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Auslandssemester in Delhi: Ich habe mich bewusst für ein weniger entwickeltes Land entschieden!

Von August 2006 bis Februar 2007 war Sandra, die an der Universität in Salzburg Geschichte studiert, für ein Semester in Delhi. Sie hat sich für Indien entschieden, weil sie ein Land außerhalb Europas kennen lernen wollte und auch schon vorher einen Bezug zu Indien hatte. Im Interview mit Stellenborsen.de spricht die 24–Jährige über die Armut in Indien, den indischen Studienalltag sowie die kulturellen Unterschiede zu Österreich.

Auslandssemester in Delhi: Ich habe mich bewusst für ein weniger entwickeltes Land entschieden!

Viele zieht es für ihr Auslandssemester nach Amerika oder Australien. Du warst in Indien. Woher kommt dein Interesse für dieses Land?

Ich wollte bewusst in ein weniger entwickeltes Land reisen, da ich das Leben dort kennen lernen wollte. Natürlich will ich nicht für immer auf die Vorzüge der Wohlstandsländer verzichten, aber ich wollte es doch einmal sehen und spüren, um mein perspektivisches Denken zu erweitern.

Wie hast du dich auf dein Semester in Indien vorbereitet?

Eigentlich gar nicht. Bis zum Tag der Abreise konnte ich es gar nicht glauben, dass ich nach Indien gehe. Es war irgendwie unvorstellbar. Ich habe auch nicht viel Gepäck mitgenommen, weil man mir gesagt hat, dass ich in Indien alles viel billiger bekomme – bis auf einige Ausnahmen. In Delhi gab es viele westliche Einkaufszentren, wo es dann wirklich alles gab.

Und wie würdest du deine Eindrücke von Indien beschreiben?

Einen besonders positiven Eindruck habe ich von der indischen Bevölkerung. Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit. Viel Armut kann man aber leider auch sehen; das ist sehr bedrückend. Und ich musste feststellen: Der Süden und der Norden Indiens sind sehr unterschiedlich.

Welche Unterschiede gibt es denn zwischen dem Norden und Süden des Landes?

Große Unterschiede gibt es im Klima. Ich war mal ganz im Norden in den Bergen, in Himachel Pradesh. Dort war das Wetter fast wie in Deutschland –kühl. Im Süden, zum Beispiel in Kerala, war es hingegen sehr heiß, obwohl ich im Winter dort war. Die Kultur im Norden unterscheidet sich auch sehr von der im Süden. Es werden andere Sprachen gesprochen und man geht anderen Religionen nach.

Du hast die Armut im Land erwähnt. Wie drückt sich die Armut aus?

In den großen Städten bilden sich viele Slums und die Bevölkerung wandert vom Land in die Stadt. Außerdem gibt es ja in Indien das Kastenwesen: Untere und Obere Kasten sind verschiedene Welten. Die unteren Kasten sind sehr arm und benachteiligt. Sie haben keinerlei Chance sozial aufzusteigen.

Erzähl uns von deinem Studienalltag in Indien!

Ich habe in Indien an der an der Jawaharlal Nehru University(JNU) die Geschichte des Landes studiert. Die Uni bestand aus einem riesigen Campus, auf dem sich alle Fakultäten, Studentenheime, Lehrer- sowie Mitarbeiterwohnheime und viele Treffpunkte befanden. Die Lehrveranstaltungen an der Universität kann man mit Schulunterricht vergleichen. Es gibt nicht so ein großes Lehrveranstaltungsangebot, was dazu führt, dass es Klassen gibt, die immer dieselben Kurse belegen. Die indischen Studenten waren alle sehr ruhig und fleißig.

Zum Lernen bin ich in Indien allerdings nicht so viel gekommen. Das klappt in Salzburg besser. Ich habe aber einen Hindi-Kurs besucht, wo man andere Foreign Students aus der ganzen Welt getroffen hat.

Was lernt man denn konkret in einem Hindi-Kurs?

Im Hindi-Kurs haben wir versucht Hindi zu lernen. Begonnen haben wir dabei mit den Buchstaben - Schrift und Aussprache. Das war gar nicht so einfach, da es allein fünf d’s und fünf t’s gibt, die alle verschieden ausgesprochen werden. Insgesamt gibt es ungefähr 47 Buchstaben.

Wie hast du denn in Indien gewohnt?

Ich habe mit einer anderen Studentin aus Salzburg außerhalb des Campus gewohnt. Während ich auf Reisen war, habe ich dann immer in Hotels gewohnt. Die waren aber sehr billig - ab 1,50 Euro die Nacht.

Welche großen kulturellen Unterschiede gibt es zwischen Indien und Österreich?

Auslandssemster in Indien

Die kulturellen Unterschiede zu vergleichen ist schwierig, da die Unterschiede sehr groß sind. Als ich von Indien zurück kam war alles sehr stressig für mich. Ich habe schon ziemlich lange gebraucht, um mich wieder an das stressige Leben zu gewöhnen. Die Zeit läuft in Indien irgendwie langsamer. Ich lebe ja in Salzburg und hier sind die Menschen sehr engstirnig und kleinkarriert. Sie regen sich über jede Kleinigkeit auf und gehen sich irgendwie aus dem Weg. In Indien gehen die Menschen mehr aufeinander zu und sind auch freundlicher. Für Inder ist immer die Familie das Wichtigste.

Und was ich sehr lustig fand: Befreundete Männer laufen in Indien Händchenhaltend durch die Straßen. Das kennt man ja so von Europa auch nicht.

Es gibt noch Vieles mehr, aber das würde einfach den Rahmen sprengen.

Was hast du in Indien ganz besonders vermisst – deine Familie und Freunde einmal ausgenommen?

Obwohl ich indisches Essen sehr gerne mag, hab ich unser deutsches Essen vermisst. Mittlerweile vermisse ich wieder indisches Essen. Eine Kombination aus beidem wäre perfekt. Man kann gar nicht sagen, dass ich irgendetwas richtig vermisst habe, da ich jeden Tag so viel Neues gesehen habe und das alles so interessant war. Es gab auf Reisen keinen Alltag, aber das hab ich auch nicht vermisst.

Möchtest du noch einmal nach Indien?

Ich möchte sehr gerne wieder nach Indien, weiß aber noch nicht wann. Zuerst möchte ich jetzt mein Studium abschließen. Es ist auch nicht so einfach, denn wenn ich nach Indien fliege, möchte ich schon länger bleiben und da darf man dann halt keine Verpflichtungen wie Studieren oder Arbeiten haben.

Welchen Tipp kannst du abschließend Studenten geben, die auch einmal ein Semester in Indien studieren wollen?

Ich kann natürlich nur Tipps für Delhi geben: Ich würde es schon weiterempfehlen an der JNU zu studieren. Ich habe dort in Munirka, einem sehr netten Stadtteil, gewohnt. Priya war der Ort mit dem Einkaufszentrum; hier gab es auch ein Kino, wo Hollywood- und Bollywood-Filme gespielt wurden. Mehr fällt mir dazu nicht ein; es ist ja in jeder Stadt anders.

Danke für das interessante Gespräch!

Von Julia von der Heyden

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