Meine Reise allein in den Iran & warum ich Iranistik studiere
Das ich in den Iran möchte hat die meisten Menschen in meiner Umgebung in Erstaunen und Schrecken versetzt. Kein Wunder, in unseren Medien hören wir nur vom Atomprogramm, den Diskriminierungen und von den Menschenrechtsverletzungen. Trotz all dieser Wiedrigkeiten oder gerade deswegen war ich von meiner fixen Idee, dieses geschichtsträchtige und „gefährliche“ Land zu bereisen, nicht mehr abzubringen.
Das Abitur gerade abgeschlossen, noch nicht so recht wissend in welche Richtung ich mich beruflich oder Ausbildungs- technisch wenden soll und von meiner unbändigen Neugier getrieben machte ich mich mit meinen 19 Jahren alleine auf den Weg ins Ungewisse.
Trotz unzähliger Bücher, youtube Videos und Internetrecherchen war ich von der Realität des Landes überrascht. Ich hatte mir drei Jahre lang ein Bild von einem Land gemacht und versucht, dass so unbefangen und objektiv wie möglich zu tun. Und dennoch verbrachte ich eine gute Woche damit, die von der westlichen Propaganda heimlich in mein Hirn eingeschleusten Vorurteile wieder abzubauen und durch die Realität zu ersetzten.
Natürlich ist der Iran ein islamisches Land und nicht nur das, zudem ist er auch noch eine islamische Republik. Das definiert sich dadurch das a) die Geistlichen (Mullahs) das Sagen haben und b) die Schaaria (=über 1000 Jahre altes Gesetzbuch der islamischen Gemeinde) als Gesetz gilt. Zweitere ist auch für Menschenrechtsverletzungen wie Steinigungen, Todesstrafen und verheiraten Minderjähriger, die regelmäßig Seiten füllende Themen von Amnesty Internationl sind, verantwortlich.
Hier komme ich nicht umhin zu erwähnen, das dieses Regime nie wirklich gewollt war und mehr durch eine Kette unglücklicher Umstände an die Macht kam, anstatt wie von den Mullahs deklariert, durch eine demokratische Wahl. Dementsprechend sind auch bestimmte Teile der Bevölkerung damals sowie Heute gegen das Regime und die als Demokratie getarnte Republik. Leider stehen die Chancen auf Veränderung und Mäßigung derzeit schlecht. Das Regime hält mit eiserner Hand an seinen Gesetzen fest und unterdrückt jeglichen Widerstand gewaltsam. Die meisten Iraner haben sich schon lange in eine anhaltende Passivität zurückgezogen und die meisten aktiven Regimegegner befinden sich im Exil, im Gefängnis oder schlimmsten Falls unter der Erde.
Trotz dieser bedenklichen, und für den gebildeten, westlich orientierten Teil der Bevölkerung, untragbaren Situation haben die meisten Iraner ihr geselliges und familienbezogenes traditionsbewusstes Leben bewahrt. Sie leiden unter den Umständen, ruhen aber nicht, die Macht der Regierung mit kleinen Gesten zu unterhöhlen. Die Frauen verdecken ihr Haar nur mäßig, Verkehrsregeln werden gebrochen wo nur irgendwie möglich und viele Männer tragen, trotz striktem Verbot, westliche Kleidung und Frisuren.
Der Protest der Menschen findet nicht offen statt, aber es wäre anmaßend zu behaupten, dass es keinen gibt. Es gibt sie, die stille Reformbewegung der Iraner, die den Mullahs langsam aber stetig ihre Macht zu entziehen droht.
Dieses Land, dass von unseren Medien als eines der gefährlichsten überhaupt deklariert wird, war mir zwei Monate lang eine sichere und liebevolle Heimat. Trotz Regime und Unannehmlichkeiten haben mich die Menschen mit offenen Herzen und Armen empfangen. Ich wurde bewundert für meinen Mut ihr Land zu bereisen, da den Iranern durchaus bewusst ist, was unsere Medien über sie berichten. Meine Idee, die andere Seite eines von uns so schwarz gemalten Landes zu entdecken ist vollkommen aufgegangen. Im gastfreundlichsten Land dieser Welt durfte ich, als Allein reisende Frau die besten Erfahrungen meines bisherigen Lebens sammeln. Ich blicke ohne Reue auf meine Zeit im Iran zurück und freue mich in einigen Monaten wieder in meine nun zweite Heimat zurückzukehren.
Die Inspiration für ein ungewöhnliches Studium
Was lange Zeit nur ein großer Traum war wurde für mich zur Realität. Ich verwirklichte meinen Traum und die Belohnung dafür war nicht nur eine wunderbare Zeit in einem sehr schönen Land sondern auch die Gewissheit mich noch mehr und intensiver mit dem Iran beschäftigen zu wollen. Und so hat mich diese ungewöhnliche Reise direkt zu einer seltenen Studienrichtung, der Iranistik geführt.


