Pädagogisches Praktikum auf Kreta
Mit einer Fläche von 8.331.231 Quadratkilometern ist die Mittelmeerinsel Kreta die größte Insel Griechenlands und damit die fünftgrößte im Mittelmeerraum. Sie erstreckt sich auf einer Länge von 260 Kilometern und einer Breite von 12 bis 60 Kilometern - auf ihr leben circa 600.159 Einwohner. Kreta hat geografisch, klimatisch und kulturell nicht nur für Einheimische – auch für Touristen – viel zu bieten. Die Insel ist von den unterschiedlichsten Gebirgsmassiven durchzogen - während im Süden größtenteils Steilküste ist, so sieht man weiter nördlich immer flachere Gebiete. Durch das gleichmäßige Mittelmeerklima – die Insel hat rund 300 Sonnentage im Jahr – und die vielen Kulturstätten ist Kreta eine ideale Insel zum Bereisen und Kennenlernen. Für ihr pädagogisches Praktikum im August/ September 2004 zum Thema Freizeitgestaltung begab sich Sonja auf den Weg nach Kreta. Doch warum gerade Kreta?
„Auf ein Praktikum in einer Kindertagesstätte oder einer Psychiatrie hatte ich keine Lust - das machen alle“ berichtet sie. Im Bereich Pädagogik liegt ihr Interesse auf der Freizeitpädagogik und Urlaubsgestaltung. Da Sonja wahnsinnig gern verreist, wollte sie ihre Praktikumszeit mit etwas schönem verbinden und plante ein Praktikum im Ausland an „einem schönen Ort“. Sie bewarb sich bei diversen Reiseveranstaltern und betonte, dass sie keinen Animationsjob suche, sondern gern pädagogisch arbeiten würde.
Nach einer Zusage von einem Reiseanbieter wurde sie zu einem Casting eingeladen und letztendlich auch für das Reiseziel Ostsee und Süddeutschland angenommen. Als sich allerdings herausstellte, dass dies ein reiner Animationsjob war, kam die zweite Zusage von einem kleineren Anbieter gerade richtig. Hierbei handelte es sich um die Arbeit in einem Hotel auf Kreta. Nach einem Gespräch mit dem Leiter des Reiseveranstalters, in dem sich abzeichnete, dass sie auf Kreta auch pädagogisch arbeiten könnte, war es für Sonja klar, sie würde den Sommer über auf Griechenlands größte Insel gehen. Flug sowie Unterkunft waren kostenfrei und zusätzlich gab es ein kleines Taschengeld, was Sonja aber als „nicht erwähnenswert“ bezeichnet. Das ihr zugeteilte Hotel, was nicht zu den preisgünstigsten gehörte, war „schön klein und übersichtlich“ mit circa 70 Gästen.
Ihre „anstrengende, aber schöne Praktikumszeit“ war gekennzeichnet durch eine 6 Tage à 24 Stunden Woche, in der Sonja nur wenig Freizeit hatte. Zu ihren Aufgaben gehörten: Arbeit im Servicebereich, die Wäsche, Einkaufen, Transferfahrten vom Flughafen zum Hotel und Krankentransporte. „Der Hotelalltag war gut gemischt und abwechslungsreich“ – ihr gefiel es, immer präsent zu sein und ein offenes Ohr für Gäste zu haben. Sie sieht es jedoch schon als knifflige und anstrengende Herausforderung an, den ganzen Tag immer nett und freundlich zu sein, auch wenn es einem mal nicht gut geht.
„Große Freude“ hat Sonja die Freizeitgestaltung mit den Kindern und Erwachsenen bereitet. Egal ob ein Schiffsbauwettbewerb, Malen, Tanzen oder ein selbst ausgearbeitetes Spiel mit dem Namen „Paradies der Sinne“: Sonja bemühte sich ihrer pädagogischen Rolle gerecht zu werden und dabei auch viel Spaß zu haben. Neben Ballspielen im Wasser und den kreativen Tätigkeiten führte Sonja auch Wanderungen auf Kreta und erkundete so mit den Urlaubern das Land und die Leute. Sie guckten sich die Schluchten im Inland an, bestiegen Berge, besuchten den größten Palmenstrand im Norden der Insel und die Hauptstadt Iraklion, wo sie über den Markt schlenderten und in Cafès typisch griechischen Frappè tranken. Doch nicht nur der Kaffee begeisterte Sonja, auch die griechische bzw. kretische Küche gehörte für Sonja zu den Highlights ihres Aufenthalts. Man sagt, sie gehöre zu den gesündesten Küchen der Welt und die Bewohner Kretas haben auf Grund ihres Essens die höchste Lebenserwartung.

