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Journalismus in Finnland – Studieren in Jyväskyla

Gesa studiert Journalismus und verbrachte einen Studienaufenthalt an der Jyväskylän Yliopisto in Finnland. Wie man eine Wohnung findet und worauf man achten sollte, erzählt sie euch in ihrem Erfahrungsbericht.

Journalismus in Finnland – Studieren in Jyväskyla

Wichtig sind gute Kenntnisse der Landes- beziehungsweise der Unterrichtssprache, was in Finnland für Austauschstudenten in der Regel Englisch bedeutet. In dieser Sprache sollte auch ein Anschreiben an das zuständige ERASMUS-Büro (der so genannte „Letter of Interest“, in dem ich wiederum kurz erklären sollte, warum ich ausgerechnet nach Finnland will und warum die ausgerechnet mich auswählen müssen) und ein kurzer Lebenslauf verfasst werden. Verpflichtend für Dortmunder Journalistik-Studenten ist außerdem die Mitarbeit in der Europagruppe der Fachschaft Journalistik (Nachweis beilegen!). Ich habe dafür ein Semester lang eine niederländische Austauschstudenten betreut (Tutorentätigkeit).

Bewerbungsschluss war der 31. Januar 2006. Die Bewerbungsgespräche fanden nach Absprache in den Wochen nach Bewerbungsschluss statt. Die Zusage hatte ich am 10. Februar 2006 per Mail. Alle notwendigen Dokumente bekommt man online auf der Seite des Akademischen Auslandsamtes (dort gibt es auch eine sehr nützliche Checkliste) bzw. der Uni Jyväskylä (http://www.jyu.fi/en/study/exchange/apply). Bei Fragen wendet man sich am besten an das AAA, das ERASMUS-Büro der Fakultät oder die zuständige ERASMUS-Koordinatorin in Finnland (International Office, http://www.jyu.fi/en/study/contact_us/ ) oder in der dortigen Fakultät (in meinem Fall das Department of Communication). Die MitarbeiterInnen der finnischen Uni haben alle meine Fragen geduldig und ausführlich per Mail beantwortet.

Das Bewerbungsgespräch war recht locker und fand auf Englisch mit zwei MitarbeiterInnen des ERASMUS-Büros statt. Ich sollte etwas über meinen eigene Motivation ins Ausland zu gehen erzählen und warum ich gerade Finnland ausgewählt hatte, außerdem musste ich einige Kenntnisse über das Land und seine Medien haben. Eine Frage war etwa, was denn derzeit wichtige Themen in der aktuellen Medien-Berichterstattung in Finnland seien – es zahlt sich also aus, mal auf den Internetseiten einiger einheimischer Medien vorbei zu schauen. Das alles war weitgehend stressfrei, auch da ich nur eine „Konkurrentin“ für Finnland hatte, die dann aber schon im Wintersemester fuhr.

Die beiden wichtigsten Formulare vor dem Austausch sind die Annahmeerklärung (geht ans AAA, unterschrieben vom ERASMUS-Koordinator der eigenen Fakultät) und das Learning Agreement (unterschrieben von der Gast-Uni, geht am besten per Fax). Das Learning Agreement muss noch nicht alle endgültigen Kurse enthalten, es reicht, mal auf der Homepage der Gast-Uni vorbei zu schauen und genügend Kurse anzugeben, um die verlangten 30 Credit points (= ECTS – nähere Infos dazu auf der Homepage des AAA) zu erfüllen. Notfalls kann man auch vorerst auf das Kursangebot vom vorherigen Semester zurückgreifen. Die Mehrzahl der Kurse sollte allerdings aus dem eigenen Fachschwerpunkt stammen. Das Transcript of Records am Ende des Austausches weist dann die endgültigen Kurse und die Zahl der erreichten Credits nach.

Ich im Rahmen der Erasmusförderung habe insgesamt 300 Euro erhalten, das Geld war Mitte Januar 2007 da. Eventuell gibt es noch eine Nachzahlung.

