sind sehr viele andere Leute aus den verschiedensten Länder der Welt hier und eben viele ‚junge‘ Leute. Lincoln liegt schön eingegrenzt von Bergen, und im Winter sind diese schneebedeckt. Mein Freund und ich haben ein Haus mit Garten gemietet, das wir nun ab und zu mit den Backpackern von den ‚Kiwi-Introduction Days‘ teilen. Mittlerweile habe ich auch die uneingeschränkte Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Der nächste Schritt wäre Neuseeländische Staatsbürgerin zu werden, aber dafür müsste ich meinen Deutschen Pass abgeben. Das werde ich aber nicht machen. Es wäre ein komisches Gefühl ein Visum zu beantragen, um meine Familie in Deutschland zu besuchen.

Du unterstützt heute Backpacker bei ihren ersten Tagen in Neuseeland. Erzähl uns von deinen „Kiwi-Introduction-Days“.

Gerade wegen meiner Anfangsfehler und Erfahrungen habe ich einen Service bzw. ein Starter-Paket für Backpacker eröffnet, die für längeren Zeit nach Neuseeland kommen, entweder zum Work & Travel oder auch nur als Tourist. Das sind die sogenannten ‚Kiwi-Introduction Days‘ . Ich betreue und begleite die Backpacker die ersten beide Tage in Neuseeland und helfe Ihnen den Bürokratie-Kram zu erledigen und sich an das Leben in Neuseeland zu gewöhnen. Außerdem versorge ich sie mit vielen Informationen und auch Lebenslauferstellung, das sie auf ihr Abenteuer vorbereitet. Mehr dazu kann man auf meiner Webseite nachlesen: www.work-travel-nz.de

Welche Tipps hast du für junge Deutsche, die den Weg nach Neuseeland wagen wollen.

Ihr habt für das richtige Land entschieden! Das Motto der Neuseeländer ist ‚No worries, you gonna be fine!‘ und genauso wird es auch sein. Ich habe mir vor meinem Abflug auch so viele Gedanken und Sorgen um alles gemacht, aber das war alles umsonst. Die Leute sind hier sehr hilfreich und andere Backpacker stehen einem immer mit Rat und Tat zur Seite. Ich würde den Leuten auch empfehlen in Neuseeland zu arbeiten, da man dort am besten die Sprache lernt und Neuseeländer kennenlernt.

Leider wird auch das Heimweh irgendwann kommen und das kann einen ganz schön stark erwischen. Neuseeland ist wirklich am anderen Ende der Welt und Familie und Freunde sind nicht kurz um die Ecke. Die Zeitdifferenz sind 12 Stunden – Tag und Nacht vertauscht. Aber das ist nur eine Phase, die vorübergeht, man muss dann einen klaren Kopf bewahren und sich sagen, dass man diese Chance wahrscheinlich nur ein mal im Leben bekommt.

... und natürlich rate ich ihnen meine Kiwi – Introduction Days zu buchen. Das erspart Ihnen Zeit und Geld, und sie können dann erholt und vorbereitet ins Neuseeland Abenteuer starten.

Willst du je wieder für immer nach Deutschland zurückkehren?

Das kann ich momentan noch nicht sagen. Solange es sich gut und richtig anfühlt, werde ich in Neuseeland bleiben. Ich habe seit April die Permanent Residency (=uneingeschränkte Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis) , die es mir erlaubt ‚ ‘für immer‘ in Neuseeland zu bleiben. Ich muss aber mindestens einmal im Jahr meine Familie sehen, entweder in Deutschland oder in Neuseeland, eben was fürs Herz. Deutschland ist und bleibt für mich meine Heimat.

Auf Ihrer Webseite www.work-travel-nz.de berichtet Meike regelmäßig von ihren Erfahrungen in Neuseeland und gibt hilfreiche Tipps rund um das Thema Backpacking in Neuseeland.

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