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Lehramt-Praktikum in Finnland: Sich vom Pisa-Sieger abgucken, was Lehrer besser machen können

Als angehende Grundschullehrerin ein Praktikum im Ausland zu absolvieren macht wenig Sinn!? Weit gefehlt! Miriam studiert Lehramt (an Grundschulen) in Baden Württemberg und zeigt im Interview mit Stellenboersen.de, warum es sich lohnt Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Vom 24. August bis zum 26. September 2007 war die 21-Jährige in Lappeenranta (Finnland) und unterrichtete dort an einer bilingualen Schule.

Lehramt-Praktikum in Finnland: Sich vom Pisa-Sieger abgucken, was Lehrer besser machen können

Du studierst Lehramt an Grundschulen. Wie ist dieses Studium aufgebaut?

Genau, ich studiere Lehramt in Baden-Württemberg. Die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester. Ich studiere drei Fächer: Sport, Mathe und Biologie. Sport und Mathe sind meine Hauptfächer. Biologie ist ein Nebenfach. Ansonsten hat man noch Veranstaltungen zur Erziehungswissenschaft, Psychologie und Grundschulpädagogik.

In allen Fächern macht man die Fachwissenschaft und Fachdidaktik - das Hintergrundwissen und wie man es den Schülern vermitteln kann.
Unterrichten muss man in der Grundschule später einmal alles (außer Religion).

Dein Pflichtpraktikum hast du nach Finnland verlagert. Was waren deine Beweggründe dafür?

Ich wollte nach Finnland und meine Englisch-Kenntnisse verbessern. Außerdem haben wir in Baden-Württemberg einen großen Lehrerüberfluss und solche Zusatzqualifikationen (Englisch durch einen Auslandsaufenthalt) steigern später die Einstellungschancen.
Außerdem wollte ich mir einmal das finnische Schulsystem, dass Pisa-Sieger ist, anschauen und gucken, was dort alles besser gemacht wird.

Und was machen die finnischen Schulen anders oder besser – verglichen mit Deutschland?

In Finnland gibt es zum Beispiel nur sehr kleine Klassen, in denen maximal 20 Kinder unterrichtet werden. Die Lehrer vor Ort waren sehr motiviert und auch hoch angesehen.
Das Fernsehen in Finnland wird nicht synchronisiert, so haben die Kinder ein Interesse daran, schnell den Untertitel lesen zu können und Englisch (oder eine andere Fremdsprache) zu lernen, damit sie den Film verstehen.
In Finnland wird auch viel Wert auf Sport gelegt. Nach jeder Unterrichtsstunde haben die Kinder eine 15-minütige Bewegungspause.
Das kostenlose Essen in der Mittagspause fördert zudem das Gemeinschaftsgefühl sowie das Sozialverhalten der Schüler.
Außerdem gibt es in jeder Schule Psychologen und Lehrer für besonders schwache Kinder. Das alles sind allerdings nur einige Aspekte, die mich beeindruckt haben.

Wie hast du dich an der finnischen Schule beworben?

Ich habe mich ganz normal schriftlich mit einem Anschreiben und einem Lebenslauf bei der Schule beworben. Über Bekannte hatte ich allerdings schon vorher Kontakt zu einer Lehrerin der Schule aufgenommen.

In welcher Sprache wurden denn deine Schüler in Finnland unterrichtet – Englisch oder Finnisch? Wie bist du denn mit den sprachlichen Barrieren zurecht gekommen?

Praktikum in Finnland

Ich habe in Finnland an einer bilingualen Schule unterrichtet. Außer Finnisch, ist dort jedes Fach auf Englisch. Verstehen konnte ich alles. Auf Englisch zu unterrichten war hingegen schon etwas schwieriger. Am Anfang war das sehr anstrengend. Doch von Tag zu Tag wurde ich dann besser.
Die Lehrerin, eine Amerikanerin, kam mir auch sehr entgegen und gab mir zu Beginn meines Praktikums immer nur Teile des Unterrichts. Es begann mit 15 Minuten und steigerte sich dann stetig.
Ich musste immer sehr gut vorbereitet sein, wenn ich eine Stunde gestalten sollte. Viele Worte musste ich schon vorher übersetzen (auch auf Finnisch), um den Kindern auch jederzeit helfen zu können. Denn Englisch ist für sie ja auch eine Fremdsprache.

