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Erfahrungsbericht über das Auslandsstudium an der Universidad Nacional de Córdoba (Argentinien)

Ein Semester im Ausland zu verbringen klingt für Studenten zunehmend reizvoll. Neben der Aufwertung des eigenen Lebenslaufes, sammelt man wertvolle sprachliche und persönliche Erfahrungen. Doch wo soll es hingehen? Neben England, Spanien und Amerika erfreuen sich auch die Länder Südamerikas wachsender Beliebtheit. Tim Langenbach hatte sich im Sommersemester 2003 für einen Auslandsaufenthalt in Argentinien entschieden…

Erfahrungsbericht über das Auslandsstudium an der Universidad Nacional de Córdoba (Argentinien)

Land und Leute

Wer einen Blick auf die argentinische Geschichte wirft, wird schnell sehen, das Argentinien im Gegensatz zu vielen seiner Nachbarn sehr große Einwanderungsströme hatte. Vor allem in verschiedenen Phasen des wirtschaftlichen Aufschwungs zu Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie um 1930 bis nach dem Ende des 2. Weltkrieges herum.

Bis zur zu den Anfängen der Industrialisierung gehörte Argentinien zu den reichsten Ländern dieser Welt, was vornehmlich auf die extrem günstigen Produktionsbedingungen im landwirtschaftlichen Sektor zurückzuführen war. In diesen Jahren waren es hauptsächlich Einwanderer aus Europa (Italien, Spanien, Frankreich, Polen, Deutschland, Ukraine, Irland), die ins Land strömten. Dies prägt die Gesellschaft auch heute noch. Der Argentinier fühlt sich, sofern er kein direkter Nachkomme („Criollo“) der dort ansässigen Indios ist, sehr europäisch. Viele der dort Lebenden haben Familienangehörige in Europa und nicht selten auch einen europäischen Pass oder das Recht einen solchen zu beantragen. Im Allgemeinen sind die Einheimischen gegenüber (europäischen) Ausländern sehr aufgeschlossen und es ist sehr leicht mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

Gegenüber den direkten Nachbarn (Chile, Bolivien, Paraguay) hingegen bestehen schon manchmal Ressentiments. Dies resultiert neben der besonderen Geschichte der Argentinier vornehmlich auf Rivalitäten im Fußball, Grenzstreitigkeiten (Chile) oder wirtschaftlichen Unterschieden (Bolivien, Peru) und die damit verbundenen Problemen.

Die Argentinier – das wird man in der Regel sehr schnell feststellen – sind wirklich sehr gastfreundlich. So kann aus einer kleinen Unterhaltung auf der Strasse oder an der Universität schnell eine Einladung zum „Maté“ (dem typischen Tee) oder einem „Asado“ (dem landestypischen Grillen von Rindfleisch) werden. Ich persönlich muss sagen, dass ich in der ersten Woche an der Uni dort mehr Leute kennen gelernt habe, als sonst hier in Frankfurt in einem Semester. Das liegt neben der offenen Art der Menschen dort auch an der familiäreren Atmosphäre in den Lehrveranstaltungen. Die Studenten in den letzten Jahren des Studiums kennen sich alle untereinander und man fühlt sich eher wie in einer Schulklasse. Ein großer Unterschied zu Frankfurt. So werden dann auch von den VWL-Studenten hin und wieder Partys veranstaltet, zu denen man als Gaststudent auch direkt eingeladen wird. Es ist wahrlich kein großes Problem dort jemanden kennen zulernen und an der Uni Anschluss zu finden. Bedenken in der Ferne zu vereinsamen sollte man also ruhig beiseite schieben. Die Integration geht sehr schnell und einfach!

Die Sprache

Wer nach Argentinien, insbesondere Córdoba, geht sollte nicht erwarten, dass er dort eine reine Form von „Hochspanisch“ findet, soviel sei erst einmal vorangestellt.

An der Universität gibt es keine Sprachkurse für Ausländer wie in einigen Erasmus Programmen. Der Kompliziertheitsgrad beim Verstehen hängt individuell von den eigenen Sprachkenntnissen, Kursgröße und natürlich dem Ausdruck der jeweiligen Lehrkraft ab. Wer gerade für den Anfang einen Sprachkurs sucht kann zum Beispiel eine Sprachschule gehen (Beispielsweise „ELG“, „Coined“ oder an auch an der Facultad de Lenguas der UNC). Diese Kurse sind in der Regel relativ teuer. Ein genauer Preisvergleich lohnt sich in jedem Fall. Die Preise liegen bei circa 100 bis 150 Euro pro Woche (circa fünf x vier h = 20 h pro Woche); hier lernt man allerdings meist in kleinen Gruppen.

