Au pair in London
Vor ungefähr einem Jahr stand ich kurz vor dem Abschluss meines Bachelorstudiums und vor der Entscheidung mein Masterstudium im darauf folgenden Wintersemester zu beginnen oder mir eine Pause vom Studium zu nehmen und erstmal Auslandserfahrungen zu sammeln. Sehr schnell stand für mich fest, dass mich das Ausland und fremde Kulturen sehr reizen und ich und später im Berufsleben nun nicht mehr so leicht ins Ausland gehen könnte. Nach langer Recherche und reifer Überlegung entschloss ich mich kurzer Hand für einige Monate nach Großbritannien als Aupair zu gehen. Zum einen wollte ich meine Englischkenntnisse verbessern und zum Anderem konnte ich mich schon immer für die britische Kultur begeistern und wollte schon immer für eine gewisse Zeit in Großbritannien leben und diese hautnah miterleben. Dazu kam hinzu, dass ich schon immer gerne mit kleinen Kindern gearbeitet habe. Demnach war es die beste Entscheidung als Aupair nach England zu gehen.
Es galt nun eine passende Gastfamilie zu suchen, was bei der Organisation eines Au pair- Aufenthaltes wohl der schwierigste Teil sein dürfte. Im Internet begann ich dann nach mehreren Aupair Vermittlungsagenturen zu suchen und wurde auch sehr schnell fündig. Doch es war erst der Tipp einer Freundin, die mich zu der Webseite aupair-world.net brachte. Dort konnten sowohl Familien als auch Aupairs ein Profil anlegen und je nach dem selber nach einem passendem Aupair oder einer passenden Gastfamilie suchen. Ich legte also gleich ein Profil von mir an und suchte nach einer netten Gastfamilie. Eine Woche und einige Skype-Konversationen später fand ich schließlich meine Gastfamilie. Es sollte für mich also in die Hauptstadt Englands gehen, nach London. Auf mich warteten zwei kleine Jungs im Alter von vier und sechs Jahren, um die ich mich für sechs Monate kümmern sollte. Direkt nach den Weihnachtsferien verabschiedete ich mich von meinen ganzen Freunden und von meiner Familie, um das Abenteuer Aupair in London zu wagen.
Am Flughafen holte mich meine Gastmutter ab und begrüßte mich von Anfang an sehr herzlich mit einer Umarmung und einem Lächeln. Sehr schnell wurde mir klar, dass ich die richtige Gastfamilie ausgesucht hatte und ich mich für das nächste halbe Jahr sehr wohl fühlen würde. Wir fuhren also vom Flughafen Heathrow in den südwestlichen Teil Londons, nach Fulham, wo schon mein neues Zuhause auf mich wartete. Schon auf der Autofahrt bemerkte ich die vielen Unterschiedlichkeiten zu Deutschland, wie zum Beispiel der Linksverkehr, die Doppeldeckebusse oder die niedlichen englischen Häuser. Zu Hause angekommen zeigte mir meine Gastmutter mein neues Zimmer und das gesamte Haus und erklärte mir den Tagesablauf der beiden Jungs. Später am Nachmittag holten wir die Kinder gemeinsam ab und wir lernten uns zum ersten Mal kennen. Zunächst waren die beiden mir gegenüber ein wenig schüchtern und scheu, doch sie merkten sehr schnell, dass sie mit mir eine neue Spielkameradin gewonnen hatten und spielten von nun an sehr gerne mit mir.
Ich hatte mich relativ schnell an den Tagesablauf der Kinder gewöhnt. Morgens weckte ich sie täglich um 7 Uhr morgens auf, half ihnen beim Anziehen, gab ihnen ihr Frühstück und brachte sie zur Schule. Am Morgen hatte ich Freizeit, um mich entweder mit anderen Au pairs zum Kaffee zu treffen, an einem Englischkurs teilzunehmen oder schlicht und einfach London zu erkunden. Am Nachmittag holte ich die Kinder wieder ab und begleitete sie entweder zu einem ihrer zahlreichen Freizeitaktivitäten, wie Rugby, Fußball, Schwimmen oder Fechten. Bei gutem Wetter gingen wir einfach in den Park und verbrachten dort den ganzen Nachmittag. Später am Abend gab ich ihnen dann ihr Bad und ihr Abendessen und danach wurde es auch schon bald Zeit für die beiden kleinen Jungs ins Bett zu gehen. An den Wochenenden hatte ich komplett frei und ich nutzte die Zeit, um die zahlreichen Museen, Musicals, Sehenswürdigkeiten, Pubs, Bars und Shops in London zu besuchen.
In diesen sechs Monaten, die ich in London war, gab es natürlich auch Höhen und Tiefen. Wer selbst einmal mit Kindern gearbeitet hat weiß, dass Kinder nicht immer einfach sind und man mit ihnen sehr geduldig und einfühlsam sein muss. Nichtsdestotrotz war die Zeit, die ich mit den Kindern verbringen konnte sehr schön und ich habe sie sehr ins Herz geschlossen. Meine Gastfamilie hat mich immer fair und mit Respekt behandelt. Kleine Probleme, die während eines Au pair- Aufenthaltes immer wieder entstehen können, wurden besprochen und gelöst.
Rückblickend kann ich sagen, dass das halbe Jahr als Au pair in London meine Erwartungen übertroffen hat. Ich habe nicht nur mein Englisch verbessert und die britische Kultur miterlebt, sondern viele neue Freundschaften aus aller Welt geschlossen und einige Teile Londons gesehen, die in keinem Reiseführer stehen. Das halbe Jahr als Au pair in London bleibt für mich eine unvergessliche Zeit und ich kann nur jedem ans Herz legen selber dieses Abenteuer zu wagen.


