Freiwilligenarbeit in Kambodscha: Grenzerfahrung und fröhliche Kinder
Die Stepin-Programmkoordinatorin Sara Thielsch reiste 14 Tage lang durch vier asiatische Länder. Sie betreut die Freiwilligenprojekte in Asien. Ihre zweite Station war Kambodscha. Dort besuchte sie die Projekte der Freiwilligen. Die einzigartige Khmer-Kultur und die lebendigen Gesichtsausdrücke der Kinder wird sie so schnell mit Sicherheit nicht vergessen. Ihre vielen Eindrücke und Erlebnisse hat sie aufgeschrieben.
Um 6 Uhr aufstehen, mit dem Jeep nach Nakhon Ratchasima, von dort aus mit dem Bus nach Surin, dann umsteigen in einen Minivan, in dem ich mir mit 2 Frauen einen Sitz teilen musste. Nach einer Stunde kam ich dann in Chong Jom, der thailändischen Grenzstadt, an. Wahrscheinlich sind Touristen hier eine Seltenheit, denn ich wurde von den wenigen Menschen, die sich hier aufhielten, streng gemustert. Als ich dann fröhlich zum Grenzhäuschen rüberlaufen wollte, wurde ich von einem Beamten energisch angehalten: ich könnte doch Thailand nicht ohne den Ausreisestempel verlassen. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich aus Versehen schon rüber nach Kambodscha gelaufen bin, so klein ist der Grenzübergang. Auf der anderen Seite konnte ich dann für 1000 Baht ein Visum erstehen. Dort stand ich dann, vor einer Straße aus rotem Sand, mit tiefen Löchern überall. Da ich unseren kambodschanischen Kollegen von dort aus kontaktieren sollte, suchte ich ein Münztelefon (das Handy gab an der Grenze seinen Dienst auf). Doch dieser Service blieb mir verwehrt, die Grenzbeamten lachten mich aus. Es gab natürlich kein Telefon auf diesem Streifen Niemandsland. Daraufhin muss ich wohl so schrecklich verzweifelt geguckt haben, dass der oberste Immigrations- Beamte seinen Schalter verlassen hat und mir mit einem Lächeln sein Handy überreicht hat. "Don't worry lady, take my phone". Erleichtert konnte ich dann Ya anrufen, der versprach, mich in Samrong zu treffen.
Nun stand mir noch eine zweistündige Taxifahrt bevor, bei der ich aufgrund der Löcher regelmäßig mit dem Kopf an die Decke stieß. Umso glücklicher war ich, als ich in Samrong wieder auf eine Art von Zivilisation traf und Ya mich freundlich begrüßte.
Mit seinem Motorbike ging es dann direkt ins erste Projekt, der örtlichen Grundschule. Hier unterrichten die Volunteers Englisch und helfen bei der Pausenaufsicht. Bei meiner Ankunft versuchte ein Volunteer gerade den Kinder die englischen Zahlen von eins bis 100 beizubringen.

Ein wichtiges Projekt haben die vorherigen Freiwilligen begonnen: die Kinder über den Umgang mit Müll aufzuklären (dieser wird hier einfach auf den Boden geworfen, egal wo man grade ist) und Schilder dafür aufzustellen, auf Englisch und Khmer.
Danach besuchten wir noch den Tempel von Samrong, in dem die Volunteers heute übernachten sollten. Der Dialog mit den Mönchen steht dabei im Vordergrund. Damit die Volunteers im Tempel übernachten dürfen, müssen sie den Mönchen erst einen Dienst erweisen: bei meiner Ankunft kehrten sie gerade den Hof der Tempelanlage. Als letztes zeigte mir Ya das Eco House, das unweit vom Zentrum des Orts liegt. Hier wohnen die Volunteers während der Einführungswoche und teilweise auch während der Freiwilligenarbeit. Nach einem leckeren Abendessen mit den Volunteers brachte mich Ya (links auf dem Foto) dann ins einzige Hotel von Samroung, in dem ich mir nichts sehnlicher gewünscht hätte als eine Klimaanlage...

Und schon am nächsten Morgen war es wieder heiß (hatte es sich in der Nacht überhaupt abgekühlt??) und mein Frühstück bestand aus Wasser und viel kühlem Obst. Heute schauten wir uns zwei weitere Schulen sowie das Krankenhaus an, in dem die Freiwilligen mitarbeiten. Die Kinder, die ich in Kambodscha kennengelernt habe, sind die fröhlichsten und zugleich scheuesten Menschen, die ich auf meiner Reise traf. Zuerst trauten Sie sich nur ein bisschen, schauten schüchtern aus dem Fenster, doch dann gewöhnten sie sich an den Fremden und zeigten ihr schönsten Lächeln! Laut der Volunteers ist dies auch die schönste Belohnung nach einer anstrengenden Stunde Englischunterricht, in der die Kids "blue" mal wieder nicht von "green" unterscheiden konnten und sie eigentlich schon aufgeben wollten. Doch die Fröhlichkeit der Kinder steckt an...!!
Das Krankenhaus hat dann doch etwas meine Nerven strapaziert: wer hier aushelfen will, sollte nicht allzu zartbesaitet sein. Hier ist die Einrichtung einfach, die Kranken liegen mit 8 Leuten in einem offenen Zimmer und die Ärzte sind leider unterbesetzt. Umso wichtiger ist natürlich die Mitarbeit der Volunteers. Teilnehmer mit Vorbildung in diesem Bereich können den Ärzten auch bei Untersuchungen helfen, andere assistieren den Krankenschwestern, halten das Krankenhaus sauber und spielen mit den kranken Kindern.
Buckelpiste und alte Götter Da mein Flieger von Siem Reap ging, musste ich also am nächsten Tag ein Taxi in diese Richtung nehmen. Glücklicherweise teilte mir Ya mit, dass man immer mindestens 2 Sitze im Sammeltaxi kaufen muss, da der Taxifahrer 5 Leute für die Rückbank und 2 für den vorderen Sitz einplant. Ich kaufte also zwei Sitze im Taxi und durfte (als Einzige!!!) vorne sitzen.

Nach einer ca. dreistündigen Fahrt, während wir mehrmals Kühe rammten (diese laufen in großen Herden einfach auf der Straße) kamen wir in Siem Reap an. Diese Stadt ist bekannt für die Tempelanlage Angkor, die ich in den 4 Stunden bis zum Abheben meines Fliegers noch besichtigen konnte. Flugs schnappte ich mir ein Tuk Tuk und fuhr gen Angkor. Diese Anlage war vom 9-15 Jh. das Zentrum des historischen Khmer- Königreichs Kambuja. Schon bei Anblick aus der Ferne war ich beeindruckt von der Baukunst der Khmer, die Gebäude sind einfach überwältigend.
Von Angkor Wat ging es dann per Tuk Tuk weiter nach Angkor Thom, wo ich den Haupttempel Bayon mit seinen unzähligen Steingesichtern bewunderte. Überall entdeckte man noch ein weiteres, in Stein gehauenes, Gesicht. Fast ein bisschen unheimlich... Danach ging es nach Ta Prohm. Hier holt sich die Natur ihren Platz zurück, die Bäume schlingen sich um das Mauerwerk und zeigen dabei ein bizarres Bild. Nach diesem Blick in die Vergangenheit holte mich die Gegenwart auch schon wieder ein- mein Flieger nach Hanoi würde nicht extra auf mich warten. Tipp für Volunteers: ein Wochenendausflug nach Angkor lässt sich leicht organisieren. Ya kann zwei Plätze im Taxi sowie eine sehr schöne Unterkunft in Siem Reap für Euch organisieren, damit Ihr Euch dieses einmalige Bauwerk anschauen könnt. Die meisten Freiwilligen fahren jedes zweite Wochenende in die Stadt, um auszugehen und ein bisschen einzukaufen, da Samrong ein eher kleiner Ort ist.
Quelle der Bilder: Stepin
Zurück zum ersten Teil: Freiwilligenarbeit in Thailand
Hier geht es zum dritten Teil: Freiwilligenarbeit in Vietnam


