Austausch an der Universität Oulu in Finnland
Angelika Hartung, 24, studiert Biochemie auf Diplom an der Universität Greifswald. Sie ist gerade dabei den praktischen Teil ihrer Diplomarbeit zu leisten. Für drei Monate durfte sie als Erasmusstudentin nach Oulu, an die University of Oulu. Im Folgenden beantwortet sie Fragen über ihren Aufenthalt und ihre Erfahrungen in Finnland.
Was machst du in Oulu?
Ich fertige einen Teil meiner Diplomarbeit im Bioprocess Engineering Laboratory der Universität Oulu an. Normalerweise arbeite ich an meiner Heimatuniversität als Diplomandin im Pharmazeutischen Institut.
Wie bist du auf Oulu gekommen?
Prof. Dr. Neubauer, der in Oulu die Arbeitsgruppe leitet, hat bei uns im letzten Jahr ein Seminar gehalten. Er hat meinem Betreuer und mir angeboten nach Finnland zu kommen und einen Teil unserer Arbeit dort zu machen. Das hat sich natürlich sehr verlockend angehört.
Du hast dich dann für Erasmus beworben? War es schwierig einen Platz zu bekommen?
Ich habe mich relativ spät beworben, erst drei Monate vor dem Austausch. Die Uni Greifswald hat noch nicht viele Studenten nach Oulu senden können. Wäre ich nach England gegangen, wäre es sicherlich schwieriger gewesen einen Platz zu bekommen. Aber für Finnland war die Bewerbung gar kein Problem. Die Erasmusbeauftragten freuen sich schon, dass ich Werbung mit meiner Erfahrung machen kann und dann vielleicht bald mehr Studenten aus Greifswald nach Oulu gehen.
Wie hast du dich auf Finnland vorbereitet?
Natürlich musste ich für Erasmus einige Formalitäten erledigen. Das ging aber relativ schnell und unkompliziert. Auch die Uni Oulu hat sich schon nach zwei Wochen gemeldet. Obwohl die Bewerbungsfrist schon abgelaufen war, habe ich einen Platz bekommen. Informationen habe ich dann auf der Internetseite des Internationalen Büros der Uni Oulu erhalten. Die Seite bietet alle Informationen, die man braucht. Außerdem habe ich ein Informationspaket per Post erhalten. Das ging alles relativ schnell und einfach.
In den Sommermonaten gibt es in Oulu kein Problem ein Zimmer zu bekommen. Die meisten Austauschstudenten kommen von Januar bis Mai und von September bis Dezember, also während den regulären Semesterzeiten.
Finnland ist ja ein recht teures Land - wie sieht es aus mit den Kosten, die du so hast?
Ganz klar, man muss den Flug bezahlen, aber Blue1 oder RyanAir bieten schon relativ günstige Flüge an. Und das Studieren kostet fast nichts. Man bezahlt am Anfang eine geringe Gebühr, damit mit man einen Studentenausweis bekommt und somit auch Studentenpreise in den Mensen. Die Miete ist auch in Ordnung. Allerdings habe ich erst hinterher erfahren, dass man die gleichen Zimmer auch direkt bei der Hausverwaltung mieten kann und dass es dann etwas günstiger ist.
Gab es auch etwas, was dir vielleicht nicht so gut gefallen hat?
Keiner hat einem vorher wirklich Bescheid gesagt, ob man ein Zimmer hatte oder nicht. Da musste man selbst noch mal genau nachhaken. Das macht einen unnötig nervös. Und naja, jeder Anfang ist schwer und ebenso jedes Ende. Man lernt lauter nette Menschen kennen, die einen dann wieder verlassen oder die man wieder verlassen muss. Das ist schon schade.
Hast du vorher Erfahrungsberichte gelesen?
Nein, aber ich habe eine Kummi- (Paten-) Studentin aus Oulu zugewiesen bekommen, mit der ich im Vorhinein Kontakt aufnehmen konnte. Sie hat meine Fragen beantwortet und wir hatten regen Emailkontakt. Sie konnte auch Deutsch sprechen. Während meines Aufenthalts hat sie mir am Anfang den Einstieg erleichtert, dann hat der Kontakt nachgelassen.
Wie der Aufenthalt von der Uni organisiert?
Das war lobenswert. Besonders gut ist, dass man einen Studenten zugewiesen bekommt, der einen unterstützt, sich zum Beispiel um die Schlüssel für das Zimmer kümmert und auch einen Ordner für uns bereit gehalten hat, in dem wir nützliche Informationen finden konnnten über die Uni und die Organisation. Unsere Patenstudentin hat uns dann auch alles an der Uni und die Umgebung gezeigt - wo man einkauft, wo man eine Telefonkarte bekommt etc. Die Betreuung war also wirklich gut!
Von dem Aufwand, den du betrieben hast, nach Finnland zu kommen – hat es sich gelohnt?
Alles war relativ einfach, sehr organisiert und gut betreut. Mir ging es nicht darum Finnisch zu lernen, aber ich wollte mein Englisch verbessern. Das hat auch gut geklappt. Viele sprechen Englisch und man kommt gut mit der Sprache durch den Alltag. Daher sehe ich Oulu als nette Alternative zu Erasmus in England, wo die meisten Leute hin möchten.
Finnen sind wirklich hilfreich, wenn sie sehen, dass man Probleme hat, also zum Beispiel im Supermarkt mit Wörterbuch kämpft.Oulu ist sehr überschaubar und alles ist mit dem Fahrrad erreichbar. Dass die Uni an einem Campus organisiert ist und die Wohnheime auch nahe der Uni liegen, gibt einem die Möglichkeit schnell andere Austauschstudenten kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Allerdings kann man dadurch Finnen eher schlecht kennenlernen.
Von Mirja Krause


