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Abenteuer "Sprachurlaub in Guatemala"

Dass man in Guatemala nicht nur günstig Spanisch lernen oder ein spannendes Praktikum absolvieren kann, zeigt dieser heitere Reisebericht von Eileen Ranscht, die zur Zeit ein Hilfsprojekt für Straßenkinder vom Verein Qué Chido leitet. Eileen machte sich mit ein paar Freunden auf den abenteuerlichen Weg ins Hochland, um dort Guatemalas Naturschätze zu erkunden...

Abenteuer "Sprachurlaub in Guatemala"

Sprachurlaub in Antigua Guatemala
Der Name der Stadt bedeutet "die alte Stadt Guatemala". Antigua Guatemala war die Hauptstadt der spanischen Kolonien in Mittelamerika und ist heute Weltkulturerbe der vereinten Nationen. Das kulturelle und touristische Reiseziel ist auch bei Sprachschülern ein beliebtes Ziel für eine Sprachreise. In Sprachkursen unterschiedlichen Niveaus können die Schüler spanisch lernen.

Ein kleiner subjektiver Reisebericht

Jedes Vorhaben setzt bestimmte Rahmenbedingungen voraus. Zunächst muß die Bedürfnislage geklärt werden, d.h., fünf urlaubsreife Menschen sind motiviert - sei es durch die dringende Notwendigkeit, Überredung oder gar sanften Druck - die Gelegenheit eines verlängerten Wochenendes zu ergreifen und auf Reisen zu gehen. In diesem Zusammenhang finden sich Gleichgesinnte, die dennoch unterschiedlicher nicht sein können. Als überaus vorteilhaft erweist es sich, wenn einer der Reisenden ein eingefleischter Reiseleiter ist, der evtl. schon den einen oder anderen Reiseführer über das jeweilige Land verfaßt hat. Somit können grobe Planung und organisatorische Angelegenheiten auf diese Person abgewälzt werden. Außerdem versprechen ein Erzieher und sein Praktikant jede Menge Spaß, da bereits im Vorfeld festzustehen scheint, wer wohl am meisten an Witzen und Sprüchen einzustecken hat. Weiterhin gibt es für die Quote - und falls die Praktikantenwitze einmal ausgehen sollten- noch einen Ossi sowie einen absoluten Frischling in Guatemala, gerade mal einen Tag im Lande.
Und schon ist der Mietwagen voll und es geht los.

Vermeintlich unspektakulär beginnt die Reise mit der Fahrt von Antigua nach Cobán. Aber um zügig und sicher dorthin zu gelangen, ist es günstig, einen Fahrer zu haben, der sowohl die Straßen als auch die Fahrweise in Guatemala kennt. Er muß ja nicht viel von Autos verstehen, er muß sie nur fahren können und dieses Glück wird uns zuteil. Souverän meistert unser „Reiseleiter“ jede durch die extrem ungünstige Straßenführung oder irre Verkehrsteilnehmer charakterisierte Herausforderung, womit zumindest die empfindlicheren Leute gut zu tun haben. Außerdem reagiert er unverzüglich auf jedes Grundbedürfnis der Insassen. Es scheint, als habe man die Frage nach einer Toilettenpause noch gar nicht vollständig ausgesprochen, als er schon mit wahnsinniger Geschwindigkeit die nächste Haltemöglichkeit ansteuert.

In Cobán übernachten wir im La Luna, einem tollen Hotel mit günstiger Preislage und einer unglaublichen Gemeinschaftsdusche, die es uns allen antut. Wild Entschlossene, die offenbar von Wasserdruck- und Heißwasser-Entzug geplagt werden, trotzen sogar dem Duschvorhang sowie dem ca. 50 cm hohem Wannenrand mehr als 30 Minuten lang und setzen das gesamte Bad unter Wasser.
Nach einem ausgezeichneten Frühstück brechen wir am frühen Morgen nach Semuc Champey auf - eine Tour, die uns lediglich den Eintritt kostet, ein weiterer Vorteil, der sich ergibt, wenn man mit dem Autor eines Reiseführers unterwegs ist.
Die Fahrt dorthin über Lanquín gewährt einem kaum Gelegenheit, die Augen zu schließen, weil die Landschaft atemberaubend schön ist. Einige schaffen es dennoch schwankend durch die kurvenreiche Gegend im Bus zu schlafen.

Semuc Champey von oben

Semuc Champey selbst bietet unzählige Möglichkeiten, die beeindruckende Schönheit dieser Gegend zu erkunden und zu genießen, angefangen von einer Vielzahl verschiedener Höhlensysteme bis hin zu der Wanderung zu einem Aussichtspunkt, wo man eine fantastische Sicht auf die natürliche Kalksteinbrücke hat. Endlich wieder unten angekommen, hat man es sich dann verdient, auf den einzelnen Terrassen herumzuturnen oder einfach nur das traumhafte Wasser zu genießen.

Semuc Champey

Wer nach diesem herrlichen, aber auch anstrengenden Tag noch ein Fünkchen Energie übrig hat, bricht nach Cobán auf , um sich dort den letzten Rest in einer Disko geben zu lassen. Musiktechnisch verspricht dieses Lokal, dessen Namen ich leider vergessen habe, alles andere als Abwechslung - hier bekommt noch jedes Lied den selben Rhythmus verpaßt. Wer sich allerdings für Sozialstudien interessiert, oder zufällig die Subkultur des guatemaltekischen Diskogängers untersucht, ist hier bestens aufgehoben und kommt voll auf seine Kosten. Die Anstrengung des Tages zeigt dann aber seine Wirkung und der Alkohol tut das Übrige - womit wenigstens die Gefahr eines "Amoklaufes" gebannt ist und man sich lediglich auf gelegentliches Augenrollen und verständnisloses Kopfschütteln besinnt. Nur einige Extrovertierte stopfen sich völlig unauffällig beinah ganze Servietten in die Ohren, um ihren Unmut offen kund zu tun.

Während der Besichtigung der Cuevas de Candelaria in der Nähe von Raxrujá sollte man auf keinen Fall irritiert oder frustriert sein, wenn der Leiter nach ca. 5 Minuten nicht mehr weiter geht. Das ist nämlich der Zeitpunkt, wo man sich die erstbeste oder einzige Person mit einer Lampe sucht und die Höhle selbständig weiter erkundet, was sowieso viel witziger ist. Bei solch spektakulären Naturwundern wird einem erneut bewußt, wie klein wir Menschen doch eigentlich sind.

Ausgang der Candelaria Höhle

Mit dem "Hotel Cancuén" in Raxrujá, wo es ganz nebenbei einen total süßen Schäferhundmischling gibt, ist man klasse bedient, da hat’s sogar Fernseher auf’m Zimmer! Von hier aus kann man zum Fluß gehen, wenn man Glück hat, zwischen sich waschenden Männern oder Wäsche waschendenden Frauen, mit genügend Ausdauer und Kraft versuchen, gegen die Strömung anzukommen und das kühle Naß genießen.

Eine nicht gerade vertrauenswürdige Hängebrücke, welche die Leute mit einer außerordentlichen Leichtigkeit überqueren, führt über diesen Fluß. Wer sich absolut nicht zurückhalten kann, darf da auch schon mal den gesamten Verkehr aufhalten und drüber gehen, um sie einfach mal von der anderen Seite betrachten zu können. Derartig fasziniert von einer so klapprigen Konstruktion können wohl auch nur Touristen sein.

In dieser Gegend scheint die Welt noch irgendwie in Ordnung in ihrer Einfachheit. Die Menschen holen ihr Wasser vom Fluß, waschen ihre Wäsche dort.
Spätestens wenn man den ersten Dorfbewohner mit Handy erblickt, platzt sogleich die romantische Vorstellung einer beinah unberührten Welt ohne Klingeltöne.


Dennoch strahlt diese Gegend eine natürliche Unbefangenheit aus, die man in den Städten so nicht mehr spüren kann.
Eine übersichtliche Auswahl an Speisen im Tu Casa, einem netten Lokal direkt neben der Hotelanlage, machen den Ausflug perfekt. Bloß nicht irre machen lassen und die eigentümlich erscheinende Logik still hinnehmen: Grundsätzlich darf man sich nicht von mindestens drei unterschiedlichen Preisangaben für das Bier verunsichern lassen, einfach fragen, denn vielleicht stimmt ja keine davon...

Durchaus empfehlenswert ist auch die nah gelegene Ruinenstätte Cancuén. Nur nicht das Mückenspray vergessen, ansonsten können drollige Tanzbewegungen durch den Wald entstehen, was natürlich auch etwas für sich hat. Allerdings senken diese die Konzentration enorm, was absolut schade ist.

Der Wasserfall von Chilasco

Wieder zurück in Cobán und nach einem leckeren Essen kommen wir auf die von fixe Idee, wie die Besessenen zu Mc Donalds zu laufen, um dort Icy Ice mit Crunchy Crunch zum Nachtisch zu bestellen. Und als ob damit nicht schon der Gipfel der „existentiell-wichtigen-Dinge-die-ich-jetzt-noch-unbedingt-erledigen-muߓ erreicht wäre, gehen wir noch in`s Einkaufszentrum, um uns die Nasen am Schaufenster eines Schuhladens platt zu drücken. Dort können wir nicht umhin, 1,- Quetzal an einem Automaten für das Messen von Größe und offensichtlich "falschem" Gewicht auszugeben und schließlich einen nicht funktionierenden Handelsautomaten so zu bearbeiten, daß er noch 1,- Q mehr ausspuckt.

Kleiner Wasserfall bei Chilasco

Trotz des Regens entscheiden wir uns am letzten Tag für den Wasserfall in Chilascó - der bei jeder Wetterlage lohnenswert ist!


Bei Bedarf kann man sich dort Gummistiefel ausleihen und dann geht’s auf in ein 3km-Schlammvergnügen. Nur sei vor dem Übermut zu warnen, den Gummistiefel vermutlich ausstrahlen. Diese haben lediglich die Funktion anstelle der eigenen Schuhe eingesaut zu werden und befähigen niemanden wie eine Elfe über den Matsch zu gleiten.
Wenn man dann endlich vor dem "Salto de Chilascó" steht, fehlen einem einfach die Worte, was auch nicht weiter schlimm ist, weil die Geräuschkulisse des Wassers sowie der Anblick ohnehin keiner Worte bedarf.

Völlig verdreckt machen wir auf dem Rückweg noch kurz Halt um etwas zu essen. Dann geht es wieder zurück nach Antigua, zurück zur Arbeit- meinem Praktikum bei Qué Chido e.V. und dem Sprachurlaub: Doch eines ist klar, die auf diesem Trip gesammelten Eindrücke und Erfahrungen werden uns ein Leben lang begleiten.

Von Eileen Ranscht

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