Jobs suchen und finden: Stellenmarkt · Stellenangebote Ingenieure · Stellenangebote IT · Arbeiten in England
Benutzerspezifische Werkzeuge
  • Anmelden

Schulbank drücken in Frankreich

Nadine Brückner ist fasziniert von Fremdsprachen. Von Juni 2005 bis Juni 2006 verbrachte sie ein Schuljahr in Nogent-le-Rotrou, Frankreich. Stellenboersen.de wollte von der 18-Jährigen wissen, wie das französische Schulsystem aufgebaut ist, welche großen Unterschiede es zwischen Frankreich und Deutschland gibt und inwiefern der Auslandsaufenthalt ihre spätere Studienwahl beeinflusst.

Schulbank drücken in Frankreich

Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Schuljahr in Frankreich zu verbringen?

Meine Tante lebt in Frankreich. Ich hatte schon immer Spaß an der französischen Sprache und bin schon oft in Frankreich gewesen. Ich dachte mir, diese Chance muss ich nutzen, um mein Französisch zu perfektionieren. Ich wollte unbedingt etwas Aufregendes erleben und neue Erfahrungen sammeln – die beste Lösung war ein Austauschjahr in Frankreich.

Und andere Länder kamen für dich nicht in Frage?

Ein Aufenthalt in den USA oder Großbritannien ist sehr teuer – ein solcher Kostenaufwand kam für mich nicht in Frage. Ich hatte die Chance, nach Frankreich zu gehen, also habe ich sie auch genutzt.
Ich bin eine der Wenigen, die es wagten nach Frankreich zu gehen. Klar wäre ich auch gerne in die USA gegangen. Aber dazu besteht glücklicherweise auch immer noch die Möglichkeit. Während meines Schüleraustauschs habe ich nämlich eine neue Freundin gewonnen, die aus den USA kommt. Sie hat ebenfalls ein Schuljahr in Frankreich verbracht und mich eingeladen, sie in Amerika zu besuchen.

Hast du dann während deines Aufenthaltes in Frankreich bei deiner Tante gewohnt?

Ja, ich habe bei ihr gewohnt – das war sehr praktisch.

Gibt es große Unterschiede zwischen dem deutschen und dem französischen Schulsystem?

Die Unterschiede sind enorm. Der Unterricht in Frankreich ist viel länger, meistens hatten wir Doppelstunden. Außerdem wird sehr viel Wert auf Anwesenheit gelegt: Ist man zwei Minuten zu spät, wird man direkt des Unterrichts verwiesen oder weggeschickt und schließlich in einen speziellen Unterricht gebracht.

Überall in der Schule laufen so genannte Überwacher herum, die kontrollieren ob alle da sind. Ungewohnt war auch, dass der gesamte Schulbereich eingezäunt war und man das Gelände nur mit einer Karte betreten konnte. In Frankreich ist es zudem üblich, mittags in der Schule zu essen. In Deutschland ist das eher untypisch - zumindest an meiner Schule.

Einen großen Unterschied gibt es auch bei Tests und Prüfungen. Denn Schüler schreiben dort keine festgelegte Anzahl an Prüfungen. So kann es durchaus passieren, dass man morgens in die Schule kommt und einen unangekündigten Test schreibt. Das kam sogar sehr häufig vor. Wir hatten manchmal bis zu zwölf Prüfungen im Monat!

Und beim Abitur?

Lernen an einer französischen Schule

In Frankreich wird man, verteilt über zwei Jahre, in jedem Fach geprüft. Die Fächer, in denen man bereits in der „1ère“ geprüft wurde, muss man in der „Terminale“ nicht mehr belegen. Allerdings bekommt man auch zwei oder drei neue Fächer hinzu. Es gibt also wesentlich mehr Prüfungen als in Deutschland. Hier sind es ja derzeit fünf Fächer, in denen man geprüft wird.

Wie bist du anfangs mit der französischen Sprache zurechtgekommen?

Ich habe zwar alles verstanden, aber mit dem Reden war es schon etwas komplizierter. Ich habe erst nach vier Monaten angefangen, fließend Französisch zu sprechen.

Mit meinem Schulfranzösisch konnte ich irgendwie nicht viel anfangen. Zu Beginn hatte ich Probleme, deutlich zu machen, was ich will. Zum Glück haben mich die anderen trotzdem verstanden.

Immer wieder ist zu hören, dass Franzosen gegenüber Deutschen nicht besonders freundlich sind. Wie haben denn deine Mitschüler in Frankreich auf dich reagiert?

Das ist wirklich ein Vorurteil. Meine Mitschüler waren alle sehr nett. Sie kamen auf mich zu, zeigten mir gleich die Schule und boten mir bei Problemen ihre Hilfe an. Ich habe dort schnell Anschluss gefunden und wurde auch von allen sofort akzeptiert. Es haben sich viele Freundschaften entwickelt.

Was hast du denn unternommen, wenn du einmal nicht in der Schule warst?

In erster Linie habe ich mir Vieles in Frankreich angeschaut. Ansonsten hab ich meine Zeit im Fitnessstudio verbracht oder etwas mit Freunden unternommen. Außerdem war ich viel mit meiner Tante und ihrer Familie unterwegs.