Ein Ausflug der besonderen Art war der auf die Insel Spingalonga, wohin noch bis 1950 alle Lepra - Kranken Griechenlands verbannt wurden. Der Reiseführer führte sie dabei durch Ruinen von Wohnhäusern und Krankenhäusern, wo Sonja nur ein Wort zu einfiel: „unheimlich“! Ein freudiges Ereignis kündigte sich nach einigen Wochen an: Sonja’ s Mama wollte sie in dem kleinen Hotel besuchen und eine Woche lang Kreta erkunden und genießen. Da Sonja ein Apartment etwas außerhalb der Hotelanlage besaß, wurde ihre Mama 50% günstiger im Hotel untergebracht und konnte so den Arbeitsalltag ihrer Tochter beobachten. „Viel frei bekam ich leider nicht, obwohl ich Besuch hatte.“, erklärt Sonja.

Als „schwierig und enttäuschend“ während ihres Praktikums empfand sie es mit den anderen 8 Praktikanten zusammen zu arbeiten, da man permanent 24 Stunden zusammen war, beim Arbeiten und auch bei sonstigen Unternehmungen. „Das Teamwork hat einfach nicht richtig geklappt, es hat an Absprachen gemangelt und es fehlte an Respekt oder eben Dank für erbrachte Leistungen. Das hat oft den Spaß genommen und war eben auch ein Grund, warum ich anstelle von 8 Wochen nur 6 Wochen blieb.“, schildert Sonja. Sie war ein bisschen enttäuscht und konnte nicht nachvollziehen, dass ihre Ideen von den anderen nicht angenommen wurden und sie nur selten an Aktivitäten teilnahmen, obwohl das Publikum, jung und alt, so begeistert von Sonja’ s Ideen war. Ein weiterer Grund, warum sie die Praktikumszeit verkürzte, war, dass sie kein Material für ihren Praktikumsbericht hatte. Es waren wohl doch mehr die Aushilfstätigkeiten im Hotelservice gesucht als pädagogische Herausforderungen vorhanden.

Zusammenfassend beurteilt Sonja ihre Praktikumszeit auf Kreta als „sinnvolle Erfahrung“, die sie als äußerst positiv beurteilt. Die Küche, das Mittelmeerklima, die Natur und das Meer haben es ihr besonders angetan. Dass die Bewohner Kretas sehr nett und freundlich sind, daran hatte sie nie gezweifelt. Auch das praktische Arbeiten war für sie eine wertvolle Erfahrung. Sie musste lernen, mit den Enttäuschungen fertig zu werden und versuchte, die Probleme bezüglich der mangelnden Teamarbeit nicht mit sich herum zu tragen. Sonja meint außerdem abschließend, ihr Aufenthalt wäre mit Sprachkenntnissen in Griechisch noch toller gewesen, weil man so die Leute und ihre Mentalität noch ein bisschen besser kennen gelernt hätte.Als Sonja wieder zurück in Deutschland war, brauchte sie aber erstmal „Erholung“, sie war „platt und müde“ von diesen 6 Wochen, aber auch sehr begeistert von der wunderschönen Insel Kreta. Einige Wochen später besuchte sie dann in der Uni einen Sprachkurs für Neugriechisch!
von Julia von der Heyden


