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Zeitungspraktikum in Kanada

Nach erfolgreichem Studium und diversen Praktika in Deutschland war es Zeit für etwas Neues. Warum nicht mein Fernweh mit einem Auslandsaufenthalt und Praktikum verbinden? Gesagt - getan. Für 3 Monate ging es zur deutschsprachigen Monatszeitung "Das Echo" nach Montréal in Kanada - ein Land mit wunderschöner Natur, offenen Menschen und interessanten Städten.

Das Rathaus in "Vieux Montréal". Hier werden oft Filme gedreht, die eigentlich in Paris spielen sollen, da Montréals Altstadt an die Straßen von Paris erinnert.
Das Rathaus in "Vieux Montréal". Hier werden oft Filme gedreht, die eigentlich in Paris spielen sollen, da Montréals Altstadt an die Straßen von Paris erinnert.

Ins Land der Wälder und Seen

Nach meinem Studienabschluss packte mich mein Fernweh und ich beschloss, dass es jetzt Zeit ist für einen Auslandsaufenthalt. Was wäre da besser als ein Praktikum, dachte ich mir und fing an zu suchen. Von Anfang an war klar, ich will was im Bereich Journalismus machen, am liebsten in den USA oder Kanada. Ich habe viele Broschüren gelesen und schließlich beschlossen, mir mein Praktikum selbst zu organisieren, was mir einerseits Zeit und andererseits auch Geld sparen sollte. Auf meine vielen E-Mails, die ich an fast alle deutschsprachigen Zeitungen in den besagten Ländern geschrieben habe, bekam ich nicht viele Rückmeldungen. Auf eine folgte aber tatsächlich sofort die Antwort: „Klar, du kannst im Oktober kommen.“ Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und fing sofort an, alles zu organisieren. Mein Ziel war Montréal in Kanada: Drei Monate Praktikum bei der deutschsprachigen Zeitung „Das Echo“.

Am 1.Oktober ging es also los: Meine neuen Kollegen haben mich netterweise vom Flughafen abgeholt, also mein Chef Christian, der Herausgeber vom „Echo“ und die Marketing Chefin Christiana. Beide sehr nette Leute, sie hatten mir auch schon ein Appartement besorgt bei einer griechischen Familie. Da sind wir gleich hingefahren, denn mittlerweile war ich ziemlich müde und musste erstmal ausschlafen. Da traf es sich gut, dass ich das Appartement für mich allein hatte, zwar ohne Telefon und Fernseher, aber mit 2 Zimmern für mich allein - purer Luxus. Am nächsten Morgen haben mich die beiden, nach einem ausgiebigen Frühstück, erst mal durch die Stadt geführt, die wirklich wunderschön ist. Ich glaube, ich habe mich gleich auf den ersten Blick verliebt.

Zeitungspraktikum in Kanada
Auch in Montréal fand schon einmal die EXPO statt, dies war damals der Pavillion der Vereinigten Staaten und ist heute ein Technik-Museum mitten auf einer Insel im Fluß.

Montréal - Das Paris Kanadas

Da Montréal im französisch-sprachigen Teil Kanadas liegt, ist es sehr europäisch geprägt und hat eine ganz eigene „Quebecois-Kultur“. Außerdem liegt es mitten im St. Lawrence Strom und ist dadurch und aufgrund der vielen Parks sowie dem Mont Royal inmitten der Stadt eine sehr „grüne“ Stadt. Im Gegensatz zu vielen anderen nordamerikanischen Städten besitzt sie eine Altstadt. Begeistert hat mich vor allem die unterirdische Einkaufsmeile, die insgesamt 30km Fußwege umfasst. Da es in Kanada im Winter sehr kalt wird, ist das eine gute Alternative zum Shopping auf der Straße. Man kann sich dort den ganzen Tag unterirdisch aufhalten, denn die Geschäfte sind direkt auf der Metro-Ebene und es gibt dazu natürlich noch Restaurants, Kinos und sogar eine Eislaufbahn.

Ein "guter" Start...

Am Sonntag hatte ich eine nette Frühstücks-Einladung von meinen griechischen Vermietern. Das Frühstück war wegen seiner amerikanischen Art allerdings erst mal etwas gewöhnungsbedürftig. Mit Würstchen und Frühstücksfleisch für mich als Vegetarier nicht so lecker. Trotzdem haben sie sich beide ganz lieb um mich gekümmert. Da ich leider meinen Steckdosen Adapter vergessen hatte, haben sie mich kurzerhand geschnappt und sind zu einem Baumarkt gefahren um dieses Teil zu besorgen. Ein weiterer Vorteil in Kanada: Man kann auch Sonntags einkaufen gehen, was sehr praktisch ist, wenn man mal wieder die wichtigsten Sachen vergessen hat.

Mein erster Arbeitstag fing etwas stressig an, da ich mit dem Bus fahren musste (was ich in Deutschland nie mache) und somit zunächst das System der öffentlichen Verkehrsmittel verstehen musste. Das jede Fahrt das Gleiche kostet, ob 2 oder 20 Stationen bzw. dass man zum Aussteigen im Bus die Stufen vor der Tür hinuntergehen muss, waren nur zwei Hürden auf dem Weg in die Redaktion.