Ich habe leider in einem sehr kleinen Dorf gewohnt, aber eine sehr große Schule besucht. Meine Freunde wohnten in einem Umkreis von 350 Kilometern! Daher war es sehr schwierig, sich am Wochenende zu treffen. Die Meisten waren nur in der Woche da; sie wohnten dann im Internat der Schule. Am Wochenende waren alle zu Hause.

Welche Unterschiede gab es zwischen deinem Alltag in Frankreich und dem in Deutschland?

Während der Schule hat man nur sehr wenig Freizeit, weil man tagsüber sehr lange dort ist. Es gibt aber die Möglichkeit, Sportkurse zu besuchen.

Mittwochs haben die kleineren Schüler frei und die größeren nur vormittags Unterricht. Dieser Tag wird meistens für Familienausflüge genutzt.

Im Wesentlichen gibt es keine großen Unterschiede. Das kann aber auch daran liegen, dass ich bei meiner Tante, die noch vielen deutschen Gewohnheiten nachgeht, gelebt habe.

Konntest du denn Mentalitätsunterschiede zwischen den beiden Ländern feststellen?

Oh ja! Die Mentalität in Frankreich ist – verglichen mit Deutschland – eine ganz andere.
In Frankreich wird jeder offenherzig begrüßt und aufgenommen. Die Leute dort sind sehr hilfsbereit. Jeder packt mit an, wenn es ein Problem gibt und niemand beschwert sich. Die Franzosen legen großen Wert auf Zusammenhalt.

In Frankreich ist es, wenn man abgelegen wohnt, kein Problem, sein Haus unabgeschlossen zu verlassen. Es ist selbstverständlich, dass, wenn beispielsweise Handwerker im Haus sind und man selbst nicht anwesend ist, die Arbeiter entweder einen Schlüssel erhalten oder das Haus offen gelassen wird.

Ein weiterer großer Unterschied ist das französische Essen. Wenn Feste anstehen, geben sich die Franzosen sehr viel Mühe beim Kochen. Es ist normal, dass man mehrere Stunden zusammensitzt und isst. Es werden unzählige Gänge aufgetischt und zu jedem Gang wird selbstverständlich der passende Wein serviert.

Schüleraustausch nach Frankreich

Und noch etwas war bemerkenswert: Für die Franzosen ist das Auto nur ein Gebrauchsgegenstand. Es ist ihnen egal, ob es dreckig oder verbeult ist. Man kann die Autos auch einfach wegschieben, weil die Handbremse nicht angezogen ist und die Autos teilweise nicht abgeschlossen werden.

Nach einem Jahr ging es dann wieder zurück nach Hessen. Hast du das Schuljahr in Deutschland wiederholt oder bist du wieder ganz normal in den Unterricht eingestiegen?

Ich musste die Klasse nicht wiederholen und habe direkt in der zwölften Klasse weitergemacht.

Hattest du Probleme, dich in Deutschland wieder einzugewöhnen?

Nein und auch ja.

Ich muss dazu sagen, dass ich während meines Schüleraustauschs ein Mal zuhause war. Und ein anderes Mal war ich mit einer Gruppe Franzosen in Deutschland. Ich wollte Weihnachten gerne in Deutschland verbringen. Außerdem haben mich meine Eltern bestimmt viermal besucht.

Es war schon komisch, als ich dann wieder zuhause war. Alle sprachen Deutsch und man musste sich wieder langsam an den deutschen Trott gewöhnen.
Außerdem war es am Anfang recht schwierig, sich wieder einzugliedern, da meine Freunde durch den Schulwechsel viele neue Leute kennen gelernt hatten, die ich noch nicht kannte. Aber im Großen und Ganzen gab es keine weiteren Probleme.

Möchtest du noch einmal für längere Zeit nach Frankreich?

Das kann ich noch nicht genau sagen, vielleicht während des Studiums. Aber da ich ja nun schon in Frankreich gewesen bin, würde ich auch gerne noch einmal in ein englischsprachiges Land, um mein Englisch zu verbessern. Aber generell bin ich nicht abgeneigt; ich werde hin und wieder sicherlich meine Freunde in Frankreich besuchen. In diesem Jahr habe ich sie auch schon besucht.

2008 machst du dein Abitur in Deutschland. Was kommt danach? Wird sich die französische Sprache auch in deinem späteren Berufswunsch wieder finden?

Also Französisch möchte ich nicht studieren, zumindest kein reines Französisch. Mich würden Sprachen kombiniert mit Wirtschaft interessieren. Dabei würde ich aber gerne Englisch als Hauptfach und Französisch als Nebenfach belegen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für deine Abitur-Prüfungen im nächsten Jahr.

Von Julia von der Heyden

Artikelaktionen

Sprachreisen 2012

NEU: Den Sprachreisenkatalog 2012 kostenlos bestellen: Sprachreise-Katalog 2012 bestellen
Sprachreise-Katalog kostenlos anfordern.
T5 Jobmessen