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Auslandssemester in Chile

Andrea (21) studiert an der Fachhochschule Magdeburg - Stendal Fachkommunikation im fünften Semester – Ihr Schwerpunkt liegt auf Fachübersetzen in Englisch und Spanisch. Das Studium verlangt zwei Auslandssemester, welche Andrea in England und Chile verbrachte.

Auslandssemester in Chile

Für Spanisch hatte sie die Möglichkeit mit einem Erasmus-Programm nach Spanien zu gehen oder an einer Partnerschule der FH Magdeburg in Lateinamerika zu studieren.

„Nach Spanien kommt man immer mal“, erkannte Andrea und entschied sich für ein Auslandssemester in Chile. Sie und ein befreundeter Kommilitone mussten lediglich ein Motivationsschreiben an ihre Professorin verfassen, diese kümmerte sich dann um alles Weitere. Die Professorin nahm Kontakt mit der Partneruniversität auf und meldete die beiden an der Universität in Concepcion an.

Abreise/Ankunft

Ende Juli 2005 ging es dann mit dem Flieger Richtung Westen – „der Flug dauerte geschlagene siebzehn Stunden“. In der Hauptstadt Santiago de Chile angekommen, mussten Andrea und Felix noch sechs Stunden Busreise auf sich nehmen, bis sie schließlich in Concepcion angekommen waren. Bereits in Deutschland suchten die beiden im Internet nach Hotels in Concepcion, da sie noch keine Unterkunft für ihren Aufenthalt hatten. Also fuhren sie mit dem Taxi vom Busbahnhof zu einem der Hotels und bekamen für zwanzig Euro ein Zimmer mit zwei Betten. „Dort wollten wir allerdings nur die erste Nacht bleiben – wir mussten etwas Längerfristiges finden.“, erzählt Andrea.

Unterbringung

Nach der ersten Nacht im Hotel wurden Andrea und Felix von einer deutschen Studentin aus Magdeburg, die hier ebenfalls ein Auslandssemester absolvierte, abgeholt. Sie zeigte ihnen die Stadt und gemeinsam begaben sie sich auf die Suche nach geeigneten Pensionen.

Laguna Verde

Schnell fand sich ein passendes Plätzchen, was allerdings erst in ein paar Tagen bezogen werden konnte, da die Zimmer noch ausgebaut wurden. „Bis dahin konnten wir bei der Studentin unterkommen.“ Doch auch in der ausgewählten Pension verbrachten Andrea und Felix auch nur eine Nacht. Die angeblich fertig ausgebaute Etage mit unserem Zimmer, hatte keine Heizung, nur ein unfertiges Bad und der Wind pfiff aus allen Ecken. Hier konnten die beiden also kaum mehrere Monate verbringen. „Einen Tag später haben wir uns um eine neue Unterkunft bemüht.“ Andrea und Felix wurden auch fündig. Das neu gefundene Domizil war zwar relativ teuer (300 Euro/Monat), hatte aber dafür mehr Komfort. „Wir bekamen mindestens drei Malzeiten am Tag, unsere Wäsche wurde gewaschen, die Zimmer wurden aufgeräumt und wir hatten dort Internet.“

Hier wohnten Andrea und Felix bis zum Ende des Semesters. Ihren letzten Monat in Chile, in dem sie herumreisen wollten, übernachteten die beiden kostenlos bei einer Bekannten, die sie während ihrer Studienzeit in Chile kennen gelernt hatten.

Markt in Chile

Studieren an der Universität in Concepcion

Als Andrea in Chile ankam, waren gerade Semesterferien in Concepcion. Es war also noch ein bisschen Zeit, bis der chilenische Studienalltag losgehen sollte. Wenige Tage nach der Ankunft haben sich Andrea und Felix zunächst in der Universität bei der Dekanin vorgestellt. „Wir mussten uns aus einer Liste einige Fächer zusammen suchen, denn wir mussten ja aus diesem Semester auch Punkte für die Uni mitnehmen. Die Kurse mussten wir dann noch in einem anderen Büro anmelden.“ Andrea belegte Kurse auf Spanisch, Englisch und auch Deutsch, darunter waren Spanisch für Ausländer, deutsche und spanische Grammatik im Vergleich, Tourismus und englische Lautschrift.

Studieren in Chile

„Während des Semesters schrieben wir, wie in Deutschland auch, Tests oder mussten Vorträge halten. Gegen Ende des Semesters kamen dann die Prüfungen, die aber verhältnismäßig eher einfach waren.“ Die Universität in Concepcion ist die drittgrößte Universität in Chile. In jedem Kurs sind zehn bis fünfzehn Teilnehmer, darunter Chilenen und Ausländer, zum Beispiel deutsche Studenten wie Andrea. Den Unterricht beschreibt Andrea als „wenig wissenschaftlich“ und vergleicht ihn mit alltäglichem Schulunterricht.

Bekanntschaften

„Auch wenn wir zu zweit, als Deutsche, nach Chile gekommen sind, haben wir dennoch sehr viel Spanisch gesprochen – entgegen aller Vermutungen.“ Natürlich hat Andrea an der Universität auch einige deutsche Studenten getroffen, aber größtenteils war sie von Chilenen umgeben. Viele Bekanntschaften hat sie über die Universität kennen gelernt oder über die Mitarbeiter der Pension, in der sie wohnte. Eine Pension in Chile ist nicht mit einer Pension in Deutschland zu vergleichen - in Chile ist es mehr eine Art betreutes Wohnen.

