Ein weitaus weniger förmlicher Umgang an der Uni als in Deutschland – Ein Semester Dänemark
Lars hat ein Auslandssemester in Kopenhagen verbracht und dort eine tolle Zeit erlebt. Warum ihm Dänemark so gut gefällt und was ihr in Kopenhagen unternehmen könnt erfahrt ihr hier.
Vorbereitung und Organisation
Bewerbung und Einschreibung
Ich habe mich ca. ein halbes Jahr vorher, Mitte Juni, an der Uni angemeldet und die benötigten Unterlagen (d.s. ein Ausdruck der Online-Anmeldung, Vordiplom, Abiturzeugnis (als Nachweis meiner Englischkenntnisse), sowie Passfotos) per Post eingeschickt. Anfang Oktober habe ich dann die Bestätigung meines Platzes sowie gleichzeitig erstes Infomaterial erhalten. Das Zusammenstellen des Stundenplans verlief problemlos, da man so ziemlich alle benötigten Informationen im Onlinekurskatalog nachlesen kann. Da der Studiengang WiMa an der Uni Dortmund nicht nach dem ECTS System geregelt ist, hatte dieses System für mich nur eine geringe Aussagekraft.
Finanzierung
Während meines Aufenthaltes wurde ich von meinen Eltern unterstützt und hatte im Voraus etwas Geld gespart. Auslands-Bafög habe ich nicht beantragt, da es wohl einerseits nicht in Frage gekommen wäre und man dafür andererseits Sprachkenntnisse in der Landessprache nachweisen muss, die ich nicht besessen habe. Die Sokrates-Förderung betrug 100 € pro Monat, was allerdings nicht einmal ein Drittel der Miete für die Unterkunft ausmachte.
Dokumente
Ein Personalausweis ist normalerweise völlig ausreichend! Allerdings ist zusätzlich ein Reisepass empfehlenswert, besonders wenn man ein Konto in Dänemark eröffnen möchte. Ich habe dies zwar auch ohne geschafft (BG-Bank), allerdings hat es mich einige Mühe gekostet… Die Aufenthaltsgenehmigung kann man recht unkompliziert bei der örtlichen Gemeindeverwaltung beantragen, man benötigt dafür jedoch eine CPR-Nummer, die in etwa der deutschen Sozialversicherungsnummer entspricht. Es hat ca. 2 Wochen gedauert, bis ich diese per Post zugeschickt bekommen habe.
In Kopenhagen
Sprachkurs
An der Uni wird ein kostenloser Englischkurs angeboten. Allerdings war mein Schulenglisch mehr als ausreichend, so dass ich davon nach zwei Tagen Aufenthalt in Dänemark Abstand genommen habe. Ein Dänischkurs (2 Tage die Woche je 2 Stunden) wird extern von einem Sprachzentrum an der Uni angeboten, die mündliche Prüfung abzunehmen kostet allerdings 600 DKK. Bei erfolgreicher Teilnahme, erhält man ein Zertifikat vom dänischen Staatsministerium.
Ankunft
Ich bin mit dem Nachtzug angereist, da ich so im Vergleich zum Flugzeug mehr Gepäck mitnehmen konnte. Allerdings ist dies nur empfehlenswert, wenn man am Bahnhof abgeholt wird, in meinem Fall durch meinen Buddy, da ich sonst recht verloren gewesen wäre mit all dem Gepäck. Die Verkehrsverbindungen zur Uni sind aber sehr gut und auch mit dem Flugzeug (nach Kopenhagen oder Malmö) hat man gute Anbindungen. Ein Taxi vom Bahnhof zur Uni kostet ca. 60 Euro.
Jegliche Formalitäten, wie z.B. die Einschreibung oder das Beantragen der CPR-Nummer, wurden vollständig in der Einführungswoche geklärt, die man auf jeden Fall besuchen sollte!! Nur für die Aufenthaltsgenehmigung musste man zur lokalen Stadtverwaltung gehen um sich dort registrieren zu lassen, nachdem man seine Nummer erhalten hat, was aber auch ohne Probleme zu bewältigen ist.
Die Uni
Der Ansprechpartner für alle organisatorischen Fragen bezüglich Unterkunft und sonstigen Studienangelegeheiten ist das International Office (Öffnungszeiten: Mo-Fr: 10-14 Uhr), wo man eigentlich immer Hilfe jeglicher Art bekommt. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit! Mit seinem Studentenausweis hat man 24 Stunden am Tag Zugang zu allen Computerräumen, die wirklich hervorragend ausgestattet sind! Man kann umsonst drucken, kopieren, scannen und auch die Bibliothek mit ihrem reichhaltigen Onlineangebot an Artikel der verschiedensten Journalen ist sehr gut.