Eine weitere Möglichkeit Unterstützung zu finden ist ein Aushang an der Facultad de Lenguas, eine Kleinanzeige in der „Voz del Interior“ (Regionalzeitung) oder die Suche im Bekanntenkreis. Dies ist sehr viel günstiger als die Sprachschul-Variante, auch wenn man so kein Zertifikat über die absolvierten Stunden erhält. Ich persönlich hatte bei einer Grundschullehrerin Unterricht. Der Preis für eine Stunde Einzelunterricht (privat organisiert) liegt bei circa fünf bis zehn Pesos pro Stunde.

Wohnen in Córdoba

Sich in weiter Entfernung eine Unterkunft zu besorgen ist nicht ganz so einfach. Aber auch nicht so schwierig. Ich persönliche habe in den ersten zwei Wochen in einer Familie gewohnt; das war über die Europäisch-Lateinamerikanische Gesellschaft e.V. organisiert. Dies gibt einem zwar die Sicherheit schon mal zu wissen wo man unterkommt, ist allerdings im Verhältnis zu den Kosten die man für eine Unterkunft vor Ort zu bezahlen hat, relativ teuer.

Der Wohnungsmarkt in Córdoba ist im Allgemeinen nicht annähernd so umkämpft wie hier in Frankfurt, jedoch ist es als Ausländer (je nach Vermieter) auch nicht immer einfach eine Wohnung zu mieten. Gewöhnlich muss man seine Miete daher immer im Voraus bezahlen. Eine Unterkunft für den Anfang findet man problemlos auch in der Jugendherberge von Córdoba. Der Preis für die Übernachtung liegt bei circa sechs Euro im Vier-Bettzimmer. Einzelzimmer gibt es dort keine. Die Jugendherberge ist aber nur zehn Minuten zu Fuß von der Ciudad Universitaria und der Innenstadt entfernt. Eine andere Möglichkeit ist in einer der bestehenden Pensionen im Stadtzentrum unterzukommen. Deren Ausstattungen sind relativ spartanisch, aber die Miete ist ebenso günstig (ab 50 Euro). Im Letzten Monat in Córdoba habe ich auch in einer dieser Pensionen gelebt (Montevideo 76, Albergue Estudantil Pro Cultura Córdoba, ca. 65 EUR pro Monat mit Einzelzimmer). Der Vorteil an solch einer Unterkunft ist, dass man relativ schnell Leute kennen lernt und die Möglichkeit hat sehr viel Spanisch zu sprechen. Und schließlich bekommt man auch ein Hotelzimmer relativ günstig in Córdoba. Die untere Preisschwelle liegt bei rund sechs Euro pro Nacht im Einzelzimmer (z.B. Hotel Helvetia). Die Hotels liegen aber nicht unbedingt immer sehr nah an der Uni.

Studieren in Argentinien

Argentinien und das liebe Geld

Die Miete habe ich immer bar bezahlt – egal, wo ich gewohnt habe. Girokonten sind nicht so verbreitet in Argentinien. Das klingt erstmal sehr komisch, aber die Beziehung der Menschen zu den Banken und vice versa ist nicht vergleichbar mit Deutschland. Ein Konto in Argentinien kostet immer Gebühren. Überweisungen sind ebenfalls gebührenpflichtig. Das Zahlungsverkehrssystem und das Bankensystem im Allgemeinen sind weit hinter dem deutschen Standard.

Von einer Kontoeröffnung kann ich nur abraten. In dem halben Jahr musste ich nur einmal Geld von Córdoba nach Buenos Aires transferieren, um ein Buch zu bezahlen. So eine Transaktion bekommt man auch relativ kostengünstig bei der Post (rund drei Euro). Bargeld bekommt man problemlos mit der EC-Karte an allen Bankautomaten. Zur Sicherheit empfehle ich noch die Mitnahme einer Kreditkarte. Es kam nur zwei Mal vor, dass die Bankautomaten gar kein Geld auszahlen wollten. Das kann entweder an der jeweiligen Bank oder an dem argentinischen Geldautomatennetz (Redbank) liegen. Für den Fall, dass man an keinem Automaten Geld bekommt, sollte man immer noch mal etwas Bargeld für zwei bis drei Tage übrig haben. Länger als einen Tag hatte ich das Problem mit den Geldautomaten nie. Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann noch Travellerschecks mitnehmen, auch wenn die in Argentinien nicht so oft akzeptiert werden wie in anderen Ländern.

Zum Bargeld sei noch erwähnt, dass es mehrere Währungen gab. Neben den Pesos existierten auch so genannte „Bonos“. Eine Ersatzwährung des Staates und der einzelnen Provinzen. Momentan wird diese als Überbrückungskredit gedachte Währung wieder eingezogen, was insgesamt mit einer Ausweitung der Geldmenge einhergeht. Es existiert viel Falschgeld in Argentinien. Sein Wechselgeld an der Kasse deshalb auf Echtheit zu überprüfen, ist nichts Besonderes oder gar eine unfreundliche Geste. Ich würde es immer empfehlen. Gerade als Ausländer ist man willkommenes Opfer. Bezahlt man in Pesos, so besagt es ein Gesetz, dürfen einem auch nur Pesos zurückgegeben werden.