Zeitungspraktikum in Kanada
Die Skyline von Montreal in der Dämmerung.

Die Redaktion - das waren eigentlich nur drei Computer, mein Chef und ich. Das war zunächst etwas verwirrend, zumal sich das ganze im Wohnzimmer meines Chefs befand, aber auf den zweiten Blick war es auch sehr gemütlich. Mein Chef Christian zeigte mir zuerst alles und erklärte die Arbeitsweise in der Redaktion. Neben den Berichten aus Politik, Wirtschaft und Panorama hat das „Echo“ lokale Seiten für die großen Provinzen in Kanada. Diese Artikel liefern freie Mitarbeiter vor Ort. Ich sollte mich hauptsächlich um die lokalen Themen in Montréal, die „Jungen Seiten“ und diverse Rubriken wie die Rätsel- und Rezeptseite, die monatlichen Märchen und Kurzgeschichten, die Witze und die Gesundheitsseite kümmern. Soweit war der erste Tag schon ziemlich interessant und ich war gespannt, wie es weiter geht.

Die erste Woche und kleinere Katastrophen

Resumee nach einer Woche in einem fremden Land: Die Arbeit in der Echo-Redaktion macht wirklich Spaß. Kleinere Unfälle und Fettnäpfchen gab es allerdings schon.

Das Bus-, Zug- und Metrosystem habe ich auch nach einer Woche noch nicht ganz verstanden. So kam es, dass ich für meine erste alleinige Stadtbesichtigung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwei Stunden in die Innenstadt gebraucht habe, da man an einigen Bushaltestellen nur aus- und nicht einsteigen kann (wie unökonomisch). Endlich an einer Metrostation angekommen ging es aber ganz schnell. Ungewohnt aber auch ganz schön ist, dass die Kanadier eine ordentliche Schlange bilden, wenn sie an der Haltestelle auf den Bus warten. Wer zuerst dort steht, steigt auch tatsächlich zuerst in den Bus ein.

Die nächste kleinere Katastrophe wartete dann in meinem neuen Appartement: verstopfte Toilette. Hatte so was noch nie erlebt und wusste natürlich auch nicht, was man da macht. Meine Vermieter fragen war mir dann doch zu heikel, ich beschloss selbst eine Lösung zu finden. Im nächsten Einkaufsmarkt besorgte ich einen schönen, altmodischen Gummi-Saugnapf und mit Mühe und Not bekam ich auch die Toilette wieder frei. Ich glaube, nach dieser Aktion kann mir nichts schlimmeres mehr passieren.

Für das „Echo“ geschrieben habe ich noch nicht so viel, aber man kann die Zeitung auch nicht mit deutschen Zeitungen vergleichen. Im Prinzip geht es darum, die deutschen Immigranten zu unterhalten und ihnen noch ein wenig deutsche Kultur zu erhalten. Die Themen drehen sich dementsprechend um deutsche Politik, Gesellschaft und lokale Veranstaltungen der deutschen Gemeinde in Kanada.

Die Kanadier an sich sind jedenfalls sehr nette und positive Menschen, wenn man sie überhaupt als Kanadier bezeichnen kann: die meisten sind ja europäische Einwanderer. Männer grüßen auf der Straße immer ganz nett und in den Geschäften will jeder sofort wissen, woher ich denn komme. Meist lass ich sie raten, was sehr lustig ist, da ich als blonde Europäerin erst mal nach Schweden oder Polen gesteckt werde. Sind sie dann irgendwann auf „Germany“ gekommen, hat fast jeder entweder deutsche Vorfahren oder kennt zumindest jemanden aus Deutschland (auch wenn derjenige vielleicht nur einmal Urlaub gemacht hat). Einen Brocken deutsch zaubern viele dann auch noch hervor. Toll finde ich, dass die Leute so interessiert an Europa und auch an Deutschland sind. Diejenigen, die noch nie in Europa waren, kann man mit Geschichten über die verschiedenen Eigenarten der Europäer begeistern und es fasziniert sie, dass hier so viele Ländern auf einem "Haufen" sind, in die wir auch so einfach reisen können.

Zeitungspraktikum in Kanada
Einer meiner Ausflüge ging auf den Mont Tremblant, den höchsten Berg in Quebec und ein schönes Skigebiet.

Leben in Montreal

Mein erster Ausflug ins Montréaler Nachtleben stand irgendwann auf dem Programm. Dafür war ich mit einer echten Kanadierin (keiner deutschen Praktikantin) verabredet, die mich in einen gemütlichen Pub mitgenommen hat. Was gab es zu trinken: Becks. Und diverse andere europäische Biere. Die kanadischen, wie ich mir sagen ließ, sind nicht die berühmtesten Biere und ich wollte nicht schon am ersten Abend einen Kater riskieren.

