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Famulatur in Penrith, Sydney

Von Juli bis September 2004 lebte und arbeitete Diana Schulz in Penrith, einem Vorort von Sydney. Eigentlich studiert sie Medizin in Lübeck, doch für eine Famulatur, eine Art Pflichtpraktikum, zog es sie nach Australien, um im Nepean Hospital im Emergency&Accident (Notaufnahme) sowie in der Surgery (Chirurgie) praktische Erfahrungen zu sammeln.

Famulatur in Penrith, Sydney

Bewerbung und Vorbereitung
Es ist ratsam mit den Bewerbungen ein Jahr im Voraus zu beginnen (Diana Scholz bewarb sich bei der Klinik direkt, hat aber einen Fahrtkostenzuschuss beim DFA (Deutscher Famulantenaustausch) beantragt und bewilligt bekommen; Anm. d. Red.), denn nicht alle Executive Officer sind so schnell und zuverlässig wie Denise Thornhill im Nepean Hospital in Penrith. Wir bekamen die Bewerbungsunterlagen recht schnell per E-Mail zugesandt und konnten uns die Departments noch frei aussuchen. Zu den vollständigen Bewerbungsunterlagen gehört neben Lebenslauf mit Passphoto und Dekanempfehlungsschreiben auch die Kreditkartennummer, denn eine Famulatur kostet für ein bis vier Wochen $ 500 und für fünf bis acht Wochen $ 650 und weitere $ 100 für Bearbeitungsgebühren und ähnliches.

Des weiteren muss man sich vorab um eine Auslandskrankenversicherung und eine Auslandsärztehaftpflichtversicherung kümmern, hier hat uns der Marburger Bund (Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.; eine Gewerkschaft für Mediziner; Anm. d. Red.) weiter geholfen und uns die entsprechenden Unterlagen zugesandt. Die Versicherungsangestellten waren auch sehr hilfsbereit und so hatten wir im Handumdrehen die nötigen Versicherungen und eine Bestätigung in englischer Ausführung. Außerdem verlangte das Krankenhaus ein Criminal Record Check, den wir im Ordnungsamt beantragt haben und dann noch offiziell übersetzen lassen mussten.

Die Unterkunft
Die Unterkunft

Für die Studenten werden Zimmer in der Staff Accomodation für $ 50 die Woche bereit gestellt. Diese Staff Accommodation ist gut ausgestattet mit Aufenthaltsraum (mit Bügeleisen), Küche, Gemeinschaftsbad und Waschraum und dem Luxus einer Putzfee. Um Impfungen muss man sich selber kümmern, und obwohl man anfangs ein Formular unterschreiben muss, dass man hinreichend geimpft ist, fragt hinterher keiner mehr nach. Geht aber lieber auf Nummer sicher! – vor allem zur eigenen Sicherheit.

Visum
Die Beschaffung des Visum stellte sich als etwas komplizierter dar, denn zu Anfang wusste keiner so genau, welches Visum man nun genau benötigt. Es blieb uns nichts anderes übrig als uns in die Warteschlange der Auskunft der Australian Embassy zu hängen. Wir hatten Glück und sprachen mit einer (ausnahmsweise) sehr netten Dame der Botschaft. Nachdem wir ihr unsere Situation als Medizinstudent mit nicht-bezahlter Arbeit in einem Krankenhaus geschildert hatten, erklärte sie uns, wir benötigen neben Formularnummer 456 auch noch eine Bestätigung des Krankenhauses und eine ärztliche Untersuchung eines Vertragsarztes der australischen Botschaft, welche man der Homepage entnehmen kann. Das Visum kostete uns somit eine Gebühr von € 45, die ärztliche Untersuchung (Röntgen Thorax, Blutuntersuchung auf HIV und Hep B) € 30 und jeweils einen Ausflug nach Hamburg und Berlin. (Wir zogen es vor unsere ganzen Unterlagen nicht der Post anzuvertrauen, sondern persönlich nach Berlin zu fahren.) Einziger Nachteil: es war ein Single Entry mit der beschränkten Dauer von 90 Tagen.

