Medienproduktions-Studentin in Dänemark
Daniela Pieper studiert bereits im Masterprogramm Medienproduktion an der FH Lippe und Höxter. Das Studium umfasst die Bereiche Design, Webprogrammierung mit Flash und Co. sowie Film und Audio. Im Rahmen des Masterstudiums ist es Pflicht, ein Semester im Ausland zu studieren. Da keine Kooperation mit einer spanischen Universität zu Stande kam, verbrachte Daniela das Wintersemester 2006/2007 in Dänemark. Wie es ihr schließlich in unserem Nachbarland gefallen hat und wie das dänische Universitätssystem organisiert ist, hat die 24-Jährige Stellenboersen.de im Interview erzählt.
Ein Semester im Ausland zu studieren, klingt verlockend. Doch neben der positiven Aufregung ist so ein Auslandsaufenthalt auch immer mit Stress verbunden: Wo wird man wohnen und wie finanziert man dieses Auslandssemester? Wie war das vor deinem Aufenthalt in Dänemark?
Ich bin mit der Erasmus-Mobilitätshilfe in Dänemark gewesen. Die haben zwar nicht meinen Aufenthalt organisiert, diesen aber finanziell unterstützt. Allerdings habe ich auch nicht viel organisieren müssen, da die Gastuniversität auf ausländische Studenten eingestellt war und diese ausgezeichnet betreut hat.
Die Universität hat mir dann eine Wohnung im Studentenwohnheim besorgt.
Warum wolltest du dein Auslandssemester gerade in Dänemark verbringen?
Ich hatte überhaupt keine Auswahlmöglichkeit. Es gab zuvor noch eine Kooperation mit einer Universität in Spanien, aber zu dem Zeitpunkt, an dem ich mein Auslandssemester absolviert habe, gab es diese nicht mehr. Sonst wäre ich vermutlich nach Spanien gegangen, da das Studienangebot dort mehr meinen Vorstellungen entsprochen hätte.
Musstest du während des Auslandsemesters auch Studienleistungen erbringen und Scheine machen?
Ja, ich musste in Dänemark auch Prüfungen ablegen, aber die Scheine mit den Noten wurden gleich via Email an meine Heimatuniversität weitergeleitet. Wir mussten also nicht hinter Scheinen herlaufen, um etwas in der Hand zu haben.
Wie schwer bzw. leicht waren denn die Prüfungen an der dänischen Universität – im Vergleich zu deiner FH in Deutschland?
Da der Unterricht ziemlich locker ausfiel, hat man die Prüfungen unterschätzt. Wir hatten nur zwei Prüfungen: Eine, die nur ein Fach prüfte (die war erträglich) und eine zweite Mammutprüfung, die alle anderen Fächer abfragte. Das war die reinste Tortur, weil die über fünf Stunden ging.
Die Seminare und Vorlesungen in Dänemark waren aber auf Englisch, oder?

Ja, der ganze Unterricht fand auf Englisch statt, sonst hätte ich da auch nicht studieren können. Mein Dänisch beschränkt sich nämlich auf Hallo, Tschüß und Dankeschön!
Es wurde nicht nur in der Cafeteria, sondern auch in den Büros Englisch gesprochen, was bei den ganzen Formalitäten doch sehr hilfreich war! Somit musste ich nur beim Essen gut zusehen und –hören, damit ich schließlich auch das richtige auf den Teller bekam.
In Dänemark wird also viel Englisch gesprochen, obwohl die eigentliche Amtssprache Dänisch ist. Inwiefern konntest du denn deine eigenen Englischkenntnisse verbessern, wenn Englisch nicht die Muttersprache der Dänen ist?
Also die Dänen sprechen allesamt besser Englisch als die Mehrheit der Deutschen! Die Amtssprache ist Dänisch, aber der Unterschied ist, dass Englisch dort viel früher gelehrt und erlernt wird als in Deutschland.
Also, da die Dänen sehr gut Englisch sprechen, lernt man schon Einiges. Und die Tatsache, dass so viele ausländische Studenten an der Uni sind, unterstützt das Ganze natürlich.
Wie unterscheidet sich der Studentenalltag in Dänemark von dem in Deutschland?
Gleich zu Beginn war ich positiv überrascht, dass man keinen Stundenplan hatte, der sich jede Woche wiederholt. In Dänemark war jede Woche individuell mit einzelnen Fächern belegt. Man hatte nie das Gefühl, dass alles eintönig ist. Doch das hatte auch einen Nachteil: Wenn etwas ausfiel, war das meistens unwiderruflich verloren, da ja alles schon über Wochen im Voraus geplant war und man dann schlecht Ausweichtermine gefunden hat.
Neu war auch, dass in Dänemark sehr wissenschaftlich gearbeitet wird – lange Recherchen, Reportagen schreiben und nur wenig Praxis. Ich studiere ja an einer Fachhochschule, da ist das eben anders.
Auffällig war auch, dass um Punkt 16.00 Uhr meist alle Unterrichtseinheiten vorbei waren. Die Dänen legen sehr viel Wert auf ihr Privatleben; ihre Arbeit steht nicht unbedingt an erster Stelle. Die Geschäfte in der Stadt waren ab 17.00 Uhr geschlossen.