Den Antrag habe ich ein halbes Jahr vorher beim für Finnland zuständigen Studentenwerk Halle gestellt. Formulare gibt es in jedem BaföG-Büro oder online. Die Bearbeitungszeit beträgt mindestens ein halbes Jahr, deswegen sollte man zumindest das Hauptantragsformular rechtzeitig einreichen. Weitere Dokumente können später nachgereicht werden, etwa der Mietvertrag. Ich habe monatlich rund 625 Euro Auslands-BaföG erhalten (ohne Kindergeld), allerdings bekomme ich auch im Inland fast den BaföG-Höchstsatz. Zudem ist Finnland ein sehr teures Land, so dass am Ende des Monats in der Regel nicht viel übrig bleibt. Gut zu wissen ist, dass man für das Auslands-BaföG keine Finnisch-Kenntnisse vorweisen muss. Es reicht eine Bestätigung vom AAA, dass man ausgewählt wurde – dann geht das BaföG-Amt davon aus, dass man die notwendigen Sprachkenntnisse besitzt.

Ein Reisepass ist zu empfehlen, weil man ihn unter anderem benötigt um ein Bankkonto zu eröffnen, und weil die Student Union und das Erasmus-Network ESN viele Reisen anbieten, zum Beispiel nach St. Petersburg und Moskau. Ich habe zudem natürlich meinen Personalausweis und eine EUKrankenversicherungskarte dabei gehabt. Zusätzlich empfiehlt sich eine Auslandskrankenversicherung, da die deutschen Versicherungen in der Regel nur einen Teil der im Ausland entstandenen Behandlungskosten tragen. Eine Kreditkarte (z. B. VISA) ist sicherlich auch nützlich, wenn man bis zur Eröffnung des finnischen Kontos nicht ständig Bargeld mit sich herumschleppen will. Geld abheben vom deutschen Konto mit der EC-Karte kostet in der Regel eine Gebühr.

Einige Austausch-Studenten haben im Sommer einen Intensivsprachkurs besucht, bevor die eigentliche Uni anfing. Dieser Sprachkurs ist kostenlos und wird von der Universität für alle Austauschstudenten des nächsten Jahres angeboten. Ich habe mich mit einem Volkshochschulkurs begnügt und später an der Uni einen Kurs für Anfänger (Suomi 1 – Finnisch 1) sowie im Anschluss einen Konversations-Kurs (Sano vaan) besucht. Diese Kurse waren auf jeden Fall hilfreich. Angeboten wurde zudem ein „Survival Finnish Kurs“, der weniger Grammatik und mehr Finnisch für alltägliche Gesprächssituationen vermitteln soll. Wer bereits gute Vorkenntnisse besitzt, kann sich in Kursen mit höherem Sprachniveau (Suomi 2-4) versuchen. Finnisch ist aber eine sehr schwierige Sprache, und selbst für die Aneignung der Grundkenntnisse braucht es mindestens ein halbes Jahr. Zum Glück sprechen viele Finnen fließend Englisch, und auch Schwedisch-Kenntnisse sind nützlich, weil aufgrund der schwedisch sprachigen Minderheit in Finnland viele Schilder etc. zweisprachig sind. Wer möchte, kann auch an einem „Each-one-teach-one“-Programm des Sprachzentrums teilnehmen. Dabei tut man sich mit einem gewünschten Sprachpartner zusammen und bringt sich gegenseitig die Grundkenntnisse bei.

Ich bin von Düsseldorf aus mit Air Berlin nach Helsinki-Vantaa geflogen, dann mit dem Bus Linie 61 nach Tikkurila und von dort aus mit dem Zug in etwa dreieinhalb Stunden nach Jyväskylä (mit einmal Umsteigen in Tampere, die meisten Züge fahren nicht ganz durch). Das Flugticket hat um die 80 Euro gekostet, aber wenn man frühzeitig bucht, kann es auch noch billiger werden. Es lohnt sich, die verschiedenen Fluglinien-Angebote zu vergleichen (z.B. Finair, Germanwings, Ryan Air...).