Die Cafeteria bietet zur Mittagszeit warme Mahlzeiten und Getränke an, allerdings sind diese recht teuer und auch nicht so reichhaltig verglichen mit der Dortmunder Mensa. Es ist daher empfehlenswert sich sein eigenes Essen dorthin mitzubringen und abends zu kochen. Der Campus ist in vier Bereiche, je nach Studienrichtung, eingeteilt, die alle gut zu Fuß zu erreichen sind. Zentral befindet sich das Hauptgebäude mit Mensa, Bibliothek, Sporthalle, Verwaltung,…
Ausschließlich jeder in Dänemark spricht ein wirklich sehr gutes Englisch. Mein Schulenglsich war mehr als ausreichend um den Kursen zumindest von der Sprache her folgen zu können. Ich habe drei Kurse belegt, zwei davon wurden durch eine schriftliche Abschlussprüfung bewertet, der dritte durch die Auswertung verschiedener Assignments die während des Semesters, meistens im zwei-Wochen-Rhytmus eingereicht werden mussten. Kurse werden in dänisch und englisch angeboten, so dass man darauf achten sollte nur englischsprachige Kurse zu wählen, es sei denn man spricht gut dänisch.
Es war kein Problem vor Ort Kurse abzuwählen und dafür andere hinzu zu nehemen. Das Studiensystem ist recht straf geregelt. Man hat pro Tag höchstens zwei Fächer, von 8 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr. Eine Einheit besteht dabei aus zwei Stunden Vorlesungen und anschließend zwei weiteren Stunden praktischer Aufgaben, die durch mehrere Tutoren betreut werden. Man kann und soll in Gruppen zusammen arbeiten und kann bei Bedarf Fragen stellen.
Das System ist sehr auf die praktische Anwendung ausgelegt, was mir sehr gut gefallen hat. Die Professoren sind sehr nett und auch der Umgang mit den Studenten ist weitaus weniger förmlich als in Deutschland. Man spricht den Professor mit Vornamen an und es kommt nicht selten vor, dass man während der Vorlesung mit Namen aufgerufen wird um Fragen von seiten des Professors zu beantworten. Auch gehen die Gespräche teilweise über das fachliche hinaus. Das Niveau der Vorlesungen und auch der Klausuren ist mit dem der Uni Dortmund vergleichbar.
Wohnen und Leben in Kopenhagen
Ich habe direkt mit meiner Anmeldung an der Uni ein Formular, dass man sich aus dem Internet ausdrucken konnte, mitgeschickt, um mich für eine Unterkunft zu bewerben, die mir dann auch recht zeitig vom zuständigen Amt zugeteilt wurde (Mitte Oktober). So bin ich in einem Studentenwohnheim untergekommen und habe dort mit dänischen Studenten zusammen gewohnt und eine Küche geteilt. Das Wohnheim und die Küche waren recht modern und gut ausgestattet. Ich hatte mein eigenes Bad. Die Miete betrug ca. 350 Euro pro Monat, ich musste nach meiner Ankunft eine Kaution in der gleichen Höhe hinterlegen. Miete und Kaution konnten bar im International Office bezahlt werden. Mein Zimmer war recht karg ausgestattet, es gab ein Bett, einen Schreibtisch, ein Schrank, aber leider keine Deckenlampe sondern nur Stehlampen.
Aufgrund meiner Wohnsituation hatte ich recht viel Kontakt zu dänischen Studenten, auch wenn die Kontaktaufnahme zu Beginn etwas schwierig war, da viele Leute sehr reserviert waren und von sich aus nur äußerst selten eine Unterhaltung begonnen haben. Eine andere Unterkunftsmöglichkeit ist das sog. Campus Village, eine Ansammlung von Containern, in denen man mit zehn weiteren internationalen Studenten zusammen wohnt. Diese sind zwar nicht ganz so modern und gut ausgestattet wie die Wohnheime, allerdings hat man dort den Vorteil, dass die Kontaktaufnahme um einiges einfacher ist!
Unterhaltskosten
Die Mehrwertsteuer in Dänemark beträgt 25%, auch auf Lebensmittel, so dass fast alles im Vergleich zu Deutschland teurer ist. Relativ günstig kann man in Discount Supermärkten wie Aldi oder Netto einkaufen. Alkohol, Süßigkeiten und insbesondere frisches Fleisch sind sehr teuer. Allerdings gibt es oft Angebote der Art „Nimm zwei oder drei und spar 20 DKK“ oder Ähnliches, die es sich schon lohnt wahrzunehmen! Studentenrabatte gibt es so gut wie gar nicht und wenn dann nur für dänische Studenten.
Öffentliche Verkehrsmittel
Von der Uni in die Innenstadt gibt es die Möglichkeit mit dem 150s Bus direkt bis in die Stadt zu fahren, was ca. 40 Minuten dauert. Der Bus fährt normalerweise alle10-20 Minuten. Die zweite Möglichkeit besteht darin, zuerst den 300s Bus zum Bahnhof nach Lyngby zu nehmen und dann mit der S-Bahn weiterzufahren (Linien A, B, B+, E). Die Strecke bis zum Bahnhof in Lyngby dauert zu Fuß ca. 20 Minuten. Die Preise für öffentliche Verkehrsmittel sind ebenfalls recht hoch. Man sollte auf jeden Fall mindestens eine Zehnerkarte kaufen!
