Praktikum bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Indonesien
Lisa hat an der Universität Heidelberg Politikwissenschaften studiert. Nach ihrem Studienabschluss absolvierte die 26-Jährige vom 05. März bis 04. Mai 2007 ein Praktikum in Indonesien für die Friedrich-Ebert-Stiftung. Im Interview mit Stellenboersen.de erzählt Lisa, was sie in Jakarta alles erlebt hat, welche Aufgaben sie bei der Stiftung übernommen hat, und wieso sie vor Praktikumsbeginn noch an einen Indonesisch-Sprachkurs teilgenommen hat.
Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Praktikum bei der Friedrich-Ebert-Stiftung zu absolvieren?

Ich habe in Heidelberg Politikwissenschaften studiert. Meine Magisterarbeit habe ich dann über die Konfliktregelung in der ASEAN (Vereinigung Südostasiatischer Staaten) geschrieben. Im Anschluss daran wollte ich dann gern ein Praktikum im Politik-Bereich machen – am Liebsten in Südostasien mit Bezug zu meinem Magister-Thema. Ich habe mich bei Professoren, im Internet und bei Kommilitonen informiert, wo und wie ich in diesem Bereich Arbeitserfahrung sammeln könnte. In der Regel kam der Rat, ich solle mich bei Stiftungen bewerben, da dies relativ unbürokratisch sei und man gut in die Arbeit eingebunden werden würde.
Für die Friedrich-Ebert-Stiftung habe ich mich dann aus zwei Gründen entschieden: Sie ist die größte parteinahe Stiftung Deutschlands, mit den meisten Auslandbüros und begegnete mir bei meinen Recherchen immer wieder mit Analysen und Kurzberichten. Außerdem ist die Stiftung in den meisten südostasiatischen Ländern vertreten und ich konnte mich gut mit ihren Werten, Idealen und Zielen identifizieren.
Hatte die Stiftung zu diesem Zeitpunkt Praktikanten gesucht oder hast du einfach eine Initiativ-Bewerbung eingereicht?
Ich habe der Stiftung eine Initiativ-Bewerbung per E-mail geschickt. Im Anschreiben habe ich dann meine Motivation für das Praktikum und meine bisherigen beruflichen Erfahrungen beschrieben.
Kannst du uns kurz die Friedrich-Ebert-Stiftung vorstellen?
Die FES ist eine parteinahe Stiftung (zur SPD), die sich im Bereich der politischen Bildung engagiert. In Deutschland fördert die Stiftung Pluralismus, Demokratie, internationale Verständigung und Zusammenarbeit. Außerdem vergibt sie Stipendien für Studenten und Doktoranden.
Im Ausland arbeitet die FES vor allem in den Bereichen Entwicklung, Frieden und Sicherheit, Demokratie und Gerechtigkeit, Menschenrechte und Gleichstellung. Dazu werden Seminare organisiert, Broschüren entworfen, Diskussionsrunden veranstaltet, politische Analysen verfasst und Kooperationspartner, wie zum Beispiel Menschenrechtsorganisationen, gefördert.
Hast du dir Indonesien als Zielort für dein Praktikum ausgesucht oder war das von der Stiftung vorgegeben?
Nein, ich habe mich in allen Büros beworben, deren Arbeit mir interessant erschien. Auf den verschiedenen Homepages der Büros werden ja die verschiedenen Arbeitsbereiche vorgestellt. Ich habe schließlich drei Zusagen bekommen. Für Indonesien habe ich mich dann entschieden, weil die Arbeitsfelder am besten zu mir passten: Konfliktmanagement, Demokratisierung, Medien und Ost-Timor.
In welchem Bereich hast du dann schließlich dein Praktikum absolviert?
Es gibt keine direkte Bezeichnung dafür, was ich gemacht habe. Ich bekam einige Aufgaben und durfte dann selber sagen, wo ich gerne mitarbeiten möchte. Alles andere ergab sich nach und nach.
Ich wurde dann in mehreren Bereichen eingesetzt: Zum Beispiel habe ich eine Studie vorbereitet, Power Point Präsentationen über das politische System Indonesiens erstellt oder den Besuch einer Delegation aus der Schweiz vorbereitet.