Das Zugticket kostet ohne Ermäßigung um die 40 Euro und kann auch im Internet bestellt und ausgedruckt werden (www.vr.fi). Ich habe dem finnischen Schaffner meine Annahmebestätigung (Letter of Admission) von der Uni Jyväskylä gezeigt und auf diese Weise nur 20 Euro bezahlt, obwohl ich noch keinen finnischen Studentenausweis hatte. In der Regel klappt das aber nicht, ich hatte nur Glück und einen netten Kontrolleur. Es gibt auch die Möglichkeit, vom Helsinki Flughafen mit einem Bus direkt nach Jyväskylä zu fahren (kostet und dauert etwa genauso lange), oder natürlich vom Flughafen Helsinki- Vantaa zum Hauptbahnhof in Helsinki und von dort aus mit dem Zug. Die Tikkurila-Variante ist aber etwas billiger und man erspart sich den Stress eines großen Bahnhofs. Wenn man bei der Ankunft von seinem Tutor abgeholt werden möchte, füllt man die Arrival Service Form der Uni aus (wurde mir mit der Post zugeschickt, zusammen mit einem Stapel Info-Materialien) und faxt oder schickt diese spätestens eine Woche vorher zurück. Der Tutor hilft bei allen Fragen und Problemen, organisiert die Kontoeröffnung bei der Bank, besorgt Handykarten und in der Regel auch das Survival-kit, das Bettwäsche und Geschirr enthält.

Gemeinsam mit meinem Tutor habe ich auch meinen finnischen Studentenausweis bei der Student Union abgeholt. Die Mitgliedskosten für die Student Union sollte man möglichst vor der Ankunft überwiesen haben, sonst kann es sein, dass man noch einige Tage auf seinen Ausweis warten muss. Die Uni teilt einem vorher mit, wie viel man wohin überweisen muss. Der Ausweis ermöglicht einem ermäßigtes Mensaessen und Zugtickets und dient gleichzeitig als Ausweis für die Bibliothek. Wer länger als 3 Monate in Finnland bleibt, muss sich auf der Polizeiwache (dort ist so etwas wie ein Einwohnermeldeamt untergebracht) anmelden, dies kostet um die 40 Euro. Dies muss vor Ablauf der 3 Monate geschehen. Wer allerdings innerhalb der drei Monate Finnland verlässt (zum Beispiel um nach Schweden etc. zu reisen), ist eine Anmeldung nicht nötig. Auch ich habe mir dadurch die 40 Euro gespart.

Das Campusgelände ist ziemlich groß und liegt zum Teil an einem See. Das Department of Communication liegt außerhalb des Uni-Geländes und Zentrums, ist aber mit dem Fahrrad recht schnell zu erreichen. Einige Gebäude sind sehr modern und mit vielen Computerräumen ausgestattet, andere atmen noch den Geist früherer Bildungsepochen. In den ersten Tagen war ein Campusplan, den wir zum Glück gleich zu Beginn bekamen, sehr hilfreich. Im International Office gab es auch kleine nützliche Taschenkalender, die ebenfalls eine kleine Ausgabe des Campus- und und des Stadtplans enthielten.

Viele wichtige Fragen werden bereits in der Orientierungswoche beantwortet, ansonsten kann man immer ins International Office gehen oder die Tutoren fragen. Das Mensasystem ist etwas anders als in Deutschland: Es gibt viele kleinere Mensen (ca.10-12) mit meistens unterschiedlichen Menüs. Salat und Brot (so viel man möchte) sowie ein Getränk und beliebig viel Wasser ist im Preis von 2,35 Euro immer inklusive. Die Speisepläne sind meist zweisprachig. Die Mensen funktionierten auch als Cafeterias. Nur leider schließen sie spätestens gegen 16.30 Uhr, danach ist außer Automatenkaffee und - snacks nichts mehr zu bekommen.

