Praktikum bei der Griechenland Zeitung
Eva Switala (23) steht kurz davor ihr Online-Journalismus-Studium in Darmstadt abzuschließen. Ihre Diplomarbeit schreibt sie über die Griechenland Zeitung. Doch wie kommt man überhaupt auf eine solche Idee? Von September 2005 bis Januar 2006 absolvierte die Journalistik-Studentin ein Praktikum bei der Griechenland Zeitung in Athen. Da es ihr dort so gut gefallen hat, reiste sie im Frühjahr 2007 erneut nach Griechenland, um für ihre Diplomarbeit zu recherchieren. Stellenboersen.de hat die 23-Jährige interviewt und so einiges über ihr spannendes Praktikum im sonnigen Griechenland erfahren.
Wie bist du bei deiner Praktikumssuche auf die Griechenland Zeitung aufmerksam geworden?
Ich wollte auf jeden Fall ins Ausland, aber wenn möglich nicht zu weit weg. Ich bin dann zufällig auf die Internetseite www.press-guide.com aufmerksam geworden und habe mich dort informiert, in welchen Ländern es überall deutschsprachige Zeitungen gibt. Dann habe ich noch zusätzliche Informationen von der IMH (Internationale Medienhilfe) eingeholt und mich schließlich für Griechenland entschieden.
Griechenland interessierte mich als Land und die Zeitung gefiel mir. Außerdem hatte ich eine Freundin, die dort ebenfalls ein Praktikum absolvieren wollte. Wir sind dann auch zusammen nach Griechenland gegangen.
Eine ausdrucksstarke, fehlerfreie und kompakte Bewerbung ist das A und O bei der Suche nach dem heiß begehrten Praktikumsplatz. Wie bist du bei der Bewerbung vorgegangen?
Zu allererst habe ich dem Chefredakteur eine Email geschrieben, weil das die einzige Kontaktadresse war, die ich finden konnte. Ich hab ihn gefragt, ob sie überhaupt Praktikanten einstellen und ob sie für den von mir gewünschten Zeitraum noch Studenten brauchen. Nachdem er mir dann grünes Licht gegeben hat, habe ich ihm meinen Lebenslauf, ein Anschreiben sowie ein paar Arbeitsproben geschickt.
Eigentlich hätte ich ihm gar keine Arbeitsproben schicken müssen, denn damals haben die das mit der Bewerbung noch nicht so bürokratisch genommen. Eine Email mit meinen Daten und dem Praktikumszeitraum hätte völlig ausgereicht.
Gab es dann noch so etwas wie ein persönliches Vorstellungsgespräch?
Ein Vorstellungsgespräch gab es nicht. Das haben sie auch gar nicht verlangt – aufgrund der Entfernung. Wie gesagt, bei der Griechenland Zeitung läuft das ganz locker. Wir haben einmal telefoniert und dann war das Prozedere auch schon durch.
Erzähl’ uns von deinem ersten Arbeitstag in Griechenland!
Wenn man das Wort „hektisch“ im Wörterbuch nachschlägt, dann findet man dort mit Sicherheit eine Beschreibung meines ersten Arbeitstages. Es war ein Drunter und Drüber, da die Zeitung eigentlich noch gar nicht existierte.
Ich hatte mich damals eigentlich bei der Athener Zeitung beworben, aber diese ging in der Zwischenzeit bzw. noch vor Beginn meines Praktikums Pleite. Die beiden Chefredakteure haben dann mit Eigenkapital eine neue Zeitung aus dem Boden gestampft – die Griechenland Zeitung. Als ich dort ankam, war noch nicht einmal die erste Ausgabe erschienen. Ich habe also alles von Anfang an mitbekommen: Die Entstehung einer Zeitung. Dementsprechend war alles sehr chaotisch. Es hat eine ganze Woche gedauert, bis ich mich bei der ganzen Redaktion vorstellen konnte.
Was kannst du uns über die Zeitung an sich erzählen?
Die Griechenland Zeitung ist eine deutschsprachige Zeitung, die einmal wöchentlich erscheint und über aktuelle Geschehnisse in Griechenland informiert. Es werden keine Nachrichten aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz gebracht.