Devisen
Neben der Kreditkarte ist es empfehlenswert die EC-Karte mitzunehmen, denn die funktioniert an fast jeder ATM-Machine (Geldautomat; Anm. d. Red.). Einige hatten auch Traveller Cheques dabei, aber damit mehr Probleme als komplikationsfreies und sicheres Bezahlen.

Penrith und das Krankenhaus

Das Krankenhaus in Penrith
Das Krankenhaus in Penrith

Als Erstes wurden wir sehr herzlich von Denise und ihrer Assistentin Sharron begrüßt. Wir bekamen alle nötigen Schlüssel, Piepser, Magnetkarte für Zugang ins gesamte Krankenhaus und die Zugangsdaten für den Computerraum, so dass uns ein kostenloser Internetzugang für die gesamte Dauer unseres Aufenthaltes zur Verfügung gestellt wurde. Nach einer Führung durch das Haus und einer Vorstellung in unseren Departments wurde uns frei gestellt, ob wir direkt anfangen wollen zu arbeiten oder erst einmal den Jetleg auskurieren wollen.

Das Nepean Hospital ist sehr groß und es braucht eine Weile, bis man sich nicht mehr verläuft. Aber alle sind sehr freundlich und hilfsbereit, dich auf den richtigen Weg zu bringen. Die ersten vier Wochen war ich in der Notaufnahme, die wurde gerade erst vor zwei Monaten neu eingeweiht und alle waren sehr stolz auf ihre neue Einrichtung und den MehrRaum. Auch hier musste ich mich erst ein paar mal verlaufen, bis ich die genaue Orientierung hatte, wo welcher Patient liegt – Kurzlieger, Langlieger, Aufnahme usw.

Die Patienten kommen entweder per Krankenwagen, die von ParaMedics geleitet werden(ParaMedics sind besser ausgebildete Rettungsassistenten, die genau wie in Deutschland zu den Patienten oder Einsatzorten geschickt werden. Es ist aber niemals ein Notarzt mit unterwegs wie in Deutschland, d.h. sie sind befugt und ermächtigt zum Beispiel auch eine Intubation vorzunehmen; Anm. d. Red.) oder sie werden von anderen Praxen überwiesen. Eine Krankenschwester stellt den ersten Kontakt her und entscheidet dann über die Dringlichkeit der Behandlung. Je nachdem, welchem Arzt man gerade zugeteilt wurde, konnte man mehr oder weniger mit oder an den Patienten arbeiten.

Eine Zeit lang hatte ich richtig Glück, denn ich konnte an der Seite von Valentine (einem Registrar, ähnlich dem Oberarzt) arbeiten, der mir Patienten aller Altersgruppen und Dringlichkeit überließ. Nachdem ich die Historie erfragt hatte, erörterten wir gemeinsam, was alles noch zu tun sei, wobei er sich zuerst meine Meinung anhörte und dann selbst noch mal zum Patienten ging.

Am Anfang bereitete es mir schon ganz schön Kopfschmerzen alles auf englisch zu bewältigen, aber so nach und nach gab sich das. Eine kleine Hilfe war mir hier der Thieme Verlag mit dem Buch Medical English, aber auch Valentine (und andere) waren immer sehr bemüht, alles zu erklären. Selbst die Patienten waren sehr geduldig und ich konnte die meisten wirklich gut verstehen.

Feueralarm im OP-Trakt
Feueralarm im OP-Trakt

Den zweiten Monat verbrachte ich in der Chirurgie, hier herrschen ganz andere Sitten als im deutschen OP. Ich war und bin immer noch geschockt über die zum Teil (für den deutschen Standard) sehr unhygienischen Bedingungen. So ist es normal, dass alle mit Straßenschuhen und Straßenbekleidung bis einen Meter vor den Operation Theater dürfen. Erst ab dann benötigt man OP-Kleidung und OP-Haube, Mundschutz trägt man dann immer noch nicht, dies wird erst ab der Operation nötig. Ausnahme ist hier die Anästhesie (die scheinbar steril atmet). Die chirurgische Händedesinfektion hat hier einen ganz anderen Stellenwert und die Operateure müssen sich selbst steril im Waschraum anziehen.