Es gibt mehrere Bibliotheken, die Hauptbibliothek befindet sich natürlich auf dem Hauptgelände. Zu Beginn des Semesters werden auch Führungen angeboten. Die Such- und Ausleihprogramme sind auch in englischer Sprache verfasst. Ich fand es interessant, dass die Ausleihe und Rückgabe der Bücher maschinell erfolgt. Man benötigt dazu den Studentenausweis, der von den Bib-MitarbeiterInnen mit einem Aufkleber versehen wird. Kopierkarten gibt es unter anderem im Copyshop der Hauptbibliothek, ebenso diverse Skripte für die Seminare.

Das Passwort für den Computerzugang bekam man am Anfang vom Computer-Zentrum. Damit kann man sich an jedem Rechner einloggen und an vielen Plätzen ausdrucken. Die Anzahl der Seiten, die man pro Semester drucken kann, ist limitiert. Allerdings werden die Seiten für fast jeden Computerraum einzeln gezählt. Muss man also viel drucken, sollte man flexibel sein und auch einmal die Räume wechseln. Eine gute Einrichtung ist auch der Gesundheitsservice für Studenten, das Student Health Center, das auf dem Campus liegt. Neben Allgemeinärzten und Krankenschwestern sind dort auch Zahnärzte, Physio- und Psycho-Therapeuten beschäftigt. Die meisten Behandlungen sind für Studenten kostenlos, allerdings sind für einige Spezialisten Gebühren von 3-4 Euro fällig,

Für alle Vorlesungen wird neben dem finnischen Punkte-System auch das ECTS-System verwendet. Austauschstudenten können relativ frei aus allen Fachbereichen wählen, was sie hören möchten, unabhängig vom Studien-Level. Eine Ausnahme ist nur die School of Business and Economics: Um hier Master-Kurse hören zu können, muss man auch in einem Masterstudiengang sein. Nicht alle Kurse sind auf Englisch. Dies hängt teilweise auch vom jeweiligen Fachbereich ab. Ist man auf einen Schein in finnischsprachigen Kursen angewiesen, unbedingt vorher Kontakt zum Professor/Dozenten aufnehmen: diese sind sehr flexibel, in kleineren Vorlesungen wurde auch schon mal aus Rücksicht auf Englisch umgestellt, oder es wurde Literatur herausgegeben, mit deren Hilfe man selbständig lernen konnte.Mit normalem Schul-Englisch kam man gut mit. Zu Beginn des Semester werden auch viele Kurse wie Academic Writing etc. in Englisch angeboten, die das Verfassen von Essays und Präsentationen erleichtern sollen.

Die Prüfungen sind insgesamt vom Niveau her leichter als in Deutschland. Eine Besonderheit sind Web-Kurse, die vollständig online stattfinden (dazu loggt man sich meist in einem speziell eingerichteten Forum ein). Man liest unter anderem wissenschaftliche Artikel, diskutiert mit anderen Teilnehmern und erledigt Aufgaben. Zudem gibt es die so genannten book exams, die selbständiges Lesen und Lernen verlangen. Die Teilnehmer lesen eine bestimmte Anzahl an Büchern und schreiben dann darüber eine Klausur.

Wenn man sich früh genug an die Uni wendet, bekommt man in einem Studentenwohnheim eine Wohnung gestellt. Das notwendige Bewerbungsformular bekommt man normalerweise per Post von der Uni zugeschickt, man findet es aber auch online.

In Kortepohja, einem großen Studentendorf, das von der Uni verwaltet wird, leben ca. 3000 Studenten in mehreren Hochhäusern zusammen. Aufgrund der Plattenbau-artigen Häuser trägt das Wohnheim den lustigen Spitznamen „DDR“. Allerdings mangelt es aufgrund der vielen (Austausch-)Studenten nie an Parties und anderen Vergnügungen. Die Wohnungen sind zwar in der Regel unmöbliert, jedoch gibt es Möbellager, so dass alle zumindest Bett, Schreibtisch, Stuhl, und einen Schrank hatten. Einen Teil der Möbel kann man sich auch von den Fluren nehmen, obwohl es eigentlich nicht erlaubt ist, dort Sachen abzustellen. Ein Nachteil der meisten Kortepohja-Wohnungen ist, dass es nur eine winzige Küchenzeile gibt und keinerlei Sitzecke darin. Deswegen muss man auf dem Zimmer essen – oder einen Brunch im Flur veranstalten. Meine Wohnung war in einem mittelmäßigen Zustand, und man sollte sich darauf einstellen, einen neuen Duschvorhang etc. aus dem eigenen Portmonee bezahlen zu müssen. Zwar habe ich mehrfach Mängelberichte ausgefüllt, jedoch hat sich keiner in der Verwaltung darum gekümmert.

