Studienfahrt der Oberstufe nach York
Eine schöne Möglichkeit, seine Fremdsprachenkenntnisse auszutesten ist die obligatorische Studienfahrt in der Oberstufe. In diesem Fall fuhr der Englisch-Leistungskurs der BBSIII in Göttingen im Frühling 2005 für knapp zwei Wochen nach York.
Die Berufsbildende Schule III in Göttingen bietet vor allem Ausbildungen im Bereich Gesundheit und Soziales an, man kann aber auch innerhalb dieser Fachspanne die allgemeine Fachhochschulreife erlangen. In der Regel ist es üblich, dass in der 12. Klasse innerhalb der Leistungskurse eine Studienfahrt organisiert wird, um einerseits, wie in diesem Fall, seine Sprachkenntnisse anwenden und vertiefen zu können und andererseits um zu schauen, inwiefern in den jeweils besuchten Gegenden die Themen Gesundheit und Soziales eine Rolle spielen.
York liegt eine knappe Tagesreise von Göttingen entfernt im Norden Englands, wenn man mit dem Bus und der Fähre anreist. Die Fähren haben mehrere Stockwerke mit vielen Gängen von Schlafkabinen und es ist ratsam, sich genau einzuprägen, wo man die Nacht verbringen wird, bevor man das Deck erkunden geht. Schließlich erwarten einem auch am darauf folgenden Tag noch mehrere Stunden Busfahrt, bis man von Hull in York angekommen ist. Wenn es dann soweit ist, ist es am günstigsten, wenn man sich eine Jugendherberge zum wohnen aussucht. Dabei sollte man sich darauf einstellen, dass die Badezimmer wesentlich kleiner sein können, als man es gewohnt ist. In unserer Jugendherberge stellte sie tatsächlich eher eine Nasszelle dar als ein geräumiges Bad, aber es war sauber und erfüllte seinen Zweck. England ist ja berühmt-berüchtigt für seine Frühstückskultur, dennoch hat man in den Jugendherbergen die Möglichkeit, zwischen dem klassischen englischen Frühstück mit Bohnen und Speck oder dem „Transkontinental“ genanntem Frühstück mit Brötchen und Marmelade zu wählen. Für Mittag- und Abendessen stand uns eine große Küche zur Verfügung, wo wir in Gesellschaft der anderen Gäste unser Essen selbst zubereiten konnten.
Wie bei jeder Studienfahrt gab es auch in diesem Fall jede Menge Programmpunkte. Unter anderem haben wir mit Studenten der Yorker Universität gesprochen, wie die Studienbedingungen für sie sind und wie sie mit der Belastung durch die Studiengebühren, die 2005 dort schon eingeführt und hier in der Diskussion waren, umgehen würden. Zu unserer Überraschung waren sich alle sicher, dass das ganz gut zu bewerkstelligen sei. Als wir anschließend auf dem großen Campus mit seinen Teichen, Enten und anderen Federtieren umherliefen, hat wohl der eine oder andere überlegt, sein eigenes Studium, was ja fast schon vor der Tür stand, vielleicht hier zu beginnen, denn die Möglichkeit besteht allemal und man hat den Eindruck vermittelt bekommen, sehr herzlich Willkommen zu sein. Diesen Eindruck hatten wir auch im Kontakt mit allen anderen Engländern gewonnen, die, egal ob wir sie auf der Straße angesprochen um nach dem Weg zu fragen oder in Uni, Schule oder ähnliches besucht haben, immer bemerkenswert offen und freundlich waren und durch das nahezu akzentfreie Englisch auch bestens zu verstehen waren. Die gute Verständlichkeit der Sprache könnte allerdings mitunter auch daran gelegen haben, dass wir uns in einer nicht allzu kleinen Stadt befunden haben, denn etwas weiter außerhalb sah das schon wieder ein wenig anders aus. Man kann sagen, dass York und Nordengland als Ziel für eine Studienfahrt sehr zu empfehlen ist, da es zum einen landschaftlich und geschichtlich sehr viel zu entdecken gibt und zum anderen natürlich dementsprechend sehr leicht ist, sein Englisch im praktischen Gebrauch zu erproben.
Die nordenglische Stadt York wurde von den Wikingern von Eboracum umgetauft und nach der schwedischen Stadt Jórwig benannt, was Pferdebucht bedeutet. Die Ouse fließt mitten hindurch und bietet die Gelegenheit, an ihrem Ufer entlang einen Spaziergang zu machen. Das Wahrzeichen der Stadt ist die größte mittelalterliche Kirche Englands, der Minster, der durch seine enorme Größe das Bild der Innenstadt prägt. Er wurde 1472 nach 250 Jahren Bauzeit fertiggestellt und ist besonders hoch geschätzt für seinen gotischen Baustil und die besonders schönen, großen Fenster, von denen eines schon mal die Länge eines Tennisplatzes haben kann. Gegenüber liegen die „Shambles“, das sind sehr alte Gassen mit kleinen Fachwerkhäusern, deren obere Etagen überhängen und durch die schiefe Bauweise einen besonderen Eindruck hinterlassen. Hier gibt es auch viele Souvenirläden. Die Innenstadt wird umsäumt von den „Bars“, der alten Stadtmauer, die wie eine Burgmauer um den Minster und die Altstadt herumführt.
Dort kann man auffallend viele graue Eichhörnchen beobachten, die längst nicht so scheu sind, wie ihre roten Vertreter hierzulande. Nahe des Busbahnhofes neben der Bibliothek befindet sich eine sehr schöne Parkanlage mit altem Klostergemäuer und dazugehörigen freiliegenden Grüften, die ebenfalls einen Besuch wert sind, z.B. indem man bei einer Stadtführung teilnimmt. Dort wird einem außerdem erklärt, dass sich hier das wahrscheinlich kleinste Fenster Europas befindet. Aber man kann auch an Stadtführungen teilnehmen, die erst abends beginnen und dadurch ihren eigenen Charme haben. Zu empfehlen ist des weiteren der Yorker Dungeon, welcher, als Touristenattraktion aufbereitet, dementsprechend spektakulär einen Teil der Geschichte Yorks aufbereitet, z.B. das Yorker Gericht, die Pestepidemien und das damals zeitgemäße Anwenden von Folterinstrumenten. Die Yorker Geschichte behandeln tut dem gegenüber ebenfalls das Jorwig Viking Centre, welches das Alltagsleben der Wikinger von damals rekonstruiert. Darüber hinaus kann man im Sommer verschiedene Festivitäten vorfinden, die die alten Wikingerzeiten wieder nostalgisch aufleben lassen.
Neben diesen historischen Sehenswürdigkeiten ist York allerdings auch interessant wegen seiner Universität und der freundlichen, offenen Menschen.
Von Eileen Scholz


