Auf zu den Olympischen Spielen!
Über 2780 Jahren nach den ersten Olympischen Spielen kehrten diese nach Griechenland zurück. Grund genug für mich, bei dem Spektakel dabeizusein - allerdings nicht nur als Zuschauer, sondern als Volunteer!
Eine wahre Odyssee
Aus einer Laune heraus bewarb ich mich im Jahre 2002 über die offizielle Homepage des olympischen Organisationskomitees als Volunteer. Tatsächlich wurde ich kontaktiert, und so befand ich mich einige Tage vor der Eröffnungsfeier in einem Flugzeug nach Athen. Ich wusste nur, dass ich für den Spectator Service in Schinias bei den Ruderern und Kanuten eingeplant war, was dies allerdings bedeutete, überhaupt nicht. Und so kam es, dass ich mich tags darauf mit mehreren hundert anderen Freiwilligen aus aller Welt zur Einarbeitung in einem Konferenzsaal wiederfand, die alle an verschiedenen Sportstätten eingesetzt waren. Dementsprechend generell war dann auch die Einweisung, und die vergeudete Zeit hätte man viel sinnvoller nutzen können, dieser Meinung waren hinterher alle. Vor allem in Anbetracht dessen, was uns danach blühte. Es stand nämlich noch die Akkreditierung an, die jeder, der auch nur annähernd mit Olympia zu tun hatte, über sich ergehen lassen musste. Gegen die Schlange, die rund um den riesigen Gebäudekomplex ging, ist jedes Anstehen für Mensaessen ein Witz!
Nach drei Stunden bei 40 Grad im Schatten und einigen Bekanntschaften später hatte ich es endlich hinein geschafft, was allerdings nicht das Ende der Odyssee bedeutete. Jetzt musste man sich mit seiner offiziellen Einladung und Ausweis vorstellen, es wurden Fotos für die Akkreditierung gemacht und anschließend noch eine Ausrüstung zusammengestellt. Nach weiteren zwei Stunden und einigen Verwünschungen der griechischen Organisation war ich dann endlich komplett ausgestattet. An Sightseeing war dann leider nicht mehr zu denken. Ich wollte nur noch schlafen.
Die Anreise und das lange Anstehen steckten mir noch immer in den Knochen und so beschloss ich, den ersten freien Tag am Strand in Piräus zu verbringen. Im Gespräch mit den anderenMitleidenden tags zuvor hatte ich herausgefunden, dass ich Glück hatte, was meine Unterkunft betraf. So war es völlig normal, bis zu 60 Euro für ein Bett während der Spiele zu zahlen, und natürlich waren alle Jugendherbergen längst ausgebucht. Von Göttingen aus hatte ich mich an die Deutsche Botschaft in Athen gewandt, die mich auch mit einigen Adressen von Institutionen mit Gästebetten o.ä. versorgten- die wiederum natürlich auch alle belegt waren,- aber durch die Kontakte der Leute vor Ort und einigen Telefonaten hatte ich dann ein Bett für 10 Euro die Nacht.
Am nächsten Tag holte ich das Sightseeing nach und begab mich wie all die anderen Besucher auf Entdeckungstour. Mit meiner Akkreditierung konnte ich alle Verkehrsmittel umsonst nutzen und der Eintritt in die Museen war auch frei. Das sparte nicht nur Geld, sondern auch Zeit und machte das lange Anstehen tags zuvor wieder wett. Nach einem längeren Spaziergang in der Innenstadt, der natürlich auf der Akropolis endete, sah ich noch, wie die Olympische Flamme, von einer riesigen Eskorte begleitet, langsam den Hügel zur Akropolis hinaufgebracht wurde und dort übernachtete.
Lasst die Spiele beginnen!
Dann wurde es für mich aber Zeit, wieder herunterzugehen, da ich mich mit einigen anderen Volunteers zum Eröffnungsfeiern schauen auf einem beliebten Platz unterhalb der Akropolis verabredet hatte. Leider wurde die Feier vom Fernsehen nur auf Griechisch kommentiert, und deshalb mussten wir uns die Geschichte Griechenlands mit seinem Göttern und Mythen ziemlich zusammenreimen, was uns auch halbwegs gelang. Am Spannendsten erwartet wurde der Einmarsch der Nationen, der auf einem so gut besuchten Platz frenetisch von Menschen aus aller Welt gefeiert wurde.

Die Nacht war für mich dann sehr kurz, da ich erst um 2 Uhr zu Hause war und um 5 Uhr wieder aufstehen musste. Schinias befindet sich nämlich ca. 40 km ausserhalb von Athen bei Marathon, was mir ein weiteres Nickerchen im Bus verschaffte. An den ersten Tagen war noch nicht so viel los, da nur die Vorrennen stattfanden, wenn überhaupt. Denn aufgrund seiner Nähe zum Meer und der nicht vorhandenen Bepflanzung war die Anlage den starken Winden völlig ausgeliefert, was bereits am zweiten Tag zur Absage sämtlicher Rennen führte und mir einen freien Tag verschaffte, den ich mal wieder zum Sightseeing, diesmal in kühlen Museen, nutzte. Der dritte Tag war gleich mitgecancelled und alle beneideten mich um meinen Arbeitsplatz. Es gab nämlich auch Leute, die es nicht so gut getroffen hatten. Ein anderer deutscher Student aus München, der auch bei meiner Vermieterin untergekommen war, saß den ganzen Tag am Parkplatz von Piräus und durfte die Autos kontrollieren, die zur Queen Mary fuhren, die mit einigen anderen Kreuzfahrtschiffen dort im Hafen lag. Der Höhepunkt seines Schaffens bestand darin, das Dream Team, der amerikanischen Basketballmannschaft zu sehen und um Autogramme anzuhauen, oder die endlose Karawane von Bush sen. zu bestaunen, die immer Krankenwagen und Hubschrauber im Schlepptau hatte.
Meine Aufgabe bestand indessen darin, als Guide tätig zu sein. Da ich back of house war, hatte ich nur mit Athleten und Trainern zu tun, der Presse und den VIP's, was ziemlich locker war und ich eine Menge wichtiger Leute traf. So musste ich am zweiten Tag Tony Blair den VIP-Bereich und die Ruderanlage zeigen und seine Fragen beantworten. Leider habe ich von Rudern keine Ahnung, was er aber, glaub ich jedenfalls, nicht bemerkte..

Die nächsten Tage verbrachte ich dann auf der Schwimmanlage, was wesentlich aufregender war, da der ein oder andere Weltrekord geknackt wurde und ich meine Idole alle hautnah sah.. Ich hatte mir vorgenommen, so viele verschiedene Sportstätten wie irgend möglich anzuschauen. Mit meinem Sightseeing kombiniert bedeutete dies wenig Schlaf und viel herumlaufen. So war es völlig normal, um 2 Uhr nach Hause zu kommen und um 5 Uhr wieder aufzustehen, was man schon mal zwei Wochen durchhalten kann. Dafür sah ich aber spannende Volleyball-und Beachvolleyballspiele und die Straßenradrennen. Die Reit- und Wildwasserkanuanlage hätte ich auch gerne noch gesehen, dies war aufgrund des engen Terminplans aber leider nicht möglich.
Von Christine Schrrer


