Sol´s Praktikum in Laos
Sol Heber ist seit 2000 Studentin der Tropischen Forstwissenschaften in Göttingen und hat im Rahmen des Studiums bislang fünf Auslandspraktika absolviert. Ihre Reisen haben sie nach Russland (Kurilen-Inseln), Ecuador, Brasilien, Spanien und Laos geführt und es ihr ermöglicht, völlig unterschiedliche Kulturen, Landschaften und Tier- und Pflanzenwelten kennen zu lernen. Nach einem vergleichsweise luxuriösen Aufenthalt in einem andalusischen Nationalpark brach Sol Mitte November 2005 nach Laos auf, um dort ein Pflichtprojekt zum Master-Abschluss durchzuführen.
Sie ließ es sich jedoch nicht nehmen, erst nach Thailand zu fliegen, um dort ein paar Tage zu verbringen. So war ihr Flug auch um einiges günstiger als die Flüge der meisten ihrer Kollegen, die direkt nach Laos gereist waren. Nach einer weiteren Stippvisite in Vietnam konnte es dann endlich losgehen.
Das Hauptziel des Projektes bestand darin, mit 14 weiteren Studenten eine Kosten-Nutzen-Analyse aufzustellen, die sich auf fünf verschiedene Landnutzungstypen der dort ansässigen Bauern bezog. Verglichen wurden der weitverbreitete Anbau von Hochland-Reis, einer sehr bekannten und wertvollen mittelschnell-wachsenden Baumart (Teak) und drei einheimischen schnell-wachsenden Baumarten. Sol beschrieb die problematische Situation vor Ort wie folgt: „Die meisten Bauern in Laos bauen Hochlandreis an, da sie auf diesem Wege relativ schnell zu ein bisschen Bargeld kommen und so ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Auf lange Sicht rechnet sich diese Form der Landnutzung allerdings meistens nicht. Die Bauern, die sich dafür entscheiden, Bäume anzupflanzen, müssen damit rechnen, in den ersten Jahren so gut wie gar kein Geld zu verdienen, später bekommen sie aber dafür – je nach Baumart - verhältnismäßig viel.“
Im Rahmen des Projektes führten einige der Studenten Interviews, um die ökonomische Situation vor Ort zu erfassen; andere untersuchten bestehende Landnutzungsrechte, erstellten Wachstumsmodelle, klassifizierten die Böden oder führten waldbauliche Messungen in den zu untersuchenden Plantagen durch. Die Hauptaufgabe von Sol und drei guten Freunden von ihr bestand darin, eine Waldinventur in den Plantagen durchzuführen, um Aussagen über den Holzvorrat machen zu können, auf dessen Basis der zukünftige Wert der Plantagen berechnen werden kann. Dafür mussten sie Bäume ausmessen (Umfang und Höhe) und einen Holzvorratsbericht erstellen. Das mag sich nach einer relativ einfachen Arbeit anhören, doch der Schein trügt. „Wir mussten uns tagtäglich durch zwei Meter hohes Unkraut kämpfen, und die Arbeit mit der Machete war wirklich anstrengend.“ Während der Zeit im „Feld“ waren die Studenten in kleinen Steinhäuschen in einem Dorf in der Nähe der Hauptstadt Vientiane untergebracht. Dort stand ihnen eine einheimische Köchin zur Verfügung, die sie abends mit einfachen, aber exotischen Köstlichkeiten verwöhnte. „Das Essen war wirklich toll, obwohl man sich an einiges erst mal gewöhnen musste. Zum Frühstück gab es beispielsweise immer Klebreis mit Fischsauce“, erzählte Sol. Zwischendurch übernachteten die 24jährige und die übrigen Gruppenmitglieder in einem Hostel in der Hauptstadt und konnten sich dort von den Strapazen im Feld erholen.
Die Praktikums- und Unterkunftskosten wurden zum Teil von der Universität finanziert, doch einen Unkostenbeitrag von ca. 750 Euro mussten die Studenten dennoch bezahlen (zumindest diejenigen, die einen Direktflug nach Laos gebucht hatten). Das kam allerdings erst vor Ort zur Sprache, und so bekamen einige Gruppenmitglieder ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten; in erster Linie wiederum diejenigen, die für die Anreise einen teuren Direktflug nach Laos gewählt hatten. Von der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit bekamen die Studenten jeweils 500 Euro Zuschuss.
Und was hat Sol aus ihrem fünfwöchigen Aufenthalt in Laos gezogen? „Ich habe mal wieder sehr viel gelernt. Es war meine erste Reise nach Südost-Asien, also habe ich dort eine völlig neue Kultur kennen gelernt. Die Arbeit an sich, vor allem die Holzvorratsberechnung, hat mich zwar nicht sonderlich interessiert, aber die Feldarbeit hat trotz großer Anstrengung sehr viel Spaß gemacht. Die Hauptarbeit, diese Kosten-Nutzen-Analyse, ist natürlich rein ökonomisch orientiert und eigentlich auch nicht so mein Ding. Allerdings denke ich, dass es für die Vorbereitung auf die spätere Laufbahn wichtig ist, Grundkenntnisse der Ökonomie zu haben; und besser als durch praktische Erfahrungen lernt man grundsätzlich nicht.“


