8.Bericht: Abenteu(r)er in Namibia
Montag, 27. September 2004 Wie sieht eine lustige Runde aus, bei der Menschen verschiedenen Ursprungs zusammen kommen? Ein paar Flaschen Bier, Grillfleisch und eine luftige Terrasse sorgen in unserem Fall dafür, dass der Abend unvermeidlich auf den Punkt zusteuert, wo jeder irgendeine Anekdote auspackt und erzählt.
b>Märchenstunde
So auch heute Abend. der Kartoffelsalat ist längst alle und vom Mousse au chocolat sind nur noch Spuren in der Schüssel zu erahnen. Alle hängen zufrieden in ihren Stühlen und halten sich die Bäuche. Franz, der Bierbrauer, ist ohnehin kein stiller Typ - und so erzählt er denn auch von seinem Kumpel, dessen Namen ich schon vergessen habe, nicht aber dessen Story.
Irrtum
Nicht minder abenteuerlustig als Franz ist demnach sein Freund, der mit dem Auto von Augsburg aus die westafrikanische Küste hinunter fuhr und dann bald merkte, dass das keine so sichere Idee war. Also fuhr er zum nächsten Hafen und fragte nach einem Frachter, der nach Namibia fährt. Die Hafenarbeiter verwiesen ihn an ein Schiff mit dem vermeintlichen Ziel Swakopmund an der namibischen Atlantikküste - und erst auf hoher See verstand er, dass er sich auf dem Weg ganz woandershin befand: Argentinien. Seitdem lebt er mit seinem Auto mit Augsburger Kennzeichen in Buenos Aires, wo er sich selbstständig gemacht hat.
Begegnungen
Auf Abenteuergeschichten stößt man in Namibia oft. Die simple Frage an einen Deutschsprachigen nach seinen Ursprüngen fördert die spannendsten Familienverwicklungen, die ungewöhnlichsten Berufswege und die unglaublichsten Irrwege zutage. Reinhard zum Beispiel, freier Mitarbeiter beim Deutschen Hörfunkprogramm der NBC. Er ist Lehrer für Englisch und Sport am hiesigen deutschen Gymnasium. Vor 15 Jahren wollte er nach einem zweijährigen Aufenthalt in Tanzania eigentlich zurück nach Deutschland, nutzte aber seine Zwischenlandung in Windhoek, um sich "hier mal umzuschauen." Und blieb hängen. So ist es schon manchen ergangen, die im Urlaub den künftigen Ehepartner kennen lernten und nie wieder gingen.
Tierisch
In der Runde kennt immer irgendeiner irgendeinen, der fast von einer wütenden Elefantenkuh angegriffen worden wäre, der 4 Stunden nicht an einer Elefantenherde vorbei kam oder der nachts aus dem Zelt raus zum Klo ging und sah, wie die Nilpferde den Campingplatz durchqueren. Viele solcher Geschichten haben mit Tieren zu tun. Die traurigen und schlimmen Geschichten sind dann leider immer die, bei denen die größte Gefahr vom einzigen wirklichen Feind des Menschen ausging: vom Menschen selbst.
Leichtsinn
In Namibia sterben die meisten Touristen nicht durch einen Raubüberfall oder als Abendessen bei Familie Leo, sondern durch Autounfälle. Und die sind nicht einmal auf den vorherrschenden Linksverkehr zurück zu führen, sondern auf die Leichtsinnigkeit der Fahrer auf den Fernstraßen: die "Autobahnen" hier sind bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht geteert, und somit nicht mit deutschen oder europäischen Geschwindigkeiten befahrbar. Zu leicht erliegt ein deutscher Lichthupen-Blinkerlinks-Fahrer der Versuchung, ordentlich auf die Tube zu drücken. Auf den unebenen Fahrbahnen gerät das Auto schnell außer Kontrolle, bricht aus und überschlägt sich. Auch sind spontane Zusammentreffen mit großen Antilopen keine Seltenheit.
Regen
Eine Seltenheit ist hier aber zweifelsohne der Regen. Für heute, Donnerstag, den 23.09., haben sie tatsächlich welchen für das trockene Inland gemeldet - alle sind in heller Aufregung, und auch wir Deutschen sind gespannt, ob es denn dazu kommen wird. Der Regen hier sei nicht mit dem in Deutschland zu vergleichen, erklärt man uns: hier regne es am Nachmittag 2 Stunden aus vollen Kübeln und das wars. Alle lechzen förmlich danach, den Staub kann keiner mehr ertragen. Und auch wenn Annika und ich ursprünglich dachten, dass wir auf Regen gut und gerne verzichten können, so wären wir jetzt froh, diesem allzu seltenen Schauspiel beiwohnen und die Veränderungen der Landschaft erleben zu können. Die Vorboten sprechen dafür, dass tatsächlich das seit März ersehnte Nass über uns hereinbrechen könnte: leichte Schwüle, bedeckter Himmel - wir dürfen gespannt sein.
Die Fortsetzung in Form einer Zusammenfassung und mit spannenden Safari-Berichten folgt erst ab Mitte Oktober. Danke für das bisherige Interesse!