Ich habe außerdem an dem Seminar „Building Peace and Understanding Conflict through Systemic Conflict Transformation“ für Journalisten teilgenommen und mitgearbeitet.
Und schließlich habe ich noch mit einer Kollegin die Wahlvorgänge in Ost-Timor beobachtet, recherchiert und dazu Daten gesammelt. Dafür waren wir mehrere Tage vor Ort, haben Interviews geführt und die aktuelle Lage beobachtet.
Wo hast du während des Praktikums in Indonesien gewohnt?

Ich habe in einem Apartment-Zimmer gewohnt. Es gab kleine Wohnkomplexe mit mehreren Zimmern, die vermietet wurden. Jedes Zimmer hatte ein eigenes Bad, einen Fernseher, einen Kühlschrank, ein großes Bett und eine Klimaanlage. Man konnte dieses Zimmer durch eine separate Haustür erreichen.
Zu Beginn meines Aufenthalts habe ich noch in einem anderen, etwas billigerem Apartment gewohnt. Dieses kostete 220 Euro. Im Preis waren dort auch das Waschen meines benutzten Geschirrs, das Wechseln der Bettwäsche sowie die tägliche Reinigung des Zimmers enthalten. Leider erwies sich diese erste Unterkunft nach einigen Wochen als etwas unglücklich gewählt. Ich versuch es mal zu erklären: Ich war eine weiße Frau, allein und mit wenigen Sprachkenntnissen, da haben sie dann versucht etwas herauszuschlagen.
Ich habe dann für die letzten zwei Wochen noch mal die Unterkunft gewechselt. Hier musste ich 50 Euro mehr bezahlen, hatte aber zuverlässigeren Service, eine sehr nette Verwaltung und es war sauberer. Auch Internet hatte ich in diesem Zimmer. Es gab dort auch eine Küche mit Gemeinschaftraum, die ich aber nie gebraucht habe, da das Essen in Indonesien so preiswert ist.
War das Praktikum vergütet?
Nein.
Du hast vor deinem Praktikum noch an einem einwöchigen Indonesisch-Sprachkurs teilgenommen. Warum hast du dich für diesen Sprachkurs entschieden?
Der Sprachkurs war keine Pflicht. Mein Chef riet mir allerdings, dass ich mir ein paar Basics der indonesischen Sprache aneignen sollte. Man kann in Indonesien nicht davon ausgehen, dass die Leute immer Englisch sprechen.
Ich habe in Deutschland keine Möglichkeit gehabt, Indonesisch zu lernen, also suchte ich mir eine Sprachschule vor Ort im Internet.
Da die Sprache relativ einfach ist, reichte dieser kurze Zeitraum von sechs Tagen. Ich hatte circa sechs Stunden Sprach-Einzelunterricht pro Tag mit wechselnden Lehrern. In der Regel wurde die Grammatik gepaukt oder die Konversation geübt. Der Sprachkurs war wirklich gut, für unsere Verhältnisse sehr günstig und tatsächlich hilfreich. Ich konnte dann Essen bestellen, dem Taxifahrer sagen, wo ich hin will und verhandeln.
Wie teuer war denn dieser Sprachkurs?
Der Sprachkurs hat 220 US-Dollar gekostet. Das ist für sechs Tage Intensiv-Einzelkurs natürlich nicht viel.
In vielen Fällen beeinflusst ein Praktikum die spätere Berufswahl. Kannst du das bestätigen?

Ja, mein Praktikum hat mich beeinflusst und irgendwie gelenkt. Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Es war mir egal, ob ich Überstunden gemacht habe. Es war Arbeit, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Und ich habe mich nach diesem Praktikum auch bei der Stiftung beworben - das wäre mein absoluter Traumjob gewesen. Leider wurde ich nicht genommen.
Das Problem ist, dass ich bisher zu wenig Praktika im politischen Bereich gemacht habe. Ich habe es noch bei anderen Organisationen im Bereich Entwicklungszusammenarbeit versucht – leider auch ohne Erfolg. Ich habe das Gefühl, dass man für eine solche Stelle mindestens schon drei Jahre in Entwicklungsländern gelebt und fünf Praktika in dem Bereich absolviert haben muss. Gute Kontakte sollte man außerdem haben, sonst hat man nur wenige Chancen. Geholfen hat das Praktikum daher leider kaum beziehungsweise gar nicht.