Außerdem gibt es noch KOAS, eine private Organisation, die jedoch auch nur an Studenten vermietet. Die Wohnsituation ist ähnlich, nur das die Wohnanlagen meistens auf einige hundert Studenten ausgelegt und über die ganze Stadt verteilt sind. Die KOAS-Zimmer sind möbliert mit Bett, Schrank, Schreibtisch, Stuhl, Sessel und kleinem Tisch sowie Küchen-Schränken. Die Küchen sind in der Regel größer und schöner ausgestattet, außerdem haben viele der Wohnungen einen Balkon – ein weiterer Vorteil gegenüber Kortepohja. Die Möbel haben zwar – abhängig vom Wohnheim - schon bessere Tage gesehen, aber für ein Auslandssemester sind sie auf jeden Fall ausreichend.

Die Miete betrug in allen Wohnheimen zwischen 155-210 Euro warm, inklusive Internet (mit einer sehr schnellen Verbindung). Die Kaution kann man vor Ort bezahlen, in meinem Fall waren es 250 Euro. Das Geld wird nach Ende des Austausches vollständig zurück überwiesen, sofern die Wohnung sauber und in einem guten Zustand ist.

Zusätzlich war es möglich, ein von der Uni organisiertes, so genanntes Survival-kit gegen 60 Euro Kaution (40 Euro gibt es zurück, wenn man am Ende alles komplett und heile zurückgibt). Darin enthalten sind etwa Bettzeug, Bettwäsche, Topf, Pfanne, Teller, Besteck usw., allerdings nur das Nötigste für eine Person. Auch die Qualität der Gegenstände lässt teilweise zu Wünschen übrig.

Alle Wohnungen sind WGs, meist mit 2 oder 3 Leuten, die sich Bad und Küche teilen. Sonderwünsche (für Pärchen, Freunde, die zusammen nach Finnland gekommen sind etc.) wurden alle erfüllt. In jedem Wohnheimgebäude gibt es eine kostenlos nutzbare Sauna, die Sauna-Zeiten wechseln, so dass jeden Tag in der Woche ein Besuch möglich ist. Natürlich sind Männlein und Weiblein getrennt. Außerdem haben die Wohnheime verschiedene Freizeiträume, wie z.B. DVD-, Tischtennis-, Piano- oder Billardzimmer. Je nach Wohnheim kann man sich die Schlüssel bei der Verwaltung abholen, teilweise gegen eine kleine Gebühr. Außerdem haben einige Wohnheime einen mietbaren „common room“ für Parties etc.

Die Preise sind durchschnittlich deutlich höher als in Deutschland. Für ein Bier zahlt man in der Kneipe selten unter 3 Euro. Deswegen: Immer nach der „Happy Hour“ fragen :). Alkohol ist generell deutliche teurer als in Deutschland. Die Miete im Studentenwohnheim hält sich im Rahmen und beträgt nie mehr als 210 Euro. In einigen Geschäften, z.B. im „Tiimari“-Papier- und Dekoladen, gibt es Studentenrabatt, wenn man an der Kasse seinen Ausweis zeigt. Also sollte man immer nachfragen. In den Clubs und in manchen Bars zahlt man neben dem Eintritt (meist um die 5 Euro) auch eine mehr oder weniger hohe Garderobenabgabe.