Chilenischer Strand

Die Mentalität der chilenischen Landsleute? Andrea findet sie nett, offen und gastfreundlich - aber die Chilenen haben auch ihre Eigenarten, wie wohl jedes andere Völkchen auch. „Mir kam es so vor, als wären viele Chilenen nur auf ihren Vorteil bedacht. Sie nehmen einen regelrecht aus und lassen sich gerne aushalten, wenn man mit ihnen unterwegs ist. Einmal hat sich sogar ein Bekannter aus der Pension in mein Zimmer geschlichen, als ich nicht da war. Er nahm mein Handy und hat einfach damit telefoniert. Es ist teilweise schon erschreckend. Aber es kommt eben darauf an, wie wohlhabend oder gar arm sie sind.“ Wie überall auf der Welt, gibt es solche und solche Leute.

„An der Uni in Concepcion habe ich einen sehr netten Chilenen kennen gelernt. Er hat vom DAAD ein Stipendium für einen Deutsch-Sprachkurs in Berlin bekommen. Da dieser aber kurzfristig verschoben wurde, habe ich ihn jetzt im Januar 2007 dann zwei Wochen bei mir aufgenommen. Mit vielen von meinen chilenischen Bekanntschaften halte ich Kontakt per Mail. „

Reisen

Unterricht für chilenische Kinder

An den Wochenenden oder an anderen freien Tagen, waren Andrea und Felix mit Freunden unterwegs – in Bars und Diskos. Oder sie waren einfach in der Stadt bummeln. Neben der Universität blieb allerdings nicht so viel Zeit, wie sie sich erhofft hatten – Tests, Hausaufgaben und Vorträge nahmen viel Zeit in Anspruch. Fast jeden freien Samstag fuhr Andrea in das Nachbardorf und gab dort sehr armen Kindern Deutschunterricht. „Eine befreundete Studentin fragte uns, ob wir darauf Lust hätten – Natürlich hatten wir. Die Arbeit wurde natürlich nicht bezahlt, aber sie hat sehr viel Spaß gemacht.“

Gab es mehrere freie Tage nutzen Andrea und Felix die Zeit für Ausflüge in Thermen, in den Schnee oder ins Gebirge. Sie reisten beispielsweise ins 13 Stunden nördlich entfernte La Serena, wo gerade frühlingshaftes Wetter war - In Concepcion war derzeit Winter mit 10 Grad Celsius. Dort waren sie in einem Nationalpark, besuchten eine Schnapsbrennerei und waren auf einer Insel, auf der es Pinguine zu sehen gab. „Nur die Delfine haben wir leider nicht gesehen.“

Gletscher in Chile

Im Dezember 2005 bereisten sie dann den Süden Chiles – Das Semester war bereits zu Ende. Mit dem Bus fuhren sie von einer größeren Stadt zur nächsten. Unterkunft fanden sie dabei in Pensionen. Während dieses Trips haben sie die landschaftliche Vielfalt des Landes kennen gelernt. Andrea und Felix bestiegen einen Vulkan, besuchten einen Nationalpark in der Nähe von Feuerland, standen vor riesigen Gletschern, die im Wasser waren und haben auf der Durchreise sogar einen kleinen Teil von Argentinien gesehen. „Da im Süden Chiles viele Seen sind, mussten wir durch Argentinien reisen. Wir haben uns also ein Busticket für Argentinien, in einer Stadt kurz vor der Grenze, geholt. Unser Fehler war allerdings, dass wir nur unsere chilenischen Ausweise bei uns hatten, nicht aber unsere Reisepässe. Sie wollten uns dann nicht über die Grenze lassen. Man hat uns aus dem Bus geworfen und uns an der Grenze zurück gelassen. Wir haben uns dann unsere Pässe zur nächstgelegenen Stadt schicken lassen und sind wenige Tage später dann durch Argentinien Richtung Südchile gereist.“

Chile erkunden!

Resümee

Ende Dezember 2005 ging es für Andrea zurück nach Deutschland. Was denkt sie über ihren Aufenthalt in Chile? Fasziniert erzählt sie mir von der Landschaft: Gleich, ob Meer, Wüste, Gebirge oder Gletscher – in Chile gibt es so Vieles zu bewundern. „Bei so einer Reise gibt es immer Positives, sowie Negatives zu berichten. Die Leute waren sehr freundlich, das Studieren hat Spaß bereitet und wir haben viel gesehen auf unseren Reisen. Aber eben nicht nur Schönes: Auf den Straßen herrscht zum Teil Armut und Kriminalität. Einmal hat ein Mann vor meinen Augen ein Auto aufgebrochen. Als wir im Süden auf Reisen waren, machte abends, ich war kurz vorm Schlafen gehen, ein Fremder von außen mein Fenster auf und guckte in mein Zimmer. Ich habe ganz laut geschrieen und das Fenster zugeknallt. Das ging zum Glück gut aus – Angst ist trotzdem oft dabei, wenn man unterwegs ist. Von den vielen Schießereien auf den Straßen habe ich zum Glück nur gehört.“

Vulkan in Chile

Chile kann natürlich nicht mit Deutschland verglichen werden. „In Chile war es nicht besonders sauber und nur wohlhabende Leute besitzen eine Heizung“, erzählt Andrea. So gut wie alle ausländischen Besucher bekommen Flöhe von den chilenischen Landsleuten. Dort zu Leben, das kann Andrea sich nicht vorstellen, allerdings möchte sie gern mit ihrer Familie noch die Teile des Landes bereisen, die sie noch nicht gesehen hat. „Aber das soll dann wirklich nur ein Urlaub werden.“

Von Julia von der Heyden

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