Erasmus in Bologna – Sechs Monate dolce vita
Ein Auslandsaufenthalt lohnt in jedem Fall. Bologna ist als beliebte Studentenstadt sehr zu empfehlen, denn man findet schnell Anschluss, die Stadt hat einen besonderen Charme und kulturell viel zu bieten.
Alltägliche Probleme
Die erste große Aufgabe, die der Erasmusstudent bewältigen muss, ist die Suche nach einer geeigneten Bleibe. Wer sich nicht schon im Vorfeld für ein Zimmer entschieden hat, findet leicht vor Ort eine Wohnung. Zahlreiche Wohnungsanzeigen hängen an den Wänden der Via Zamboni, wo sich der Großteil der Fakultäten befindet. Auch die Universität hilft bei der Suche. Die Mietpreise sind aber gesalzen: Für ein kleines Einzelzimmer muss man mit 400 € kalt rechnen. Ein Doppelzimmer ist deutlich günstiger, aber nicht jedermanns Sache.
Um die Stadt zu erkunden, ist ein Fahrrad eine lohnende Investition. Da sich das Studentenleben vorwiegend im historischen Stadtkern abspielt, kann der Student alle wichtigen Ziele bequem mit dem Rad erreichen. Unabdingbar ist allerdings ein großes Schloss, denn in Bologna ist es gängiges Gewerbe, Fahrräder zu stehlen und zu verkaufen. In der Via Zamboni flüstern dir skurrile Gestalten „Bici, bici“ zu und nach einem kurzen „Verkaufsgespräch“ ist der Handel perfekt.
Studium an der ältesten Universität Europas
Das italienische Studium unterscheidet sich in seinem Aufbau vom Deutschen. Das Semester ist aufgeteilt in zwei Teile. In jedem Turnus belegt man neue Kurse. Insgesamt hat der italienische Student zehn Wochen Vorlesung, wobei es keine Anwesenheitspflicht gibt. In der darauffolgenden vorlesungsfreien Zeit finden die Prüfungen statt. In einer Prüfung können die Studenten maximal 30 Punkte erreichen, mit 18 Punkten ist die Prüfung bestanden.
Die Bologneser Studenten studieren an der ältesten Universität Europas; sie wurde 1088 gegründet. Die 80.000 Studenten stellen rund 20 % der Bevölkerung. Darunter sind viele junge Italiener aus dem Süden, sogenannte terroni. Sie kommen nach Bologna, da die Universität einen hervorragenden Ruf genießt und dort renommierte Professoren, wie der Schriftsteller Umberto Eco lehren.
Der Erasmusstudent nimmt an den gleichen Kursen und Prüfungen teil wie italienische Studenten. Daher sind gute Italienischkenntnisse Voraussetzung. Sicherlich drücken auch manche Dozenten ein Auge zu. Ob aber letztendlich die Professoren an der Heimatuniversität die erbrachten Leistungen anerkennen, ist fraglich.
Vielfältige Freizeitgestaltung
Kulturell ist in Bologna und Umgebung viel geboten. Zunächst sollte man natürlich Bologna selbst erkunden. Ob Museen, bemerkenswerte Architektur oder Konzerte – es ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Wie viele italienische Städte hat auch Bologna wunderschöne Plätze, an denen sich bei schönem Wetter zahlreiche Menschen aufhalten. Der Lieblingsplatz der Einheimischen ist aber die Piazza Santo Stefano, wo auch der ehemalige Ministerpräsident Romano Prodi eine Wohnung besitzt.
Was man sich nicht entgehen lassen sollte, ist der traditionelle Aperitivo. Am frühen Abend trifft man sich mit Freunden in einer Bar, trinkt ein Bier oder ein Glas Aperol mit Sekt und bedient sich am Buffet. Durch die zentrale Lage bietet sich Bologna als Ausgangspunkt für Ausflüge in umliegende Städte an. Sehenswert ist zum Beispiel Parma, die Heimat des Parmaschinkens und des Parmesans oder das kleine, sympathische Siena.
Positives Fazit
Rückblickend betrachtet war das Auslandssemester eine wertvolle Erfahrung. Mein Professor hat mir zwar nur einen Schein angerechnet. Dennoch war die Zeit nicht verloren, da ich viele Erfahrungen und Bekanntschaften gemacht habe, die mir sonst versagt geblieben wären. Ein schöner Nebeneffekt war, dass ich mein Italienisch bei den stundenlangen Gesprächen mit meiner Mitbewohnerin deutlich verbessert habe.
Stefanie Riedl