Lebensmittel sollte man möglichst in billigen Supermärkten wie Lidl einkaufen. Ein gutes Stück Käse gibt es nicht unter drei Euro, 500 Gramm Brot für ca. 2-3 Euro. Wurst- und Fleischwaren sind besonders kostspielig, Milchprodukte wie Joghurt dagegen meist recht erschwinglich. Furchtbar viel Geld kann man für exotische Früchte wie Grapefruits (um die 3 Euro) oder Gemüse wie Gurken und Paprika ausgeben. Alles in allem sollte man ca. 700 Euro pro Monat einkalkulieren. Wer viel reisen möchte, etwa hundert Euro mehr. Der einwöchige Moskau-St.-Petersburg-Trip kostet beispielsweise rund 350 Euro.

Innerhalb von Jyväskylä fahren nur Busse, die recht teuer sind. Umsteigen ist meist nur in der Innenstadt möglich. Außerdem fährt unter der Woche der letzte Bus spätestens um 24 Uhr, am Wochenende um 2 Uhr, manchmal auch tagsüber nur alle halbe Stunde. Ab 23 Uhr kostet eine Fahrt doppelt so viel. Die wichtigsten Buslinien von Kortepohja in die Innenstadt sind die Linie 18, 18K, 8 und 5. Mit dem Bus dauert es ca. 15 Minuten ins Zentrum. Informationen und Tickets gibt es im Büro der Touristeninformation an einem eigenen Schalter.

Fahrräder werden viele gebraucht verkauft (die Tutoren zeigen einem auch Händler), mit einem Rücknahme-Arrangement am Ende des Semesters. Es lohnt sich auch ein Blick in den Studi-Mail-Verteiler, häufig werden hier gebrauchte Räder günstiger angeboten. Taxi fahren ist ziemlich teuer, der Grundpreis liegt schon bei etwa 8 Euro. Am besten bestellt man immer ein Großraumtaxi für 8 bis 12 Personen, dann wird es billiger. Für weitere Reisen gibt es die Bahn wie auch Fernbusse, beide dank Studentenrabatts sehr günstig.

Man sollte sich unbedingt in die „fs-news-list“ eintragen! Darüber werden alle ESNInformationen und sonstige interessante Veranstaltungen per Email verbreitet. Weiterhin gibt es:

Buddy-Programm: Hier wird ein Kontakt zwischen Finnen und Austauschstudenten hergestellt. Je nach Gruppe wird mehr oder weniger gemeinsam veranstaltet, wir waren u.a. Bowlen, haben finnische Spezialitäten wie Pirakka und Pulla gebacken, selbst Wein hergestellt usw.

Each-one-teach-one: Zwei (Austausch-)Studenten bilden eine Gruppe und bringen sich gegenseitig ihre Muttersprache bei. Auch die Kultur des anderen Landes soll vermittelt werden. Dafür gibt es 1-2 ECTS, es findet Betreuung durch einen Lehrer statt.

Friendship-Family-Program: Ein Austauschstudent wird in eine finnische Familie vermittelt, um ebenfalls Kultur und Familienleben kennen zu lernen. Wie oft man dabei wirklich die Familie sieht, hängt stark vom Engagement ab. Letztes Semester gab es viel zu wenig teilnehmende Familien, viele bekamen keinen Platz.

Sportprogramm der Uni: Die Regelung ist ähnlich wie in Dortmund: Man zahlt insgesamt 12 Euro pro Semester für die Teilnahme an „gewöhnlichen“ Sportarten. Manche Angebote - wie Tennis etc. - kosten extra. Dafür sind einige Sachen - z.B. Fußball ohne Betreuung- auch ganz frei.

ESN-Betreuung: Viele Veranstaltungen, Partys und Ausflüge aller Arten.

Die Sehenswürdigkeiten von Jyväskyla schafft man gut an einem Tag. Vom Wasserturm (oben auf dem Harju, einem bewaldeten Hügel mit Stadion) aus hat man bei gutem Wetter eine tolle Sicht über die ganze Stadt. Aalvar-Aalto Bauten sind für Architektur-Begeisterte quer über die ganze Stadt verteilt. Das Aalto-Museum selbst fand ich weniger interessant. Zudem gibt es unter anderem ein Handarbeitsmuseum, ein Museum für zeitgenössische Kunst und das Museum von Mittelfinnland. Bei manchen ist der Eintritt an bestimmten Wochentagen frei. Auch die Uni ist teilweise sehenswert, da einige ihrer Gebäude von Aalto entworfen wurden.