Allerdings gelten alle Tickets für Bus/ Bahn/ Metro zusammen. Rund um Kopenhagen gibt es ein anfänglich evtl. verwirrendes Zonensystem. Von der Uni bis in die Innenstadt sind es 5 Zonen. Tickets können an Bahnhöfen oder direkt beim Busfahrer gekauft werden. Ein „Geheimtipp“ ist die sog. Kopenhagenkarte.
Es ist auf jeden Fall äußerst empfehlenswert ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen, das man bei der Abreise dann weiterverkaufen kann. Für weitere Informationen und einen sehr hilfreichen Routenplaner (in deutscher Sprache) siehe:
Kontakte knüpfen
Man kann sich vor der Anreise für ein Buddy-Programm anmelden, indem man ein Formular im Internet ausfüllt, so dass man einen oder zwei Buddies zugeteilt bekommt. Das ist auf jeden Fall sehr nützlich, ich wurde so vom Bahnhof abgeholt. Außerdem betreuen die Buddies noch andere Austauschstudenten, meistens vier bis fünf, so dass dies eine gute Möglichkeit ist den Leuten zu begegnen, z.B. bei einem gemeinsamen Dinner, was jede Buddygruppe gemacht hat. Allerdings ist es kein Problem Anschluss zu finden, sei es in der Introduction week, in der eine Vielzahl von Parties und andere Aktivitäten, auch zum gegenseitigen Kennelernen, organisiert wurden oder mit den Leuten mit denen man zusammen wohnt.
Die Uni bietet eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten und Sportmöglichkeiten an. Z.B. Fußball, Volleyball, Badminton, Rugby, u.v.a. Außerdem gibt es verschiedene Clubs, denen man ohne Probleme beitreten kann, z.B. ein Chor oder zum Pokern. Ich habe in Lyngby mehrmals die Woche Floorball gespielt und es war überhaupt kein Problem dem Verein für das halbe Jahr beizutreten, am besten man kündigt sich vorher per E-Mail an. Sonst gibt es in der Nähe der Uni ein Tennis- und Schwimmverein.
Nachtleben und Kultur
Kulturell hat Kopenhagen eine Menge zu bieten, allerdings werde ich jetzt nicht anfangen die verschiedenen Sehenswürdigkeiten aufzuzählen, die man in jedem Reiseführer findet. An der Uni gibt es zwei Bars, in der einen ist jeden Dienstag eine Art Party für internationale Studenten, was besonders zu anfangs meines Aufenthalts sehr nett war. In der zweiten Wohnheimbar ist jeden Donnerstag happy hour, so dass man die Getränke zu fairen Preisen bekommt. In Kopenhagen gibt es eine Vielzahl von Nachtclubs und Bars, die aber für meinen Geschmack alle recht klein waren. Zu den größten zählen das Rust und das Vega. Vor ein Uhr ist der Eintritt gewöhnlich frei und man bezahlt nur für die Garderobe. Allerdings sind die Getränke dort sehr teuer, so dass man woanders trinken sollte um dann dorthin zu gehen.
Relativ günstige Studentenkneipen sind das Muse oder das Studentenhaus. Sehr zu empfehlen ist auch die Kula-bar in Kopenhagen. Allgemein startet das Nachtleben in Kopenhagen recht spät, vor eins sind die Clubs gewöhnlich leer und dauert folglich umso länger.
In Lyngby und in Kopenhagen gibt es diverse Kinos, eine Karte kostet ca. 10€. Es wurden von verschiedenen Studentenorganisationen diverse Trips und Ausflüge angeboten, sehr zu empfehlen ist ein Wochenendetrip nach Oslo. Außerdem kommt man recht günstig nach Schweden, z.B. nach Malmö.
Sonstiges
Ich habe wie erwähnt in Dänemark ein Konto eröffnet, da es für mich recht teuer gewesen wäre immer mit meiner EC-Karte Geld abzuholen. Ich habe dann eine Art dänische EC-Karte per Post zugeschickt bekommen mit der ich problem- und kostenlos Geld abheben und mein Konto verwalten konnte. Man benötigt eine europäische Krankenversicherungskarte (blau). Ich habe zusätzlich noch eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen.
Ich habe mir in Dänemark ein günstiges pre-paid Handy gekauft, da meine SIM-Karte dort nicht funktioniert hat. Um mobil zu sein sollte man sich aber auf jeden Fall zumindest eine dänische pre-paid Karte kaufen, die man dann per Internet aufladen kann. Ich hatte in meinem Wohnheim eine Internetverbindung, musste mir aber ein Netzwerkkabel leihen, weil ich meines vergessen hatte.
Sonstige Tipps und Infos:


