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Famulatur in Sao Paulo

Maike Müller studiert Medizin und war im August 2004 in Brasilien. In Sao Paulo absolvierte sie eine ihrer Famulaturen. In ihrem Erfahrungsbericht erzählt sie von ihrer Zeit in Brasilien und informiert über Brasilien allgemein.

Famulatur in Sao Paulo

Organisation:
Ich wollte zusammen mit einer Kommilitonin nach Brasilien und gab dies beim DFA (Deutscher Famulantenaustausch) als ersten Wunschort an. Unsere Wunschstädte, alles kleinere Städte, wurden allerdings nicht berücksichtigt, aber zumindest kamen wir zusammen nach Sao Paulo. Dies bekamen wir erst recht spät (im Juni, also zwei Monate vor Famulaturbeginn) mitgeteilt, so dass es schwierig war, noch einen günstigen Flug zu bekommen. Wir mussten letztendlich 900 Euro für einen umständlichen Flug über New York und Houston mit Continental bezahlen.

Zwar standen wir mit der für uns zuständigen Studentin aus Brasilien per e-Mail in Kontakt, hatten ihr dreimal unsere Ankunftszeit am Flughafen mitgeteilt und waren somit davon ausgegangen, dass uns jemand abholen würde.

Als wir jedoch ankamen, war niemand da, und wir mussten den Bus nehmen. Da wir kein Portugiesisch sprachen und es am Flughafen die Ausnahme war, dass jemand Englisch sprach, war dies etwas kompliziert.

Auch unsere Gastfamilien waren ein wenig über unsere Ankunft überrascht, meine erwartete uns fünf Tage, die meiner Kommilitonin erwartete sie sogar einen Monat später. All dies lag wohl daran, dass wir die ersten ausländischen Studenten waren, die die brasilianische Studentin betreute, da sie erst vor kurzem ihr Amt in der Austauschorganisation angetreten hatte. Aber danach wurde alles gut...

Gastfamilie:

Meine Gastfamilie, deren Tochter im Santa Casa Medizin studierte, nahm mich freundlich und herzlich auf, und ich fühlte mich vom Anfang bis zum Ende sehr wohl. Alle Mitglieder der Familie (alleinerziehende Mutter, zwei Töchter und ein Sohn) sprachen sehr gut Englisch, da sie für ein paar Jahre in den USA gelebt hatten.

In fast allen brasilianischen Haushalten der oberen Mittelschicht und Oberschicht gibt ein Hausmädchen, das putzt, kocht und wäscht. In meiner Familie wurde diese Maid zusammen mit ihrer Tochter als Teil der Familie angesehen, was jedoch eher eine Ausnahme darstellt.

Verkehrsmittel:
Ich fuhr jeden Morgen mit dem Bus ins Santa Casa, was abgesehen von dem Verkehrschaos in ganz Sao Paulo angenehm und sicher war. Busse sind allerdings nur dann zu empfehlen, wenn man genau weiß, wo man hinwill, da die Haltestellen keinen Namen haben und es nirgendwo einen Fahrplan gibt.

In der Nähe des Hauses der Gastfamilie befand sich zusätzlich eine U-Bahnstation. Das U-Bahnnetz in Sao Paulo ist zwar nicht besonders engmaschig, aber an den wichtigsten Punkten gibt es Haltestationen, und U-Bahnfahren ist wesentlich unkomplizierter als Busfahren, wenn man sich nicht auskennt, und um einiges schneller. Am späteren Abend und nachts haben wir aus Sicherheitsgründen immer ein Taxi genommen, was nicht allzu teuer war (ca. 1/3 so teuer wie bei uns).

Geld:
In Sao Paulo kann man an vielen (aber auf keinen Fall an allen!) Geldautomaten mit Kreditkarte (v.a. Mastercard und Visacard) und sogar mit der Bankkarte (Maestro)Geld abheben.

Meine Freundin hatte zusätzlich Traveller Cheques, das Umtauschen in den Banken war jedoch so gut wie unmöglich. Hierfür musste man Wechselstuben aufsuchen, die es in den großen Shopping Centern gibt.

Das Krankenhaus: Santa Casa

In Brasilien ist jeder krankenversichert, allerdings haben alle, die etwas mehr Geld verdienen, eine private Krankenversicherung und werden in privaten Krankenhäusern behandelt.

Santa Casa ist eine öffentliche Einrichtung, d.h. hier werden die Ärmeren, also der Großteil der Bevölkerung, behandelt. Zugleich ist es auch eine private medizinische Hochschule, was bedeutet, dass die Studenten bzw. ihre Eltern für das Studium bezahlen müssen.

Wir machten unsere Famulatur in der Anästhesie. Viele der Ärzte sprachen Englisch und gaben sich Mühe, uns Sachen zu erklären. Wir durften ab und zu auch kleinere Eingriffe wie z.B. Intubieren, Zugang- und Magensondelegen oder Spinalanästhesie selbst durchführen. Die Operationen waren interessant und abwechslungsreich und auch die Chirurgen erklärten uns eifrig, was auf dem OP-Tisch vor sich ging.

Insgesamt wurden wir sehr freundlich behandelt, man hatte nie das Gefühl, im Weg herumzustehen, wie das ja nicht zu selten bei uns in Deutschland im OP-Saal der Fall ist.

Sicherheit:
In Brasilien gibt es leider, vor allem in den Großstädten, viel Gewalt und Kriminalität. Uns ist zum Glück nichts passiert, aber fast jeder Brasilianer, den man fragte, hatte schon einmal einen Überfall erlebt. Meiner Gastfamilie wurde während meines Aufenthaltes zum zweiten Mal das Auto geklaut. Aber das sollte meiner Meinung nach keinen abschrecken, nach Brasilien zu gehen und auch Dinge auf eigene Faust zu unternehmen, man muss sich nur an ein paar Regeln, wie z.B. nicht nachts allein durch die Straßen laufen, sich nicht jedem als Ausländer zu erkennen geben etc. halten.

Wetter:
Wenn man im brasilianischen Winter (also unserem Sommer) nach Sao Paulo geht, sollte man warme Pullis mitnehmen (wir mussten welche kaufen, weil uns kalt war). Wir konnten das Wetter nie einschätzen, morgens wusste man nicht, ob es tagsüber warm (um die 30 Grad) oder kalt (ca. 15 Grad) wird und waren somit grundsätzlich falsch angezogen. Nachts fällt die Temperatur stark ab, und die Häuser haben keine Heizung, also dicke Schlafanzüge mitnehmen!

Was noch wichtig ist:
Telefonieren von Deutschland nach Brasilien ist superbillig (4 Cent pro Minute), wenn man eine Billigvorwahl benutzt. Die brasilianischen Taschentücher sind eine Katastrophe, wir waren beide erkältet und haben uns nach Tempos gesehnt. Als Frau sollte man sich unbedingt einen brasilianischen Bikini kaufen, probiert einen an und Ihr wisst, was ich meine... Und ganz wichtig: Essen in Sao Paulo ist absolute Spitzenklasse und billig.

von Maike Müller

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