Von der Bewerbung bis zum Abflug
Mein FSJ in Japan – Erfahrungsbericht No.1
Leander Rust berichtet von den ersten Schritten seiner Bewerbung für ein freiwilliges soziales Jahr in Japan bis hin zu dem Tag an dem er in den Flieger steigt.
Tag Allerseits,
Mein Name ist Leander Rust und ich werde ab August 2008 einen
Freiwilligendienst in Japan an Stelle des deutschen Zivildienstes ableisten. Da mich immer wieder Leute fragen wie ich dazu kam und was man sich darunter überhaupt vorstellen kann, schreibe ich diesen Bericht über die Zeit von meiner Bewerbung bis zum Abflug.
In der 11. Klasse begann ich mir Gedanken über meinen Wehr- bzw. Zivildienst zu machen. Zuerst informierte ich mich über mögliche Einsatzstellen des Zivildienstes, die interessantesten Stellen schienen mir Jugendherbergen und Fahrdienste zu sein. Doch für ein knappes Jahr waren mir diese Tätigkeiten nicht herausfordernd genug. Deswegen sah ich mich nach einer Alternative um und stieß auf ein Gewirr von Möglichkeiten angefangen mit AdiA, über FSJ im Ausland bis EFD. Da sich diese Formen so gut wie nur in der staatlichen Förderung unterscheiden werde ich darauf jetzt nicht weiter eingehen.(Du solltest dir bewusst sein, dass man als Freiwilliger, anders als ein Zivi, kein Geld verdient. Im Gegenteil, für das Jahr entstehen Kosten in Höhe von 4000€ - 8000€, je nach Flug und Unterkunft).
Trotzdem sind solche Stellen im Ausland sehr gefragt und kommen immer mehr in Mode, deswegen habe ich vor einem Jahr meine Musterung vorverlegen lassen, um mich frühestmöglich bewerben zu können.(Das Musterungsergebnis muss bei der Bewerbung nicht vorliegen, trotzdem macht es einen guten Eindruck. Außerdem sollte man sichergehen, dass man nicht ausgemustert wird, da man sonst keinen Ersatzdienst leisten kann! Bzw. nur ohne staatliche Unterstützung).
Die Auswahl der Trägerorganisation
Nachdem der Bund meine körperliche Verfassung mit T2 als gut befand ging es los mit der Suche nach Trägerorganisationen. Hierbei handelt es sich oft um gemeinnützige Vereine, Kirchenverbände und Ähnliches, die als Vermittler zwischen Bewerber und Einsatzstelle fungieren. Bei diesen Organisationen bewirbt man sich und in den meisten Fällen vertrauen die Auslandsstellen auf deren Urteil.
Solche Versendeorganisationen findet man am besten im Internet: Dort gibt es z.B. eine offizielle Liste anerkannter Träger vom Bund, die leider nicht wirklich aktuell ist. Zusätzlich gibt es einige Seiten die sich speziell mit diesem Thema beschäftigen und entsprechende Linksammlungen bereithalten. Außerdem haben viele Organisationen eine eigene Homepage auf der sie ihre freien Stellen ausschreiben. Bei der Auswahl der Organisation gilt es einige Dinge zu beachten:
- Verlangt die Organisation eine besondere Konfession?
- Nimmt die Organisation nur Bewerber aus dem Umfeld?
- Versendet die Organisation in mein Wunschland?
- Was für Aufgaben übernimmt ein Freiwilliger?(Mir sind welche begegnet, die z.B. „nur“ Bürojobs anboten, oder andere die Freiwillige in sozialen Brennpunkten der Welt richtig fordern).
Die Auswahl des Einsatzlandes
- Bei der Auswahl des Wunschortes solltest du dich zu aller erst fragen ob die Einsatzstelle zu dir passt und ob du ihre Voraussetzungen erfüllst.
- Musst du die Landessprache beherrschen? Ist es realistisch bis zur Bewerbung noch eine Sprache nebenbei zu lernen? (Ich kann hier nur empfehlen den Abistress nicht zu unterschätzen!)