Ansonsten läuft alles in gewohnter australischer Ruhe und Lässigkeit und die Chirurgen freuen sich über eine helfende Hand, die manchmal etwas sehr angepriesen werden muss. Anders als in Deutschland ist hier meist die Instrumentierschwester auch der/die Assistent/in.

Penrith selbst ist ein kleiner Vorort ungefähr eine Zugstunde von Sydney-Zentrum oder Katoomba – das Tor in die Blue Mountains - entfernt. Es lohnt sich auf jeden Fall am Wochenende Ausflüge in die Blue Mountains, das Hunter Valley, die National Parks und natürlich Sydney zu unternehmen. In der Oper bekommt man manchmal im Student Rush verbilligte Karten für Opern und Konzerte. Wer Tiere liebt, sollte nicht nur in den Taroonga Zoo und das Aquarium in Sydney, sondern auch in den Featherdale Wildlife Park in Blacktown fahren, hier kann man mit fast allen Tieren knuddeln. Und wer sich für die Natur interessiert, sollte nicht nur in den Botanischen Garten in Sydney gehen, sondern sich vielleicht die Zeit nehmen auch mal nach Canberra zu fahren und da im Botanischen Garten an einer Führung teilnehmen, da lernt man wirklich viel.

Lebenshaltungskosten

In Penrith gibt es sogar Aldi Süd!
In Penrith gibt es sogar Aldi Süd!

Wir haben in der ersten Woche zur Freude aller deutschen Famulanten und PJler einen ALDI entdeckt, der von uns natürlich hoch frequentiert wurde. Hier kann man wirklich günstig einkaufen! Es ist aber auch an sich nicht so teuer in Australien Essen zu gehen, manchmal gibt es auch BYO, d.h. man kann seinen eigenen Wein mitbringen und im Restaurant genießen. Deutlich günstiger als in Deutschland ist der Public Transport. Bus und Bahn sind – trotz des Nichtanerkennens des ISIC–Ausweises (Internationaler Studentenausweis; Anm. d. Red.)– sehr billig. Man kann sich einen Daytripper für $15 kaufen und alle Busse, Bahnen und Fähren in und um Sydney nutzen. Allerdings hat es den Nachteil, dass auch die Bahn die australische Gelassenheit besitzt.

Australisches Gesundheitssystem
Am besten ganz genau im Internet erkundigen, es ist schon etwas kompliziert zu verstehen und von Staat zu Staat unterschiedlich. Grob kann man sagen, dass die Bürger eine Art Abgabe an das Medicare-System zahlen und damit Anspruch auf ärztliche Versorgung haben. Der Besuch eines General Practitioner (Allgemeinmediziner) ist kostenfrei, Fachärzte müssen privat bezahlt werden. Hierfür bieten die Versicherungen genauso private Zusatzversicherungen an wie in Deutschland. Wie genau es um das Gesundheitssystem gestellt ist, konnten wir nicht rauskriegen, man hatte auf jeden Fall den Eindruck, dass sie mehr Geld verschwenden, als sie haben.

Resümee

Im Großen und Ganzen hat es sich sehr gelohnt die lange Reise auf sich zu nehmen. Man konnte nicht nur im medizinischen Bereich Erfahrungen und Eindrücke sammeln, die einem ein Leben lang erhalten bleiben, sondern wir haben auch das Land mit seiner Vielfalt und Einzigartigkeit in der Tier- und Pflanzenwelt sehr genossen. Ich kann nur jedem empfehlen: nicht träumen – machen!

von Diana Schulz

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