Indonesien...
Die Augen sehen, die Nase riecht, die Ohren hören, die Zunge schmeckt!Das Chaos auf den Straßen: Minibusse blockieren den Verkehr, die Ojeks (Mopeds) schlängeln sich irgendwo dazwischen und suchen sich einen schnelleren Weg – Gehupe in meinen Ohren. Am Straßenrand hockt eine Frau, sie möchte für ein paar Rupiah ein bisschen Obst und Gemüse verkaufen. Ein Straßenmusikant setzt sich noch schnell in die offene Tür eines Angkots (Minibus) und spielt ein Lied auf der Gitarre. Seine Stimme füllt den Wagen, Menschen sitzen dicht an dicht und ich dazwischen. Ich höre zu, hören auch sie zu? Überhören sie die Musik? Ich schwitze, sie schwitzen auch...
Fremde Gerüche in der Nase und Tränen in den Augen
Gebackene Bananen, gegrillter Mais, Gewürze, Chili, frisches Obst und Gemüse, Abgase, Rauch. Alles vermischt sich im bunten Treiben der Stadt, bildet einen neuen Geruch. Danach ist alles undefinierbar. So riecht ein buntes Durcheinander. Das Durcheinander der Gerüche eines Entwicklungslandes. Eine ungewohnte Vielfalt für meine europäische Nase. Nach fast zwei Wochen kommt mein Appetit wieder. Mein Körper hat sich an das andere Klima gewöhnt. An einem Warung (Garküche) gibt es Pisang Goreng, Nasi, Mie, Tempe, Bakso, Ikan. Für mich ist alles unbekannt, also muss es probiert werden - der Durchfall kommt erst ein paar Tage später. Bei dem einen oder anderen Gericht bleiben meine Augen nicht trocken. Diese Gerichte sind gewürzt mit roten und grünen Chili- und das nicht zu wenig. Die Nase läuft...
Reisfelder, soweit das Auge reicht
Die einen grün - frisch gesetzten Pflanzen - die anderen gelb, bis zur Ernte dauert es nicht mehr lange. Ein Büffel wälzt sich im knietiefen Matsch. Ich erkenne Frauen und Männer mit Strohhüten auf den Terrassen. In der Ferne erhebt sich das Hochland. Das junge Faltengebirge Sulawesis. Die höchsten Gipfel können meine Augen durch den Dunst nicht mehr erkennen - eine beeindruckende Landschaft...
Der Ruf des Muezzins ist nicht zu Überhören
Fünfmal täglich ruft er die Muslime auf - zum Gebet für Allah. Es klingt befremdend in den Ohren: laut, auffordernd, unverständlich und unbekannt. Moscheen gibt es überall in den Städten, sie charakterisieren das Stadtbild. Ihre Kuppeln sind schon aus der Ferne zu erkennen. Frauen tragen Kopftücher, sind aber nicht komplett verschleiert. Die indonesische Regierung schreibt nur den Glauben an einen Gott vor und nicht, wie man sich zu kleiden hat. Sie lächeln mich an, ich lächele zurück...
In der Mitte Sulawesis liegt das Hochland von Toraja
Die Dorfbewohner veranstalten eine Begräbniszeremonie. Die Seele der Verstorbenen soll ihren Weg nach Puya antreten, dem Paradies der Toraja. Die Verstorbene war zwei Jahre "fieberkrank". Nein, eigentlich war sie schon zwei Jahre tot - aber nicht in den Augen der Toraja. Nur in den Augen derer, die nicht dem Glauben der Toraja angehören. Zwei Jahre ruhte die Tote im Haus der Verbliebenen. Nun soll sie beerdigt werden. Dafür kommen alle Verwandten zusammen. Büffel werden geopfert - und Schweine. Für mich sind es unzählbar viele. Es ist ein Begräbnis für eine Person mit hohem sozialem Status. Geschrei und Gegrunze auf dem Opferplatz. Die Tiere ahnen nicht, was ihnen bevorsteht – sie sind festgebunden an Bambustragen. Menschen und Tiere versinken im knöcheltiefen Matsch - es hat letzte Nacht geregnet. Durch ein Megafon ertönen Gebete in einer Sprache, die ich nicht verstehe: Bahasa Toraja. Außerdem wird verkündet, welches Schwein von wem geopfert wurde und welchen Wert es hat. Der Wert spielt eine ganz besondere Rolle. Nach und nach wird jedem Schwein die Kehle durchtrennt, Blut fließt. Ich muss aufpassen, dass ich nicht auf Gedärmen ausrutschte. Überall liegen Fleischstücke, Rauch brennt mir in den Augen. Diese Zeremonie wird noch Tage andauern. Meine Ohren nehmen Geräusche auf, die mein Gehirn nicht verarbeiten kann. Meine Augen sehen Rituale, für die es mir schwer fällt, Verständnis aufzubringen...

Der Merapi raucht immer noch
Eigentlich sieht der Vulkan friedlich aus, aus dem Krater entweicht nur eine dünne Rauchwolke. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass die Menschen vor ein paar Wochen noch flüchten mussten, aber Schutt und Trümmer sind Beweise der unglaublichen Naturgewalt. Die Auswirkungen des Erdbebens sind unübersehbar. Am Fuß des Vulkans ist alles grau in grau, die Reste von zerstörten Häusern, kümmerliche Mauern, nur am Boden ist noch der Grundriss zu erkennen. Hier haben Menschen gewohnt, aber sie mussten sich ein neues zu Hause suchen, wenn sie es überhaupt noch rechtzeitig geschafft haben...
Ich gehe durch die Straßen..

und höre immer wieder:
"Dari mana mister?" Woher kommst du?
Missis kennen sie nicht.
"Sudah kawin?" Bist du schon verheiratet?
Manchmal sage ich "ya", manchmal "belum" - noch nicht. Man will hier schließlich nichts ausschließen. Ein nein wäre unhöflich und für die Indonesier unbegreiflich.
"Mau ke mana?" Wohin willst du?
"Jalan-jalan." Ich gehe spazieren, habe kein bestimmtes Ziel, schaue mir das Leben auf der Straße an und lasse alle neuen Eindrücke auf mich einwirken...
Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig dran teilhaben lassen!
Sonja Strupp


