Ivrit-Sprachkurs an der Sommeruniversität in Beer Sheva
„Die Sicherheitsvorkehrungen in ganz Israel sind hart. Ständig werden Taschen kontrolliert, Busfahren sollte man auf jeden Fall vermeiden und überall ist stark bewaffnetes Militär.“ Die Göttinger Theologiestudenten Hendrik Klinge und Sandra Friedhoff sowie ihre 50 Kommilitonen aus aller Welt bekamen an der Ben-Gurion-Universität des Negev in Beer Sheva zuerst einen Vortrag über Sicherheit in Israel. Sechs Wochen lernten sie an der Sommeruniversität Ivrit, die neuhebräische Sprache. Für Hendrik Klinge geriet die israelische Sicherheitspolitik aber schnell in den Hintergrund: „Ich hatte keinen Kultur-, sondern einen Hitzeschock!“
Ivrit ist eine besonders spannende moderne Fremdsprache, weil sie sich noch im Entstehungsprozess befindet. Seit der Gründung des Staats Israel 1948 ist Ivrit Amtssprache für die etwa sieben Millionen Einwohner des Landes. „Unsere Sprachlehrer sind keine Muttersprachler“, erzählt Sandra Friedhoff. „Das passt zu diesem Einwanderungsland, in dem auch die meisten Staatsbürger erst in Sprachkursen Ivrit lernen mussten. Gerade deshalb ist das Sprachkurssystem auch so gut.“

Vor der Anreise im Sommer gibt es immer einen schriftlichen Einstufungstest, am ersten Tag des Kurses werden alle Sprachschüler zusätzlich mündlich geprüft. Etwa 15 Teilnehmer pro Kurs lernen in unterschiedlichen Niveaustufen vier Stunden täglich von Sonntag bis Donnerstag Neuhebräisch. Gerade bei dieser Sprache sind die Lernmotive vielfältig: „Viele besuchen den Sprachkurs aus religiösen Gründen“, erklärt der Student, der nach dem Pflichtkurs für Theologen in Althebräisch Ivrit lernen wollte. „Es gibt bei vielen eine Vorstellung vom heiligen Land und einer heiligen Sprache. Andere aber haben zum Beispiel Ivrit als zweite Muttersprache gelernt und wollen es hier aufbessern.“

Neben dem anspruchsvollen Sprachunterricht bietet die Ben-Gurion-Universität den Ivritstudenten ein umfangreiches Freizeit- und Kulturprogramm. Bei den wöchentlichen Exkursionen nach Jerusalem, Tel Aviv oder ans Tote Meer lernten sich die Sprachschüler bei Stadtbesichtigungen oder in orientalischen Shisha-Bars intensiv kennen und wandten die neu gewonnenen Ivritkenntnisse in bereichernden Gesprächen mit interessierten Israelis an. „Wir haben überhaupt keine Anfeindung gegenüber Deutschen erlebt“, bemerkt Hendrik Klinge. „Im Gegenteil waren alle Israelis, die wir getroffen haben, sehr aufgeschlossen und freuten sich, dass wir ihre Sprache lernen.“

Zurück in Deutschland plant Sandra Friedhoff schon ihren nächsten Aufenthalt in der Wüstenstadt Beer Sheva: „Der Kurs war so gut, dass ich gerne mit der nächsten Niveaustufe weitermachen würde. Und in Beer Sheva ist man durch die Campus-Nähe sehr gut ins israelische Studentenleben integriert.“

Mehr Informationen über diesen sechswöchigen Ivritkurs gibt es im Internet unter http://web2.bgu.ac.il/cisp/. Die Sprachschüler wohnen direkt auf dem Uni-Campus, meistens in Doppelzimmern mit einem Israeli. So wird der interkulturelle Austausch gefördert und die Schüler haben sofort Kontakt zu Einheimischen. Über den DAAD oder die Ben-Gurion Stiftung können Stipendien für diese Sprachreise beantragt werden.
Eva Klassen


