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Mit AFS in Australien

Anika hat das gemacht, wovon viele Andere träumen: Von Februar bis Dezember 2003 besuchte die 21-jährige Stendalerin eine Schule in einem Vorort von Melbourne, Australien. Welche Erfahrungen Anika bei ihrem Schüleraustausch mit der Organisation AFS gemacht hat und warum sie jetzt schon einen weiteren Trip nach Down Under plant, hat die Tourismus-Studentin im Interview verraten.

Mit AFS in Australien

Viele nehmen sich nach dem Abitur eine Auszeit und gehen für mehrere Monate ins Ausland. Du bist schon während der Schulzeit nach Australien gegangen. Wie kamst du auf diese Idee?

Warum ausgerechnet während der Schulzeit, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich hatte schon immer den Wunsch ins Ausland zu gehen. Meine Mutter hatte in einer Zeitung einen Hinweis auf eine Info-Veranstaltung von AFS gefunden, zu der wir dann auch gefahren sind. Ich war dann total begeistert von der Organisation und hab mich schließlich für ein Schuljahr in Australien beworben.

Warum warst du gerade so begeistert von AFS?

Auf dieser Informationsveranstaltung hat Heike Szebrat, Ortsvorsitzende von AFS Stendal, das Ganze vorgestellt und mich in ihren Bann gezogen. Ich war sehr beeindruckt und konnte dann gar nicht mehr anders, als mich für AFS entscheiden. Außerdem hatte ich bis dato noch nicht viel von anderen Organisationen gehört. Erst im Nachhinein sind mir dann viele Organisationen aufgefallen.

Worum hat sich AFS gekümmert und was musstest du selbst in die Hand nehmen?

Eigentlich hat sich AFS um fast alles gekümmert. Ich musste immer nur die mir zugesandten Unterlagen ausfüllen. Ich musste angeben, was ich mir erhoffe, wer ich bin, in was für ein Land und in was für eine Familie ich möchte. Um die Versicherung und das Visum hat sich ebenfalls AFS gekümmert. Ich musste nur alles ausfüllen und alle erforderlichen Zeugnisse einholen. Das war alles sehr einfach und gar nicht viel. Was ich allein machen musste? Ich musste zu den Vorbereitungswochenenden erscheinen und schließlich meine Koffer packen.

Wo hast du dann während deines Auslandsaufenthaltes gewohnt?

Ich habe zehn Monate bei einer Gastfamilie gewohnt. Dort hatte ich eine Mutter, einen Vater, einen älteren Bruder sowie eine jüngere Schwester. Wir haben in einem kleinen Einfamilienhaus gewohnt.

Wie würdest du deinen Schulalltag in Australien beschreiben?

Der Schulalltag war um einiges angenehmer als in Deutschland. Um neun Uhr ging der Unterricht los und gegen fünfzehn Uhr waren wir dann zuhause. Das war jeden Tag gleich. Zwischendurch hatten wir aber eine ganz lange Pause zum Mittag essen. Ansonsten gab es Fünfzehn-Minuten-Pausen zwischen den Unterrichtsstunden. Es war nicht besonders anstrengend, da das Niveau nicht ganz so hoch wie in Deutschland war.
Es gab auch ganz andere Fächer als in Deutschland: Neben den Pflichtfächern (Mathe, Physik etc.) konnte man auch Holzbearbeitung, Schmuckdesign oder Tanz belegen. Wir hatten auch Fächer wie Buch- und Unternehmensführung. Ich war beeindruckt, dass solche Dinge dort schon in der Schule unterrichtet werden. Es war aber nicht alles nur einfach und leicht. Ich habe dort auch wirklich etwas gelernt.

Waren die Tests und Prüfungen in Australien schwieriger oder eher leicht?

Leben in einer australischen Gastfamilie

Also ich musste nur die normalen Schul-Tests und Prüfungen am Ende des Schuljahres ablegen. Da ich mich in die elfte Klasse hab hochstufen lassen, waren die Prüfungen – vom Niveau her – schon recht schwer. Ich hab auch einen höheren Mathe-Kurs belegt und die Prüfung war dann auch mit einer Klausur der elften Klasse in Deutschland zu vergleichen. Da ich ja aber eigentlich erst in der zehnten Klasse war, war das Niveau etwas verschoben.

Schon ein Schulwechsel innerhalb Deutschlands ist nicht unbedingt einfach. Wie wurdest du denn in deiner australischen Klasse von deinen Mitschülern aufgenommen?

Von meinen Mitschülern wurde ich echt super aufgenommen. Sie waren alle total gespannt, da meine Gastschwester auch schon im Vorfeld von mir berichtet hatte. Da man an der Schule eigentlich nur ausländische Schüler aus Asien kannte, war ich die erste Schülerin aus Europa bzw. Deutschland. In den ersten Tagen wurde ich mit Fragen überhäuft und jeder wollte einen deutschen Satz lernen oder mir etwas typisch Australisches beibringen. Außerdem hat Jeder gefragt, wie es mir gefällt. Ich fand das alles total super und rückblickend muss ich sagen, bin ich wirklich mit mehr als nur offenen armen empfangen worden.

Und wie kamst du mit den sprachlichen Barrieren zurecht?

