Auslandsjahr an der Anhui Universität in China
China, das bevölkerungsreichste Land der Erde, wird abwechselnd wegen seiner Politik kontrovers diskutiert und wegen seiner Kultur fasziniert betrachtet. Noch vor zehn Jahren als Entwicklungsland gehandelt, ist China heutzutage jedoch auf dem Weg zu einem Wirtschaftsriesen, der weltweit immer mehr Investoren anzieht. Sprachkenntnisse des Chinesischen sind daher eine willkommene Zusatzqualifikation beim Eintritt ins Berufsleben. Auch Christoph, seit 2003 Chemiestudent an der Uni Göttingen, interessierte sich schon lange für die Philosophie und Sprache des Landes, als er für ein Chinesisch-Studium zehn Monate nach China ging.
„Ich finde die Kultur und das Land spannend“, begründet Christoph seine Wahl des Auslandsaufenthaltes in China. Daher belegte er über seine Uni einen vorbereitenden Chinesisch-Sprachkurs hier in Deutschland.
Über ein Austauschprogramm der Universität Göttingen bewarb er sich anschließend für zwei Semester an der Anhui Universität in Hefei, eine Stadt 500 km westlich von Shanghai. „Es gibt jedes Semester mehrere Plätze für das Austauschprogramm, aber es bewerben sich nur wenige Studenten,“ meint Christoph, „so war es einfach einen Platz zu bekommen.“
Das Internationale Büro der Universität Göttingen erledigte für ihn die Immatrikulation an der chinesischen Universität und besorgte ihm einen Betreuer vor Ort, der bei Fragen und Problemen gerne weiterhalf.
Um die anderen Formalitäten, wie zum Beispiel die Beantragung von Visum oder Krankenversicherung, musste Christoph sich selber kümmern, aber, so sagt er, „die Informationen dazu gibt es alle im Internet, die chinesischen Konsulate in Frankfurt und Hamburg hingegen wissen kaum etwas zu Visa-Anträgen für ein Auslandsstudium.“
Für die Immatrikulation ist eigentlich ein Aids-Test sowie ein komplettes Gesundheitszeugnis notwendig, welches allerdings bei Christoph niemals kontrolliert wurde. “Im Allgemeinen sind die chinesischen Behörden jedoch sehr genau bei der Kontrolle der Gesundheitszeugnisse, es sollte deshalb, ob nun in China oder noch in Deutschland, auf jeden Fall erstellt werden.“
Als Student der Universität Anhui wohnte Christoph im Studentenwohnheim. Dort lebte er mit anderen Austauschstudenten zusammen, während die chinesischen Studenten an einem neueneren Campus separat untergebracht waren. „Das machte es am Anfang schwer chinesische Kommilitonen kennen zu lernen“, erzählt Christoph, „wir waren sowohl in unseren Sprachkursen, als auch im Wohnheim nur ausländische Studenten.“
Wegen mangelnder Sprachkenntnisse hat Christoph an der Universität Anhui sein Chemiestudium auch nicht fortgesetzt, sondern einen intensiven Sprachkurs belegt. Jeden Tag von acht bis zwölf fand der Unterricht statt. Danach hatte er theoretisch Freizeit, aber durch den straff organisierten Unterricht fielen viele Vokabeln an, die gelernt werden wollten, und durch den Nachhilfe-Unterricht von chinesischen Studenten waren auch die Nachmittage schnell gefüllt.
Für den Lebensunterhalt in Hefei, der Hauptstadt der Provinz Anhui, waren pro Monat etwa 200 € nötig. „Hefei ist allerdings eine sehr günstige Stadt, in den Großstädten Shanghai oder Beijing sind die Preise dagegen teilweise genauso hoch wie oder höher als in Deutschland“, sagt Christoph.
Zwischen den Semestern nahm Christoph sich zwei Monate Zeit, um China als Rucksacktourist zu bereisen. Auf einer Route gen Nordwesten besuchte er so das Shaolinkloster am Berg Songshan, die bekannten Terrakotta-Soldaten in Xi’an und die buddhistischen Mogao-Grotten in Dunhuang, die er besonders beeindruckend fand. „Aber daneben gab es natürlich noch die Wüste Gobi, deren Ausläufer man im Norden sehen kann“, beschreibt Christoph weiter seine Erlebnisse. „Auch den tibetischen Mönchen bei einer ihrer Prozessionen zuzuschauen ist wahnsinnig spannend.“ Anschließend schipperte Christoph noch mit ein paar Freunden auf dem Yangtse entlang, dem größten Fluss Chinas, der immer noch beeindruckend ist, jedoch durch die Drei-Schluchten-Talsperre gestaut wird und so viel von seinem natürlichen Erscheinungsbild eingebüßt hat.
Die Großstädte Shanghai und Beijing besuchte er natürlich auch, „aber die sind schon so westlich, da merkt man gar nicht, dass man in China ist“. Deshalb zählen sie auch nicht zu seinen liebsten Gegenden.
Aber man muss ja nicht unbedingt dorthin. Christoph würde seine Sprachreise auf jeden Fall wieder machen und sie auch anderen, die sich für das Land, die Sprache, oder beides interessieren, empfehlen.
von Sandra Schusser