Die finnische Sprache stellte jedoch eine große Hürde dar. Finnisch ist wirklich sehr schwierig. Zu Beginn konnte ich wirklich nur die wichtigsten Worte. Als ich drei Tage mit einer sechsten Klasse auf Klassenfahrt (auf einem Segelschiff) war, war es in manchen Situationen schon unangenehm, die Schüler nicht zu verstehen. Sie gaben sich allerdings große Mühe mit mir Englisch zu sprechen und mir Finnisch beizubringen.

Wie ist dein Finnisch heute?

Mein Finnisch war vorher eher schlecht - jetzt ist es besser. In Gesprächen kann ich die Sprache schon sehr gut verstehen. Ich weiß also worum es geht, wenn mir das Thema bekannt ist.

Wo hast du während des Praktikums gewohnt?

Gewohnt habe ich bei mehreren Gastfamilien, die mir die Lehrerin der Schule organisiert hat, nachdem ihr Schulleiter das OK für mein Praktikum gegeben hatte. Alle Familien waren wirklich sehr nett. Sie haben mich richtig verwöhnt und immer gut behandelt. Wir haben Ausflüge zusammen gemacht, sie haben Partys für mich organisiert und mich häufig beschenkt.
Wirklich alle Finnen waren sehr gastfreundlich. Oft wurde ich auch von fremden Familien zum Essen eingeladen – jeder wollte mich dort kennen lernen. Sie haben mir auch viele junge Leute in meinem Alter organisiert, die ich kennen lernen sollte, so dass ich jemanden hatte, der etwas mit mir unternimmt.

Hattest du neben deinem Praktikum auch Zeit, dir das Land anzugucken?

Meine Gastfamilien haben immer sehr viel mit mir unternommen, so hab ich die Umgebung von Lappeenranta kennen gelernt. Gereist bin ich dann nach meinem Praktikum zwei Wochen lang. Für diese Reise kamen dann Freunde aus Deutschland, die mich begleitet haben. Erst waren wir eine Woche wandern in den Wäldern Finnlands, dann drei Tage in Tallinn (Estland) und zum Schluss waren wir noch drei Tage in Helsinki.

Und wie würdest du deine Eindrücke von Finnland beschreiben?

Lehramtstudentin in Finnland

Die Menschen sind sehr gastfreundlich, hilfsbereit, sehr ruhig und freundlich. Sie bedanken sich beispielsweise beim Busfahrer, wenn sie den Bus verlassen. In Deutschland habe ich das noch nicht gesehen.
Ich denke, für Kinder ist Finnland das beste Land, in dem sie aufwachsen sollten. Kinder sind in der Gesellschaft hoch angesehen; es wird viel für sie gemacht.
Außerdem ist Finnland ist ein sehr friedliches Land und die Natur ist rein und wunderschön!

In wie fern hat dich dieses Praktikum (persönlich wie beruflich) beeinflusst?

Die Gelassenheit und die Ruhe haben mich beeinflusst. Beruflich bin ich sehr beeindruckt von der Arbeitsweise in den Schulen. Ich will versuchen, dass irgendwie auch in Deutschland zu übernehmen.
Persönlich haben mich die vielen neuen Kontakte und Freundschaften verändert. Wie genau, kann ich nicht sagen.

Möchtest du noch einmal nach Finnland?

Ich möchte unbedingt wieder nach Finnland - so schnell wie möglich! Ich vermisse die Leute, die ich dort kennen gelernt habe, sehr.

Von Julia von der Heyden

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