Eigentlich richtig gut. Mein Englisch war eh schon recht gut und wenn man die Leute darum bittet etwas langsamer zu sprechen, tun sie dies gerne. Ich muss sagen, ich hatte eigentlich kaum Probleme, weil Australier jemanden auch gerne Wörter erklären, aber man muss sich auch Mühe geben und nachfragen.

Konntest du deine in Australien erworbenen Schulleistungen nach Deutschland übertragen oder musstest du zuhause eine Klasse wiederholen?

Mit AFS zum Schüleraustausch in Australien

Da hatte ich Glück. Ich bin in Australien auf eine sehr gute Schule gegangen. Außerdem habe ich Fächer gewählt, die dem deutschen Stundenplan entsprachen (Mathe, Englische Literatur, Chemie etc.) Ich hab mich auch sehr angestrengt und gute Noten bekommen, die dann auch in Deutschland anerkannt wurden.
Außerdem kam mir zugute, dass man in Sachsen-Anhalt (an meiner Schule) nach 12,5 Jahre sein Abitur ablegen konnte. Daher zählte das erste halbe Jahr der elften Klasse nicht ins Abi und ich konnte es überspringen. Ich konnte also wieder in meine alte Klasse, das war super. Sicherlich war es schwer den Stoff nachzuholen, aber es ist ja gut gegangen!

Hattest du neben deinem Schulalltag auch Zeit zu reisen und dir das Land anzugucken?

Ich hatte wirklich genügend Zeit, da die Ferien gut verteilt waren. Ich war in Tasmanien, Canberra, Sydney, an der Ostküste und ich hab eine Safari durch das Outback bis nach Darwin gemacht. Ich hab also bis auf den Westen des Landes fast ganz Australien gesehen. Ich hatte also extrem viel Glück und ich bin sehr froh, dass ich so viel gesehen habe.

Was hat dir besonders gut in Australien gefallen?

Besonders gut hat mir die Offenheit der Menschen gefallen – die Gelassenheit, mit der sie an ihren Tag gehen. Und wenn man in kleineren Orten morgens spazieren geht, wird man von Vielen gegrüßt und gefragt, wie es Einem geht – obwohl man den Anderen nicht kennt. Das hat mich sehr beeindruckt.
Außerdem war die Landschaft einfach atemberaubend.

Möchtest du noch einmal nach Australien?

Auf alle Fälle! Schon seit meiner Abreise 2003 plane ich eine Rückkehr. 2005 war ich in meinen Sommerferien noch mal für circa vier Wochen dort. Im Moment plane ich mein Auslandspraktikum, was in zwei Jahren ansteht, dort zu absolvieren. Ich könnte mir sogar vorstellen, dorthin auszuwandern.

Was hast du denn im Sommer 2005 in Australien gemacht? Bist du da als Backpacker durchs Land gereist?

Als ich 2005 da war, habe ich eigentlich nur meine Familie und Freunde von damals besucht. Ich wollte halt alle noch mal wieder sehen. Ich habe alle Freunde und meine alte Schule besucht. Ich habe aber auch eine kleine Reise nach Tasmanien gemacht, wo ich mit meiner Gastfamilie noch eine kleine Rundreise gemacht habe.

Und was für ein Praktikum planst du in Australien und wie wirst du diese Sache angehen?

Wo und wie mein Praktikum stattfinden soll, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht wirklich. Es wird sicherlich etwas im Rahmen meiner Berufsfeldorientierung sein. Im Moment sieht es danach aus, als werde ich mich entweder in einem Hotel oder bei der DZT, der Deutschen Zentrale für Tourismus, bewerben. Es wird ein Praktikum im Ausland sein, nicht nur, weil es von der Hochschule so vorgesehen ist, sondern auch weil ich wieder nach Australien will.
Schüleraustausch in Australien

Erst gestern habe ich im Australian Geografic Magazin einige Kontaktdaten von Hotels heraus gesucht. Wenn ich mich aber bei der DZT bewerbe, dann wohl für Hongkong. Das wäre dann etwas total Anderes und Neues, aber sicher auch sehr interessant! Ich werde abwarten, was in diesem Semester noch so in den jeweiligen Vorlesungen passiert und was mir am Ende mehr zusagt. Aber es wäre natürlich schon super etwas in Australien zu finden.

Welchen Tipp kannst du abschließend zukünftigen Austauschschülern geben? Was sollte sich jeder Reisende unbedingt in Australien ansehen?

Das ist echt schwer zu beantworten. Es gibt so viele Orte, die man sehen sollte. Neben den bekannten Plätzen wie Sydney und Uluru, sind Besuche in der Opal-Stadt Cooper Pedy oder eine Fahrt mit Puffing Billy (bei Melbourne) ratsam. Jeder sollte auch unbedingt einmal die Great Ocean Road entlang fahren.
Der Naturpark Katherine George in der Nähe von Darwin ist auch einfach atemberaubend. Dort findet man Tropenwälder und Flüsse, auf denen man gut eine Fahrt mit dem Kanu machen kann. Eine Bootsfahrt bei Sonnenuntergang ist ebenso reizvoll wie eine Bootsfahrt zum Thema Jumping crocodiles, auf der man dann springende Krokodile bewundern kann. Eigentlich sollte man ganz Australien einmal gesehen haben!!

Von Julia von der Heyden

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