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Famulatur in Temuco, Chile

Damian Scholz hat für einen Monat in Chile gelebt und gearbeitet. Er studiert eigentlich Medizin in Bonn, absolvierte aber im April 2005 eine seiner Famulaturen (eine Art Pflichtpraktikum) in Temuco, Chile. Hier erzählt er von seinen Erfahrungen und gibt Informationen zu Chile.

Famulatur in Temuco, Chile

Beweggründe und Erwartungen:

Ich habe mich aus verschiedenen Gründen für Chile entschieden. Zum einem lebte ich früher in Südamerika und habe so die Famulatur mit einem Besuch von Freunden kombinieren können. Des weiteren interessiere ich mich für eine Arbeit als Arzt im Ausland z.B. als Arzt bei „Ärzte ohne Grenzen“. So kann man auch schon als Famulant Eindrücke sammeln. Und zu guter Letzt ist Chile für mich eines der schönsten Länder der Welt, welches ich kennen lernen wollte.

Vorbereitung der Famulatur:

Außer den üblichen Bewerbungsverfahren über den DFA (Deutscher Famulantenaustausch; Anm. d. Red.) bestand meine Vorbereitung eigentlich nur darin mir einen Marco Polo Reiseführer zu kaufen, da ich Spanisch schon spreche. Die Kommunikation mit den chilenischen Kontaktpersonen lief über e-mail sehr gut.

Tätigkeitsbeschreibung:

Als Famulant wurde ich gut aufgenommen und ich hatte die Gelegenheit viel zu sehen. Mit einer Ärztin besprach ich zu Beginn, was meine Vorstellungen der Famulatur sind. Gemeinsam entwickelten wir einen Plan wie ich meine Famulatur gestalten könne. Morgens von acht bis elf Uhr ging es los auf Station. Dort war ich mit ca. 4 anderen Studenten für 8 Patienten zuständig. Wir mussten bei Neuaufnahmen eine komplette Anamnese mit weiteren diagnostischen Schritten erarbeiten. Später wurden die Patienten dann einem Arzt vorgestellt und bis ins Detail besprochen. Ich war auf der Inneren Station. Um elf Uhr folgte dann eine Theoriestunde. Von 12 Uhr bis 14 Uhr konnte ich in einer Mensa mit den Studenten Mittagessen gehen. Um 14 Uhr ging es dann bis oft 18 Uhr auf Station weiter oder man hatte weitere Theoriestunden. Ich behielt diesen Tagesablauf bis zum Ende bei, da mir meine Gruppe und mein Semester gut gefallen hatten.

Sprachprobleme mit Ärzten und Patienten:

Ich konnte ja Spanisch. Aber Vorsicht: die Chilenen sind Weltmeister im Schnellsprechen, so das ich auch ein bis zwei Tage brauchte, um mich daran zu gewöhnen. Aber wenn ihr es nicht so gut beherrschen solltet, kann man zumindest die Ärzte auch was auf Englisch fragen. Aber besser ist fast deutsch. In Temuco gibt es eine Vielzahl von deutschen Schulen an, denen deutsch gelehrt wird (das hat geschichtliche Gründe). Die Patienten erzählen mit einer schier unfassbaren Geduld ihre Leidensgeschichte und versuchen auch Ausländer zu verstehen.

Beziehung zu den Gastgebern und zu der Bevölkerung:

Obwohl Chile das „europäischste“ Land von Südamerika sein soll, sind es aber trotzdem immer noch Südamerikaner! Ich selber bin Rheinländer und komme als Karnevalist von Natur aus schon gut mit den Südamerikanern aus. Alles im allem dürfte es kein Problem sein Kontakte aufzubauen, wenn man selber will. Man wird oft und gerne zu einem „asado“ (Grill) eingeladen, der sich über Stunden hinzieht. Ansonsten wird man als Junge zum Sport eingeladen. Gelebt habe ich zwei Minuten von der Universität und dem Krankenhaus in einer bescheidenen, aber sehr schönen Pension, wo auch andere Studenten wohnten. Auch hier bekam ich Kontakt zu Leuten. Die Vermieterin, welche auch in dem Haus wohnte, war sehr sehr herzlich und freundlich.

Gesundheitsversorgung und medizinische Ausbildung im Land:

Ich habe in einem öffentlichem Krankenhaus (hospital regional) gearbeitet. Dort ist die Versorgung weitaus schlechter als in den privaten Kliniken. Die hygienischen Verhältnisse sind denen in Deutschland nicht vergleichbar. Eine Händedesinfektion auf Station sucht man zum Beispiel vergebens. Aber vergleichbar mit Ländern wie Paraguay oder Bolivien hält sich das alles in Grenzen. Die Ausbildung der Studenten dauert 7 Jahre, wobei die letzten 3 Jahre als internado auf Station verbracht werden (vergleichbar mit unserem PJ).

Sonstiges:

Ein Visa braucht ihr für eine Famulatur nicht. Im Moment lebt man billig in Chile. Die guten und sicheren Reiseverbindungen erlauben es, an den freien Wochenenden spektakuläre Dinge wie das Wildwasser-Rafting, Canoping oder einen Vulkanaufstieg zu wagen. Wer es ruhiger angehen will, kann einen der bezaubernden Naturparks besuchen. Man findet dort eine traumhafte Landschaft vor.

Fazit:

Wenn ich von Temuco erzähle, erzähle ich mit Begeisterung. Um große Schritte in der Medizin zu machen, war die Zeit einfach zu kurz, aber ich kann mir vorstellen noch mal nach Chile zurückzugehen, sei es als PJ´ler, als Arzt oder einfach nur als Tourist.

von Damian Scholz

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