Wer gerne Wintersport betreibt, sollte ins Laajavuori-Skizentrum nahe Kortepohja fahren. Dort kann man unter anderem Langlauf- und Abfahrtsski sowie Snowboarden lernen und praktizieren. Die Uni bietet einige günstige Kurse an, und für die Ausleihe von Equipment gibt es an einigen Wochentagen eine „Happy Hour“. Auch das Unisportprogramm ist recht breit gefächert, man findet alle möglichen Sportarten - von Eishockey bis zum African Dance. Jyväskylä hat natürlich auch ein Schwimmbad, und im Uni-Fitnessraum darf man sogar umsonst trainieren. Die Wälder und Seen in und um Jyväsykylä laden zum Joggen, Wandern und Radeln ein. Ein sport-kulturelles Muss ist der Besuch eines Eishockeyspiels im Stadion. Studenten kommen für etwa 6-8 Euro rein. Samstags und sonntags kann man sich die Trainingsspiele und Spiele der niedrigeren Klassen und Frauen umsonst anschauen.

Man merkt, dass Jyväskylä eine Studentenstadt ist :). Es gibt recht viele Clubs und Bars, Cafes etc. Die meisten befinden sich in der Innenstadt bzw. der Fußgängerzone, bis auf das Ilokivi, das zur Uni gehört. Empfehlenswerte Clubs sind Gigglin Marlin und Fever, und nette Bars Sohvi, Bar 68 und Passion. Fans von Live-Musik sind in der Jazzbar gut aufgehoben. Und wer gerne selbst Musik macht, sollte unbedingt am Sonntagabend ab 10 Uhr ins Katse gehen, dort ist dann nämlich immer Open-Jam-Session. Außerdem gibt es diverse Möglichkeiten, Karaoke zu singen (die Finnen lieben Karaoke), so gibt es etwa in den Studentendörfern Kortepohja und Myllyjärvi jeweils eine Pizzeria, die auch unter der Woche Karaoke anbietet.

Wer gerne ins Kino geht, muss sich auf gesalzene Eintrittspreise einstellen. Etwas billiger sind die Studentenkinos, die an der Uni eifrig Werbung machen. Einmal die Woche geht auch eine Mail mit aktuellen Kulturtipps über den Unimailverteiler – ein Blick hinein lohnt sich meist.

Empfehlenswert ist ein Wochenende in einem Mökki, einem typischen Ferienhaus am eigenen See mit eigener Sauna. Infos gibt es bei der Touristeninformation. Die Student Union und das ESN organisieren diverse Trips, u.a. nach Moskau, St. Petersburg, Helsinki (ein Muss sind dort die Markthalle, das KIASMA - Museum für Moderne Kunst und die Felsenkirche) Tallinn, Tampere, Riga, Lappland/Rovaniemi (insbesondere das Eishotel), diverse Nationalparks usw. Empfehlenswert ist auch eine Reise nach Stockholm (Vasa- Museum, Königspalast, Freilichtmuseum Skansen...). Die Preise für die Ausflüge variieren zwischen ca. 10 bis 400 Euro, die Russland-Trips sind natürlich aufgrund des Visums erheblich teurer. Wer lieber auf eigene Faust reisen will, sollte rechtzeitig buchen. Dann bekommt man manchmal sogar einen Flug für 10 Euro von Helsinki nach Riga.

