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Freiwilliges Soziales Jahr in Israel: Die Wartesemester überbrücken und gleichzeitig etwas Gutes tun!

Als Carolin nach dem Abitur nicht den gewünschten Studienplatz bekam, entschloss die 19-Jährige einen Freiwilligen Sozialen Dienst in Israel zu absolvieren. Noch bis Ende Juni 2008 wird Carolin in Tel Aviv im Rahmen ihres FSJ Autisten betreuen.

Als Carolin nach dem Abitur nicht den gewünschten Studienplatz bekam, entschloss die 19-Jährige einen Freiwilligen Sozialen Dienst in Israel zu absolvieren.
Als Carolin nach dem Abitur nicht den gewünschten Studienplatz bekam, entschloss die 19-Jährige einen Freiwilligen Sozialen Dienst in Israel zu absolvieren.

Du bist derzeit noch in Israel. Wann startete denn dein Auslandsaufenthalt?

Ich bin am 4. September 2007 in Deutschland gestartet und dann voller Erwartungen in Rischon Lezion, der Vorstadt von Tel Aviv, angekommen. Rischon Lezion ist eigentlich eine der größten Städte in Israel, aber da es eine reine Wohnstadt ist, merke ich das gar nicht so. Die Menschen wohnen zwar hier, aber ihr Leben spielt sich in Tel Aviv ab.

Warum hast du dich schließlich für ein FSJ in Israel entschieden?

Durch eine Freundin von mir bin ich auf die Idee gekommen nach Israel zu gehen. Sie machte mir den Vorschlag und da ich mal raus aus meinem alten Trott und meiner Umgebung wollte, freundete ich mich schnell mit dieser Idee an. Ich wollte einmal unabhängig sein, mich weiterentwickeln, neue Menschen und vor allem eine neue Kulturen kennen lernen.

Im Grunde war meine Entscheidung allerdings sehr spontan. Eigentlich wollte ich ein BA-Studium anfangen. Allerdings dachte ich, dass jetzt die Zeit für eine Sache gekommen ist, die mir niemand zutrauen würde.

Davon abgesehen habe ich mich auch vorher schon viel mit Israel und seiner politischen Situation beschäftigt.

Nun erfahre ich, wie es ist, hier zu leben, welche Gedanken die Leute hier beschäftigen und was sie über ihre Situation fühlen.

Wie würdest du deine ersten Eindrücke von Land und Kultur beschreiben?

Im Großen und Ganzen sind meine Eindrücke mehr als positiv. Ich denke allerdings, dass das normal ist, wenn man einen gewissen Zeitraum in einem anderen Land verbringt.

Die Menschen in Israel leben mit ganz anderen Problemen.

Bereits nach den ersten Tagen ist mir sofort die Gastfreundschaft aufgefallen. Wir waren zu mehreren Partys und Festen eingeladen und es wurde alles gegeben, um die Gäste glücklich zu machen. Ich hoffe, dass ich mir diese Eigenschaft auch annehme. Die deutsche Mentalität ist mir nicht ganz koscher. Ständig beschweren sich die Deutschen, wie schlecht es ihnen geht. Dabei hat doch fast jeder das, was er braucht.

Hier leben die Menschen mit ganz anderen Problemen: Die außen- und innenpolitische Lage sind nicht ansatzweise stabil. Wie die Menschen hier damit umgehen, hat mich sehr beeindruckt.

Was mich natürlich auch fasziniert ist, dass in einem so kleinen Land nicht nur viele Kulturstätten sind, sondern auch drei Klimazonen, die dementsprechend keine Wünsche offen lassen. Momentan liegt im Norden Schnee. Ist man acht Stunden weiter südlich (in Elat), hat man momentan 25°C.

Du hast die Gastfreundschaft der israelischen Bevölkerung erwähnt. Welche kulturellen Besonderheiten sind dir außerdem aufgefallen?

Religionen spielen natürlich in Israel eine sehr große Rolle. Jeder weiß, dass Israel das Land der Juden ist. Diese Religion finde ich besonders interessant, denn durch religiöse Tage wie den Schabbat ist das Leben hier nicht nur entspannter, sondern auch wesentlich familiärer. Vor zwei Wochen habe ich bei einer befreundeten Familie einen richtigen Schabbat von frommen Juden miterlebt. Das war wirklich faszinierend, denn von Freitagnachmittag bis Samstagabend macht man dann nichts anderes außer essen, beten und schlafen.

Es gibt in Israel natürlich auch religiöse Minderheiten, wie beispielsweise die Drusen oder Beduinen, die hier in ihrem eigenen System leben, jedoch vom Staat anerkannt und unterstützt werden. Es ist immer wieder schön zu merken, dass diese Leute, trotz dem sie Teil einer Subkultur sind, sich nicht als Gegenkultur sehen.

