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Studieren im Entwicklungsland Indien

Katja studiert Wirtschaftswissenschaften an der Universität in Köln. Ihr Auslandssemester absolvierte sie an der Hochschule in Ahmedabad, Indien. Was sie von September bis Dezember 2006 auf dem asiatischen Kontinent erlebt hat und wie der Uni-Alltag in Indien organisiert ist, erzählt die Kölner Studentin im Interview mit Stellenboersen.de.

Studieren im Entwicklungsland Indien

Warum hast du dein Auslandssemester gerade in einem Entwicklungsland wie Indien absolviert?

Ich habe mich für Indien entschieden, als ich einen Artikel in der Wirtschaftswoche über Indiens Wirtschaftsboom und die Kontraste des Landes gelesen habe. Da stand für mich fest, dass ich ein Semester während meines BWL-Studiums in Indien verbringen wollte.

Wie hast du den Semester-Studienplatz in Indien bekommen?

Meine Universität hat eine Partnerschaft mit der indischen Universität. Wir mussten uns für einen Platz bewerben und mehrere Tests durchlaufen.

Es gab also ein richtiges Bewerbungsverfahren. Wie sah das im Detail aus?

Für die Bewerbung am Zentrum für Internationale Beziehungen der Universität Köln braucht man sein Vordiplom (in englischer Sprache), einen CV(Lebenslauf), ein Motivationsschreiben, warum man gerade an die entsprechende Uni möchte, und ein Professorengutachten eines Professors seiner Universität. Zuerst nimmt man dann an einem allgemeinen englischen Sprachtest teil. Nach einigen Wochen kommt man dann zu einem Interview auf Deutsch und Englisch. Und das war es dann auch schon.

Was waren deine ersten Eindrücke, als du in Indien ankamst?

Meine ersten Eindrücke von Indien haben meine Erwartungen bestätigt. Ich habe Indien zuerst als ein sehr schmutziges und lautes Land kennen gelernt. Aber dahinter steckt mehr als man denkt. Die Menschen haben einen völlig anderen Lebensstil. Sie leben und lieben ihr Leben (soweit sie können) und ihre Religion. Sie sind nicht von Stress geplagt, freundlich und immer offen für Gespräche. Das Land mit seinen tollen Gerüchen und Farben ist einfach einzigartig. Ich hoffe, dass durch das Wirtschaftswachstum nicht allzu viel von dem Lebensstil der Inder verloren geht, denn dieser macht Indien zu Indien. Dennoch entspricht der Lebensstil nicht dem eines Industriestaates. Und falls das Land weiter wachsen möchte, müssen sich teilweise die Einstellungen der Inder ändern.

Was kannst du uns über das Hochschulsystem in Indien erzählen?

Studieren in Indien

Das System an der indischen Universität ist mit Deutschland nicht zu vergleichen. Dort muss man nur zwei Jahre studieren. Im ersten Jahr werden die Grundlagen vermittelt, und das in einem Tempo, dass Studenten, die dem Druck nicht standhalten, scheitern. In dem ersten Jahr wird sehr stark selektiert. Das zweite Jahr ist dann ruhiger. Es wird die Theorie in die Praxis umgesetzt, dass heißt es werden Case Studies von der Harvard Business School analysiert.

Wie sah speziell dein Uni-Alltag in Indien aus?

Mein Uni-Alltag sah so aus, dass teilweise die Vorlesungen um 8:45 Uhr begonnen hatten. Wir waren davor kurz frühstücken und haben uns dann in die Räume begeben. Die Vorlesungen haben genauso lange gedauert wie in Deutschland: 90 Minuten. Bis 12:30 Uhr hatten wir meistens Vorlesungen und dann war Mittagspause in der Mensa. Nach dem Mittagessen ging es dann weiter mit den Vorlesungen. Gegen 16 Uhr hatten wir dann wieder Pause, damit wir Chai-Tee und andere indische Leckereien zu uns nehmen konnten. Bis teilweise 20:15 Uhr gingen dann die Vorlesungen an einem Tag. Danach war man wirklich ausgepowert und froh, wenn man sein Abendessen genießen konnte. Aber damit nicht genug: Wir hatten in den einzelnen Kursen sehr viele Projekte in Gruppen zu bearbeiten. Damit fing nach dem Abendessen für uns erst das Lernen bzw. die Arbeit an. In den ersten Monaten hatte ich echt zu kämpfen, nicht gegen Zwei Uhr einzuschlafen, aber der Mensch gewöhnt sich an alles. Zum Schluss fiel es mir auch nicht mehr schwer, die Nächte durchzuarbeiten, damit man die Projekte am nächsten Tag abgeben kann.

Das klingt wirklich stressig. Was hast du denn mit deiner wenigen freien Zeit angestellt?

Wir hatten wirklich nicht viel freie Zeit. Wir haben sie uns allerdings genommen und sind zum Beispiel herumgereist. Wenn wir in Ahmedabad geblieben sind, dann haben wir Shoppingtouren unternommen. Außerdem habe ich einige Bollywood- bzw. Hindi-Movies im Kino gesehen.

Wie hast du dieses Auslandssemester in Indien finanziert?

Mein Auslandssemester habe ich selbst finanziert. Durch ein bezahltes Praktikum habe ich etwas Beiseite legen können und mir diesen Abenteuertrip finanziert. Indien an sich ist nicht teuer. Man kann beispielsweise für circa 20 Euro einen Inlandsflug buchen. Relativ teuer sind hingegen der Flug nach Indien und die ganzen gesundheitlichen Vorkehrungen, die ich treffen musste.

Gesundheitliche Vorkehrungen?

Mit den gesundheitlichen Vorkehrungen meine ich Impfungen für Typhus, Tollwut, japanische Enzyphalites, Hepatitis A+B und eine Malaria Prophylaxe. Das ist alles sehr kostspielig, aber dennoch ratsam - obwohl man auch mit diesen Vorkehrungen nicht vor Virusfieber und Durchfallerkrankungen befreit ist.

Kannst du uns etwas über die indischen Essgewohnheiten erzählen?

Indisches Essen

Das Essen bestand fast immer aus vegetarischen Dingen. Ahmedabad liegt im Bundesstaat Gujarat, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass ein Alkoholverbot besteht und nur vegetarisch gekocht wird. Die indische Küche ist sehr scharf und wenn man als Westeuropäer nicht aufpasst, dann kann man sich schon sehr damit den Magen verderben. Meistens gab es Reis, Naan und dazu Gemüse. Für die Nicht-Vegetariar gab es Hühnchen oder Lamm etc. - das würde ich aber nicht empfehlen, da es meiner Meinung nach nicht richtig gewürzt war. Das Essen an sich war sehr lustig, denn die Inder essen nicht mit Besteck, sondern mit der rechten Hand. Am Anfang war es für mich schon eine große Umstellung nicht mit Messer und Gabel zu essen, aber ich hatte gute indische Lehrer für das Essen ohne Besteck.

Wie habt ihr während des Semesters gewohnt?

Wir, die 45 Austauschstudenten(aus Deutschland, Dänemark, Frankreich, England, Korea, Thailand...) haben mit den indischen Studenten auf dem Campus gewohnt. Somit war es relativ einfach Kontakte zu den indischen Kommilitonen aufzubauen. Jeder hatte ein Zimmer von circa sieben Quadratmeter und einen Balkon. Man hat sich dann mit vier oder sechs weiteren Mädchen die sanitären Anlagen geteilt.

Was hast du in Indien – ausgenommen von deiner Familie und deinen Freunden - am meisten vermisst?

Ich habe am Anfang die Sauberkeit, die wir Deutschland haben, vermisst. Schwarzbrot und Fleisch waren in Indien auch nur wenig zu finden.

Möchtest du noch einmal nach Indien?

Ich möchte auf alle Fälle noch einmal nach Indien, um zusehen, welche Zeichen der Wirtschaftsboom hinterlässt (sowohl beispielsweise positiv in der Infrastruktur als auch negativ in der Kluft zwischen Armut und Reichtum).

Danke für dieses aufschlussreiche Interview!

Von Julia von der Heyden

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