Supermärkte für den täglichen Bedarf gibt es in der Nähe zu jedem Wohnheim. Alles andere gibt es in der Innenstadt in der Fußgängerzone. Der billigste Supermarkt ist Lidl, allerdings findet man dort natürlich kaum finnische Produkte. Und das deutsche „Schwabenbräu“-Bier schmeckt auch wirklich wie ein Gebräu. Harten Alkohol, Wein und Sekt gibt es nicht im Supermarkt, sondern in speziellen Alkohol- Geschäften, „Alco“ genannt. Wer aber Geld sparen will, stellt Bier, Wein und Cider selbst zu hause her – ein weit verbreitetes Hobby in Finnland. Die Zutaten und Anleitung dafür kann man u.a. in großen Supermärkten erstehen. K-Market, Prisma und Siwa sind durchschnittlich etwas teurer. Direkt in Kortepohja gibt es neben dem Siwa auch einen kleinen Spar-Markt, den man allerdings nur besuchen sollte wenn man wirklich dringend etwas braucht. Eine gute Sache aus Konsumentensicht ist, dass einige Supermärkte auch sonntags von 12 bis 20 Uhr geöffnet haben. Samstags schließen sie in der Regel um 18 Uhr, unter der Woche gegen 21 Uhr.

Für billige Gebrauchsgegenstände aller Art und Second-Hand-Kleidung lohnt sich ein Besuch im Red-Cross-Shop nahe dem Uni-Sportgebäude. Im Schlussverkauf findet man etwa besonders günstige Wintersportkleidung, ansonsten sind auch hier die Preise höher als in Deutschland. Ich habe meistens Kleidung bei H&M gekauft, dort war sie noch am erschwinglichsten. Typische finnische Designartikel von Aalto und Co. bekommt man z.B. bei Anttila (im Einkaufszentrum „Forum“) oder bei Marimekko. Die Preise haben es aber in sich.

Wie schon weiter oben berichtet, ist es sinnvoll eine Auslandskrankenzusatzversicherung abzuschließen um wirklich alles abzudecken. Eine Kreditkarte ist sinnvoll, weil der Gebrauch in Finnland viel gängiger ist. Man kann sogar einen Kaffee in der Mensa problemlos damit bezahlen. Das finnische Bankkonto wird in der Regel zusammen mit dem Tutor eingerichtet, man benötigt dafür meistens einen Reisepass (außer bei Säästöpankki).

Der Internetzugang im Wohnheim ist frei und meist sehr schnell, allerdings gibt es ein gewisses Download-Kontingent. Wenn man sich etwas im Studentennetzwerke wie DC++ zu viel herunterlädt, kann es sein, dass man eine Weile warten muss, um erneut downloaden zu können. In Kortepohja kam es zeitweise vor, dass das Internet einige Tage wegen Wartungsarbeiten nicht funktioniert hat. In diesem Fall sollte man auf jeden Fall den zuständigen Administrator verständigen. Es empfiehlt sich die Installation eines Messengers wie Skype, MSN oder ICQ, um kostenlos chatten und telefonieren zu können. Zwar gibt es ein Telefon in jedem Apartment in Kortepohja, allerdings sind die Gebühren fürs Nach-Hause-Telefonieren höher als normal. Angerufen werden kann man, aber da sich das Telefon im winzigen Flur zwischen den Zimmern befindet, ist das Telefonieren etwas unbequem. Dafür sind Anrufe innerhalb des Wohnheims umsonst.

Man sollte sich auf jeden Fall eine finnische Handykarte zulegen. Ich bin mit einer Prepaid- Karte für 20 Euro etwa sechs Wochen ausgekommen. Die Karten sind in jedem R-Kioski erhältlich. Ein Netzwerkkabel muss man sich selbst besorgen. Computer und Laptops kann man im Computerzentrum gegen eine Gebühr von etwa 50 Euro ausleihen.

Sonstige Tipps und Infos findet ihr unter folgenden Adressen:

www.jyu.fi/en - Uni Jyväskylä (auf Englisch) http://www.jyvaskyla.fi/international/deutsch/ - Infos über die Stadt (mit Links zur Satdtbücherei, Kulturevents und Wettervorhersage) www.vr.fi/heo/eng/index.html - die finnische Bahn (auf Englisch) www.matkahuolto.fi/en - Überland-Busse inklusive Fahrpläne (auf englisch) http://www.jyvaskylanliikenne.fi/index.html – Stadtbuslinien in Jyväskylä http://www.fshs.fi/netcomm/default.asp?strLAN=EN – Student Health Care Center Jyväskylä

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