Da die Zeitung in erster Linie für Deutschsprachige gedacht ist, die in Griechenland leben, hat die Berichterstattung einen starken deutschen Bezug. Es wird beispielsweise über Veranstaltungen der deutschen Schule in Athen oder über Aktivitäten deutsch-griechischer Vereine berichtet. Ansonsten wird eben alles Wichtige aus Griechenland thematisiert.
Welche Aufgaben hast du bei der Zeitung übernommen?
Viele! Da, wie bereits erwähnt, die Zeitung gerade am Entstehen war, habe ich dort alles gemacht. Die Redaktion bestand damals aus dem Herausgeber, dem Chefredakteur, einem Layouter, einer Sekretärin und zwei Praktikanten – und ich war eine davon.
Anfangs gab es keine klare Aufgabenverteilung – jeder machte das, was gerade anfiel. Es war auch keine Seltenheit, dass ich zur Druckerei fuhr, um den Druck der Zeitung zu überwachen. Mit der Zeit legte sich das Chaos, sodass ich hauptsächlich redaktionell tätig (Print und Online) war. Ich habe mich aber auch um die Abonnenten gekümmert und im Marketing-Bereich mitgemischt.
Du hast bei einer deutschen Zeitung mit vielen deutschen Mitarbeitern gearbeitet. Musstest du auch auf deine griechischen oder englischen Sprachkenntnisse zurückgreifen?
Ich habe während meiner Praktikumszeit ein wenig Griechisch gelernt, aber bei weitem nicht so gut, dass ich mit diesen Kenntnissen irgendetwas hätte recherchieren können. Mein Griechisch beschränkte sich auf die alltäglichen Gespräche; damit arbeiten konnte ich nicht. Das musste ich aber auch nicht, da 70 Prozent des Recherchematerials deutschsprachig war. Rund fünf Prozent des Materials war auf Griechisch, das wurde dann von dem Chefredakteur grob für mich übersetzt und ich habe daraus Artikel geschrieben. Und die restlichen 25 Prozent waren englisches Recherchematerial und das war dann auch kein Problem. Also, zusammengefasst: Zum Arbeiten bei der Griechenland Zeitung braucht man kein Griechisch, aber zum Leben in Griechenland!
Apropos Recherche: Wie bist du im dir fremden Griechenland an die Informationen für deine Artikel gekommen?
Meistens war es so, dass es konkrete Sachen gab, über die ich schreiben sollte. Oftmals hatte das etwas mit Deutschland zu tun, von daher konnte ich mich mit Vielen auf Deutsch verständigen – zum Glück! Eigentlich wird die Zeitung ziemlich gut mit Informationen von Deutschsprachigen in Griechenland versorgt.
Wir bekamen aber zum Beispiel auch regelmäßig das Programmheft vom Goethe Institut zugeschickt und suchten uns dann daraus Themen aus.
Bei allen anderen Angelegenheiten, beispielsweise das Schreiben tagesaktueller Nachrichten, habe ich mich englischer Quellen bedient (Zeitungen, Internetportale sowie Presseagenturen).
Hast du eine Vergütung für deine geleistete Arbeit bekommen?
Nein. Ab und zu gab es ein gemeinsames Abendessen mit der Redaktion; dieses galt dann als inoffizielle Vergütung.
Wie hast du diesen Auslandsaufenthalt dann finanziert?
Ich hab leider auch kein Stipendium bekommen, daher musste ich mit meinem Bafög über die Runden kommen.
Wo hast du während deines Praktikums gewohnt?
Die ersten drei Tage habe ich in einem Hostel gewohnt. Von dort aus habe ich in den Athen News (Englisch) nach einer Wohnung gesucht und schließlich eine Zwei-Zimmer-Wohnung bezogen.
Wie verhält es sich denn mit den Lebenshaltungskosten in Athen?