Ansonsten war die Universität in Dänemark wesentlich internationaler als meine FH in Deutschland. Der Anteil ausländischer Studenten überstieg den der Dänen bei Weitem.
Die Organisation der Immatrikulation und anderer formeller Dinge lief allerdings absolut chaotisch ab, wobei die Freundlichkeit der Dänen einiges wettmachte.
Allgemein ist die ganze Atmosphäre viel lockerer als in Deutschland: Die Professoren werden allesamt mit Vornamen angesprochen und man hat nicht das Gefühl, dass es eine Rangordnung gibt. Darüber hinaus bekam man von fast allen Professoren private Telefonnummern für akute Notfälle. Man konnte sich auch meistens auf eine schnelle Antwort verlassen, wenn man per Email eine Frage verschickte.
Um 16.00 Uhr endet die Unterrichtszeit und um 17.00 Uhr schließen alle Geschäfte. Was stellt man denn dann mit seiner freien Zeit an?
Man geht an den Strand! Ansonsten gibt es immer Studenten-Treffen, die manchmal sogar von der Universität organisiert wurden – wie zum Beispiel der "International Diner"-Abend. Außerdem sind wir oft bowlen gegangen oder waren auf der Cart-Bahn. Manchmal sind wir auch einfach in die umliegenden Orte gefahren.
Welche dänischen Städte konntest du dir denn angucken?
Also viele Städte habe ich mir nicht angesehen, weil ich kein eigenes Auto mithatte und Zug fahren fand ich ziemlich teuer.
Ich würde allen Studenten oder Dänemark-Touristen die Stadt ARHUS empfehlen! Das ist eine sehr schöne, junge Studentenstadt mit vielen Gassen und Boutiquen. Dort herrscht eine sehr lockere Atmosphäre. Im Nachhinein hätte ich gerne dort studiert.

Wie hast du in Dänemark gewohnt?
Ich hab in einem Ferienpark-ähnlichen Gebiet gewohnt, das zu 80% von Studenten bewohnt wurde. Das Häuschen mit vier Apartments (Wohn- und Schlafbereich) hatte zwei Badezimmer und eine riesige Küche für alle. Es wohnten also immer vier Studenten zusammen. Das war eigentlich ganz witzig, weil man dadurch oftmals gleich Anschluss fand.
Und wie verhält es sich dort mit den alltäglichen Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Deutschland?
Die Lebenshaltungskosten sind definitiv höher als in Deutschland; in fast allen Bereichen des täglichen Lebens – nicht nur bei Schokolade und Alkohol. Technische Geräte lagen preislich ungefähr auf dem gleichen Niveau. Mit rund 70-80 Euro mehr im Monat muss man also rechnen, wenn man seinen Lebensstandard aus Deutschland halten will.
Während eines Auslandsemesters lernt man eine Menge neuer Leute kennen. Wie schätzt du die freundschaftliche Beziehung zu den anderen Dänemark-Studenten ein?
Also die Freundschaften waren leider nur sehr oberflächlich. Es gab zwar Leute, mit denen man loszog, meistens Engländer oder Franzosen, aber kein Kontakt hat gehalten. Aber das war fast abzusehen.
Was hat dir der Aufenthalt in Dänemark persönlich gebracht?
Da ich mit den Gruppenmitgliedern, mit denen ich zusammen an einem Projekt arbeiten musste, große Schwierigkeiten hatte, muss ich sagen, dass mein größter Lerneffekt eigentlich ein sehr persönlicher ist: Ich habe gelernt, dass man manchmal einfach seine Meinung sagen muss und nicht nur runterschlucken darf. Ich habe enorme Durchsetzungskraft gewonnen!

Aber auch die Erfahrung, auf sich allein gestellt zu sein und mit einer fremden Sprache zurechtzukommen, stärkt den Charakter. Es nimmt einem ein bisschen die Angst vor zukünftigen Aufgaben und Entscheidungen – beruflich wie privat. Ich traue mir jetzt allgemein mehr zu.
Könntest du dir vorstellen, noch einmal für einen längeren Aufenthalt in Dänemark zu bleiben?
Ins Ausland will ich auf jeden Fall noch einmal – allerdings nicht nach Dänemark. Für den nächsten Auslandsaufenthalt ist mir das zu europäisch. Ich denke da eher an Toronto/Kanada. Das nächste Mal möchte ich auch mehr selbst organisieren, um noch mehr auf eigenen Beinen zu stehen.
Danke für dieses aufschlussreiche Gespräch!
Von Julia von der Heyden