- Macht dir die Arbeit Spaß? Wird das Projekt deinem ideellen Anspruch gerecht?(Die Aufgaben eines Freiwilligen sind weit gefächert, haben aber oft mit der Betreuung von sehr armen, oder behinderten Kindern zu tun. Als krasses Gegenteil gibt es auch Stellen wo man „nicht gerade die Welt verbessert“, sondern eher als billige Bürokraft arbeitet)
- Wie groß wird die Konkurrenz für deine Projektstelle?(So gut wie jeder will nach Australien oder Neuseeland; Wetter gut, englisch kann ich, cooles Land -> auf geht’s!)
Eine sehr gute Möglichkeit ist es sich selber eine Einsatzstelle zu suchen. Falls du zum Beispiel Verwandte/Bekannte im Ausland hast kannst du sie anschreiben und fragen ob es in der Nähe ein gemeinnütziges Projekt gibt, das vielleicht noch jemand sucht der mit an packt. Wenn sich nämlich so eine Möglichkeit ergibt, musst du nur noch eine Trägerorganisation in Deutschland finden, die dich dann offiziell versendet. Dieser Weg ist der einzige 100% sichere Weg zu einem Auslandsdienst. (Vorausgesetzt deine selbst gefundene Stelle wird als gemeinnützig anerkannt, soll heißen: bei deiner Oma in Spanien in der Küche zu helfen ist nicht gemeinnützig).
Die Bewerbung
Nachdem ich nun 3-4 passende Organisationen gefunden hatte ging es los mit dem Schreiben. Dieser Ablauf ist bei allen Versendern ähnlich: Als erstes schickt man eine schriftliche Bewerbung mit Lebenslauf, Motivationsschreiben und sonstigen Unterlagen. Ich hatte zum Beispiel eine Bescheinigung über die Arbeit in einer Hausaufgabenbetreuung für sozial schwache Schüler. Auch wenn das kaum was mit meiner jetzigen Arbeit in Japan zu tun hat, zeigte es dem Verein, dass ich schon Erfahrungen in sozialen Projekten gesammelt hatte. Und so etwas ist wichtig, um aus der Masse der schriftlichen Bewerber heraus zu stechen! Nachdem meine schriftlichen Bewerbungen eingegangen waren hieß es erst einmal bis zur Deadline warten. Danach wurde ich von drei Organisationen auf ein Vorstellungstreffen eingeladen, eins war mir zu weit weg, zu den beiden anderen bin ich gegangen.(Man kann sich für so etwas von der Schule beurlauben lassen). Damit du nicht die gleichen Fehler machst wie ich rate ich die folgenden Tipps zu beachten:
schriftliche Bewerbung:
- ausführlicher Lebenslauf
- Motivationsschreiben konkret auf die gewünschte Einsatzstelle beziehen
- Bescheinigungen für soziale Dienste/Arbeiten beilegen
- Zeugnis (wenn es gut ist, oder explizit verlangt wird)
Vorstellungstreffen:
- Outfit nicht zu formell wählen.(Die meisten Vereine wollen eher den „Alternativen“ und du bewirbst dich nicht für einen Managerposten).
- Lese dir die Projektbeschreibung genauestens durch und bereite dir ein paar Argumente vor, warum du perfekt in das Projekt passt
- Bleib ehrlich! Wenn du keine konkreten Vorstellungen für ein Projekt hast ist das nicht schlimm, erläutere dann, warum du ins Ausland möchtest.
- Sei freundlich und gehe die ganze Sache gelassen an. (Schüchternheit oder zu große Aufregung wird dir nicht positiv ausgelegt werden).
- Bleib am Ball. Viele Organisationen lassen sich Zeit bei der Entscheidung, solange du keine klare Absage hast ruf an, schreib Mails und überzeuge sie von deiner Motivation.(Aber bitte nicht nerven!)
Falls du dann irgendwann eine Zusage bekommst wird sich der Verein weiter um dich kümmern. Mit Impfungen, Visa und Versicherungen fängt der stressigste Teil zwar erst an, aber mit einem klaren Ziel vor Augen ist es durchaus zu schaffen!!
Falls du noch Fragen hast kannst du mir gerne eine Mail schreiben oder meinen Blog (www.leandersjapanblog.blogspot.com) besuchen. Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Glück!
Leander Rust