Das ist eine gute Frage. Im Allgemeinen kann man davon ausgehen, dass alles ein wenig billiger ist im Vergleich zu Deutschland. Aber es gibt einige Ausnahmen und die haben es in sich: Kosmetika und Hygieneartikel sind enorm teuer. Milchprodukte sind auch überdurchschnittlich teuer im Vergleich zu anderen Lebensmitteln. Obst und Gemüse ist recht günstig und sehr lecker.
Das teuerste in Athen ist das Nachtleben. Für 0,3 Liter Bier bezahlt man fünf Euro – wenn es günstig ist! Diskobesuche, Alkohol und sogar Softdrinks sind in der Hauptstadt sehr teuer. Im übrigen Griechenland ist natürlich alles ein bisschen billiger, aber die Proportionen bleiben trotzdem recht unüberschaubar. Wirklich günstig sind Taxis, die werden nämlich in Zwei-Cent-Schritten abgerechnet. So kommt man für vier Euro bequem durch die ganze Stadt.
Wohnungen sind auch nicht sehr teuer, aber man muss aufpassen, dass man als Ausländer nicht ausgebeutet wird. Eine schöne Drei-Zimmer-Wohnung im Zentrum kriegt man schon ab 400 Euro. Wasser und Strom sind spottbillig.
Konntest du dir auch viel außerhalb Athens ansehen?
Wochentags habe ich von neun bis sieben oder acht Uhr gearbeitet. Nur die Wochenenden waren frei, und davon auch nicht alle. Circa jedes zweite Wochenende gab es Veranstaltungen, die ich besuchen musste. Es gab also nur wenig Zeit für Ausflüge. Und für einen Trip nach Außerhalb sollte man schon mehr als einen Tag zur Verfügung haben.
Ein bisschen konnte ich mir aber trotzdem ansehen: Delphi, Nafplio, Olympia, Mykene, Marathon etc. Als ich dann während meiner Diplomphase noch einmal dort war, hatte ich natürlich viel mehr freie Zeit.
Ich muss sagen, dass man sich in Griechenland ohne Auto nur sehr schlecht fortbewegen kann. Busse sind zwar vorhanden, aber die brauchen sehr lange und man ist nicht besonders flexibel. Da alles so weit auseinander liegt, ist es viel bequemer mit dem Auto zu reisen. Ein Leihwagen kostet circa 40 Euro pro Tag; Benzin ist auch sehr günstig.
Rückblickend: Inwiefern hat dich das Praktikum weitergebracht?
Dadurch, dass ich in unglaublich vielen Arbeitsbereichen mitwirken konnte, hat mir dieses Praktikum viel mehr gebracht und geboten, als ich erwartet habe. Außerdem habe ich miterlebt, wie schwer es ist, eine neue Zeitung aus dem Boden zu stampfen. Außerdem hat mir das Praktikum Griechenland und die griechische Sprache näher gebracht und ich habe viele neue Freunde gefunden.
Du bist gerade mitten in deiner Diplomphase. Wie kam es dazu, dass du auch deine Diplomarbeit über die Griechenland Zeitung schreibst?

Aufgrund der ersten Erfahrungen während meines Praktikums kam ich schnell auf die Idee, meine Diplomarbeit über deutschsprachige Zeitungen im Ausland zu schreiben. Das war etwas, dass mich schon immer interessiert hat und es hat sich angeboten, da ich die Griechenland Zeitung schon kannte. Außerdem mochte ich die Leute sehr und ich wollte gerne noch einmal nach Griechenland.
Du stehst also kurz davor, dein Studium zu beenden. Wie geht es dann weiter?
Erst einmal mache ich Urlaub! Aber ich nehme an, dass ich in den PR-Bereich gehe. Ich habe noch keinen Fünf-Jahres-Plan oder dergleichen. Ich bin mir auch noch nicht sicher, wo ich leben werde. Ich schwanke momentan zwischen Deutschland, Griechenland (mein Freund lebt dort), Polen (da komme ich ursprünglich her und dort lebt meine ganze Familie) und England (dort wollte ich schon immer hin). Also momentan ist noch alles möglich!
Viel Erfolg für deinen Studienabschluss und deine berufliche Zukunft. Danke für das interessante Interview!
Von Julia von der Heyden