Zu erwähnen ist noch, dass ich mir im Land nie fremd vorkomme. Durch Einwanderung ist das Land durch so viele Kulturen geprägt, dass ich nie das Gefühl habe, dass man mich nicht akzeptiert.

Wo hast du dich denn für diesen Freiwilligen Sozialen Dienst beworben?

Ich habe mich über den Deutsch-Israelischen Verein für dieses Soziale Jahr beworben. Mit diesem Verein gibt es allerdings bis heute viele Probleme, vor allem wenn es um das Kindergeld geht.

Wie sieht denn deine Arbeit mit den Autisten aus?

Meine Arbeit besteht darin, die Autisten (im Alter zwischen 14 bis 38) in ihrem Alltag zu begleiten. Ich arbeite in einem Hostel, also in ihrer Wohnstätte. Die Autisten kommen am Nachmittag gegen 16 Uhr von der arbeit oder Schule und machen dann genau die gleichen Dinge, die wir eben auch zuhause machen (natürlich eingeschränkt). Ich gucke dann, ob sie richtig duschen, spiele oder male mit ihnen, oder gehe mit ihnen raus. Außerdem bereite ich ihr Essen vor und beaufsichtige sie während der Mahlzeit. Am Abend gucken wir dann noch TV und dann gehen sie ins Bett. Meine Arbeitszeit ist also von 15 bis 22 Uhr, obwohl ich meistens früher nach Hause gehen darf.

Wie verständigst du dich mit den Autisten? Sprecht ihr im Hostel Englisch?

Während der Arbeit verständige ich mich mit den Autisten auf Hebräisch, mit meinen Kollegen auf Hebräisch und Englisch.

Ich habe im ersten Teil des Jahres vormittags (immer von 8.15 Uhr bis 12.40 Uhr) einen Hebräischkurs in der Ulpan belegt. Dieser Kurs dauerte fünf Monate. Ich war allerdings nicht immer da, weil das dann mit der Arbeit ganz schön stressig wurde. Im Grunde kann ich aber schon ganz gut Hebräisch sprechen und mich verständigen.

Was unternimmst du in deiner freien Zeit?

In meiner Freizeit mache ich sehr viel mit Freunden. Ich reise sehr gerne und nutze den Luxus am Meer zu wohnen. Sehr häufig gehe ich dorthin und genieße den herrlichen Sonnenuntergang.

Da ich mit anderen Deutschen in einer Wohnung lebe, ist eigentlich immer etwas los. Da bin ich dann manchmal auch froh, wenn ich Ruhe auf dem Balkon genießen kann.

Im Grunde genieße ich hier die Zeit, so gut ich kann und nutze sie, um endlich einmal Dinge zu tun, die ich schon immer machen wollte: zum Beispiel die Bibel lesen.

Du hast einen Teil deines Auslandaufenthalts schon hinter dir. Hat dich dieses FSJ in deiner späteren Studien- und Berufswahl beeinflusst?

Ich habe mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden, weil ich zum einem selbstständig sein wollte (auch Geld verdienen wollte) und zum anderen meinen Berufswunsch mit diesem Auslandsaufenthalt verbinden wollte. Ich bin froh über meine Arbeit mit den Autisten, da ich eigentlich auch Sonderpädagogik (oder ähnliches) studieren wollte, nun aber ziemlich schnell festgestellt habe, dass solch ein Beruf auf Dauer nichts für mich ist. Ich bin nämlich weder körperlich noch geistig ausgelastet. Obwohl Autisten wahnsinnig tolle Menschen sind, kann ich mir nicht vorstellen diesen Beruf über Jahre hinweg auszuüben.

Und wie soll es dann schließlich nach deinem FSJ weiter gehen?

Wenn ich wieder in Deutschland bin, würde ich gerne Psychologie oder Sozialpädagogik studieren. Aber ich will und werde mich auch noch nach anderen Alternativen umschauen, falls beides nicht klappt. Interessieren würde mich zum Beispiel auch der Studiengang Nautik oder ein Studiengang mit Literaturschwerpunkt.

Möchtest du nach deinem Aufenthalt noch einmal nach Israel kommen?

Auf jeden fall werde ich noch öfter nach Israel kommen: Freunde besuchen und das Land genießen. Ich glaube, dass es wesentlich interessanter ist, das Land zu bereisen, wenn man die Bibel komplett gelesen hat. Da ich dafür bestimmt noch einige Jahre brauche, werde ich später auf jeden Fall wiederkommen, um alles richtig nachvollziehen zu können. Denn auch wenn man nicht an Gott glaubt, hat das Land ein ganz besonderes Flair.

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich es wahnsinnig schön finde, für ein Jahr in Israel zu leben. Israel wäre allerdings für mich kein Land, in dem ich mich dauerhaft niederlassen würde.

Danke für das interessante Gespräch!

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