In Montreal gibt es unendlich viele Möglichkeiten, die Nächte durchzufeiern, kulinarische Köstlichkeiten zu genießen und kulturelle Angeboten wahrzunehmen. Sie ist eine der Städte mit dem besten Nachtleben und dem vielfältigsten kulturellen Leben. Sie ist berühmt für ihre Jazz- und Rockclubs, hat eine Unmenge an Theatern, Kinos und Museen, aber auch die Freunde klassischer Musik kommen auf ihre Kosten. Vor allem ist es eine gemütliche Stadt, die Leute sind entspannt und lebensfroh, was man in Deutschland oft vermisst. Jeder ist super nett und hilfsbereit. Neulich stand ein Pärchen mit Stadtplan in der Hand auf dem Gehweg und ein Passant, der vorbei kam, fragte sie gleich, ob sie Hilfe brauchen. Das kann schon mal soweit gehen, dass einer zum persönlichen Stadtführer wird und den Touristen noch sein Lieblingscafé zeigt.

Die Menschen hier sind kunterbunt durcheinander gemischt, die meisten sprechen drei Sprachen (englisch, französisch und ihre Muttersprache) und alle Einwanderer tragen mit ihrer nationalen Kultur etwas zum gesellschaftlichen Leben bei. Kaffee zum Beispiel kann man auf ganz klassische „Pariser-Art“ in einem kleinen süßen Café genießen, einen „Coffee-to-go“ in einer der amerikanischen Ketten nehmen, oder einen starken Espresso beim Italiener. Fast jede ethnische Gruppe hat ihren "eigenen" Stadtteil, die Franzosen im Osten, die englischsprachigen Montrealer eher im Westen der Stadt, mittendrin sind China-Town, Little Italy oder auch das griechische Viertel. Besonders schön ist, dass man sich nicht blöd fühlt, wenn man jemanden mal nicht richtig versteht, da das die Meisten aus ihrer eigenen Vergangenheit kennen. Für mich ist die Stadt eine Mischung aus Paris und New York und das macht ihren besonderen Reiz aus.

In der Redaktion gibt es immer mehr für mich zu tun: Mittlerweile kann ich ganze Seite selber „bauen“, von der Recherche, dem Schreiben der Texte bis hin zur Gestaltung des Layouts mit Fotos habe ich weitgehend freie Hand. Ich habe drei Interviews geführt und bin für die „Jungen Seiten“ und das "Lokale" in Montreal verantwortlich. Mein Chef meint, nach meinem Praktikum kann ich meine eigene kleine Zeitung machen. Selbst die Gestaltung der Anzeigen habe ich schon mitgemacht. Gegen Ende des Monats, wenn die Zeitung fertig werden muss, wird es teilweise stressig, aber die Arbeit macht mir immer noch viel Spaß. Nach dem Druck kommen alle Mitarbeiter des "Echos" die Zeit haben zusammen und die Zeitungen werden per Hand eingetütet, was anstrengend ist, aber in einer netten Runde auch recht lustig. Ein Tag später wird sie dann ins ganze Land und nach Europa verschickt.

Nachdem die Zeitung "raus" ist, nehmen wir meist ein paar Tage frei. Diese Zeit habe ich auch gleich zu zwei Kurztrips nach Toronto/Niagara Falls und New York genutzt. Beides konnte man sehr gut mit dem Bus erreichen und hat mir unvergessliche Eindrücke beschert. Ich weiß nicht ob es eine faszinierendere Stadt als New York gibt. Montreal ist wirklich wunderschön, aber NY setzt noch was drauf. Wer große Städte liebt, sollte hier gewesen sein.

Zeitungspraktikum in Kanada
Ein Wochenende verbrachte ich in der wohl interessantesten und lebhaftesten Stadt der Welt - New York City. Mitten im Central Park sieht man zwar auch einige Skyscraper, vom Lärm der Großstadt ist allerdings nichts zu hören.

Während meiner Zeit in Montreal habe ich viele nette Menschen kennen gelernt: deutsche Studenten, andere Praktikantinnen, waschechte "Quebecois" und deutschlernende Kanadier. Jeden Mittwoch treffen sich alle deutschen Studenten, Praktikanten und alle Kanadier, die gern Deutsch sprechen wollen beim "German-Stammtisch". In recht lustiger Runde hört man dabei allerdings nicht nur deutsch und französisch, es hallen auch einige englische Sätze durch den Raum. Das ist nach zwei, drei Bier wohl nicht zu vermeiden.

Wieder nach Hause

Zum Ende meines Aufenthaltes gab es noch eine kleine "Praktikanten-Party" im Goethe Institut Montreal mit allen deutschen Praktikanten und Studenten. Die Leiterin Frau Manus hatte dazu Pizza, Cola und leckeres Bier besorgt und regte uns zu einer kleinen Diskussion an. Unter anderem ging es um die Frage, was Ausländer (besonders Kanadier, die wir kennen gelernt haben) an Deutschland fasziniert. Leider rückte mein Abflugtermin immer näher und ich war schon etwas wehmütig. Ein letztes Treffen auf der Weihnachtsfeier des Goethe und am nächsten Tag musste ich auch schon fliegen.

Alles in allem war es ein wunderschöner Aufenthalt, dass Praktikum hat mir viel Spaß gebracht und ich kann Kanada und Montreal nur jedem weiter empfehlen.

Von Stefanie Will

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