Momentan arbeite ich in einem ganz anderen Bereich: PR und Marketing, was mir auch Spaß macht. Aber ich gebe den Traum nicht auf, bilde mich weiter und verliere mein Ziel nicht aus den Augen. Leider habe ich eben erst sehr spät (durch das Praktikum) gemerkt, was ich wirklich machen möchte.
Wie würdest du die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Indonesien beschreiben?
Wo fang ich da an? Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde. Da gibt es allein der Religion wegen eine Menge Unterschiede.
Gastfreundschaft ist in Indonesien wahnsinnig wichtig. Doch es ist auch wichtig, dass man sich als Gast entsprechend verhält: Miniröcke und Riesen-Ausschnitte sind nicht gern gesehen und als Frau sollte man stets seine Knie bedecken. Paare sollten sich auch nicht in der Öffentlichkeit küssen.
Doch natürlich gibt es hier auch wieder viele Ausnahmen: Als ich abends mal in einer indonesischen Disco war, war ich die einzige OHNE Minirock und Kerl am Arm. Und ich war fast die einzige Nüchterne. Es ist alles so herrlich ambivalent und immer wieder anders und überraschend.
Allein reisende Frauen (vor allem blonde) fallen auf. Und wenn man mit 25 Jahren noch nicht verheiratet ist, stößt das meist auf fragende und interessierte Blicke.
Die Indonesier, mit denen ich in Kontakt kam (ich meine die Menschen auf der Straße), berühren auch schon mal die exotische weiße Haut. Oder die Nase, weil die ja so lang ist. Das ist gewöhnungsbedürftig.
Es ist auch ganz normal, dass man ständig ausgefragt wird: Woher kommst du? Wohin gehst du? Bist du verheiratet? Hast du Kinder? Familiensinn und Verwandtschaft sind in Indonesien enorm wichtig.
Was hat dich im Land am meisten beeindruckt und was schockiert?
Auch das ist schwierig zu beantworten. Zum einen hat mich die wunderschöne Natur Indonesiens beeindruckt. Auch die unterschiedliche Auslegung des Islam war sehr faszinierend zu beobachten (radikal, konservativ und freizügig). Es ist interessant, wie junge muslimische Frauen auch durchaus modern und frei sein können. Sie gehen zusammen Shoppen oder in Diskos.
In manchen Bars bekommt man kein Bier oder anderen Alkohol. Daneben wiederum treffen sich die Kinder aus besseren Familien, die in den In-Bars mit wenig Stoff bekleidet ihre Cocktails schlürfen.
Schockiert? Schockierend ist, wenn man mit dem Zug an den Slumgebieten außerhalb der Großstadt vorbeifährt. Dort spielen offensichtlich kranke Kinder im Dreck. Wenn man hört, was ein normaler Arbeiter verdient und wen er davon versorgen muss, bleibt einem die Luft weg.
Möchtest du noch einmal nach Indonesien?

Klar, ich würde jederzeit wieder nach Indonesien gehen. Ich würde dort auch gerne einige Jahre leben und arbeiten, um das Land besser kennen zu lernen. Auch wenn es mit der Arbeit noch nicht geklappt hat, so werde ich doch wenigstens nächstes Jahr meinen Urlaub dort verbringen.
Welchen Tipp kannst du anderen Studenten, die sich für einen Auslandsaufenthalt in Indonesien interessieren, geben?
Einen direkten Tipp habe ich nicht. Vieles kommt immer anders, als man es geplant oder gelesen hat. Man sollte einfach offen sein, aber dennoch ein wenig kritisch und vorsichtig. Und man sollte die Sitten und Gebräuche achten und respektieren. Natürlich muss man auch viel Geduld mitbringen und damit rechnen, dass alles anders ist, als man es gewohnt ist. Wenn es möglich ist, sollte man versuchen die Basics der Sprache zu lernen. Man muss einfach die Chance wahrnehmen, eine ganz tolle Erfahrung machen zu können.
Von Julia von der Heyden