Lebenshaltungskosten

War das Leben für einen Europäer in Zeiten der „Convertibilidad“ in Argentinien noch ausgesprochen kostspielig, so ist es unter den aktuellen Wechselkursverhältnissen paradiesisch. Man wird dort selbst miterleben, wie stark die Preise insbesondere für Agrarprodukte teilweise durch die Subventionen der EU verzerrt werden. Je nachdem wie man wohnt und welchen Standard man braucht, variieren natürlich die Kosten. Argentinische Student/Innen aus weniger privilegierten Familien können dort bereits mit ca. 130-150 Euro pro Monat über die Runden kommen. Als verwöhnter Europäer habe ich im Schnitt für einen Monat (inklusive Miete) einen Betrag von circa 350 Euro/1000 Pesos benötigt.

Studieren in Argentinien

Sicherheit

In den Zentren der Großstädte bestehen tagsüber in der Regel keine Probleme mit der Sicherheit. Außenbezirke, besonders die sehr armen Viertel („Villas“), sollten aber gemieden werden, wie mir wiederholt von Einheimischen geraten wurde. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt sich eins der wirklich günstigen Taxis/“Remises“ (acht km/zwei Euro), wenn er/sie es für nötig hält. Die Entführungen von denen man momentan in der Presse sehr viel liest, geschehen vornehmlich in der Region Buenos Aires. Mit Zuständen, wie beispielsweise in Kolumbien, ist dies jedoch absolut nicht zu vergleichen. Nichtsdestotrotz sollte man immer auf seine Sachen und sich selbst achten. Einige Häuser haben auch einen Concierge, der in den oft sehr großen Wohnhäusern dafür sorgt, dass nur Mieter oder deren Besucher hereinkommen. Wer darauf Wert legt, sollte sich in so einem Haus einmieten. Die Mietkosten sind deswegen nicht unbedingt sehr viel teuerer. Alles in allem ist gerade die Innenstadt Córdobas aber auch nicht gefährlicher als ein größenmäßig vergleichbarer Ort in Europa.

Studieren in Córdoba

Die „Universidad Nacional de Córdoba“ liegt, abgesehen von der juristischen Fakultät, ein stückweit außerhalb des Stadtzentrums. Die so genannte „Ciudad Universitaria“ beheimatet alle weiteren Fachbereiche. Das Studium in Argentinien ist momentan prinzipiell Studiengebührenfrei. Es existieren neben den öffentlichen Universitäten aber auch private Universitäten die gebührenpflichtig sind (Siglo 21, La Universidad Catholica). Am ersten Tag an der Universität trifft man sich mit Frau Professorin Buraschi. Sie erklärt einem die organisatorischen Abläufe, die zu erledigen sind, um sich als Gaststudent einzuschreiben. Außerdem erhält man einen Schlüssel für einen Tutoren- und Assistenten-Arbeitsraum mit zwei PCs. Die Rechner sind zwar nicht immer frei und Lehrkräfte haben Vortritt in der Benutzung, aber im Vergleich zu den Rechnern im Uni PC Pool sind sie wirklich sehr schnell und haben einen unbeschränkten Internetzugriff. In der Eingangshalle, direkt vor dem „Centro de Estudiantes“ hängen alle Kurse aus, die man belegen kann; man kann sich aber auch vorher im Internet auf der Seite der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni informieren. Die Uni wird dort in drei Schichten genutzt. Es gibt einen „turno manana“, einen „turno tarde“ und den „turno noche“. Die frühestens Kurse beginnen um 8.00 Uhr, die spätesten beginnen um 21.00 Uhr (bis 23.00 Uhr). Ich hatte ausschließlich Kurse im turno noche, was bedeutete, dass keine Veranstaltung vor 17.00 Uhr begann. Das war zwar anfangs relativ gewöhnungsbedürftig, aber da die Argentinier sowieso ganz andere Zeiten für ihren Tagesablauf haben, gewöhnt man sich sehr schnell auch daran.
Für den Fall das man sich die in Córdoba Kurse anerkennen lassen möchte, kann man nur Kurse aus dem vierten und fünften Studienjahr wählen, die in der Regel immer im Turno noche und manchmal im Turno tarde liegen. Im Gegensatz zu Frankfurt existiert neben den Studienrichtungen Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre ebenso der Studiengang „ Contador Publico“, was in etwa einem BWL-Studium mit Schwerpunkt Rechnungswesen entspricht.

Zu jedem Kurs/ Seminar das angeboten wird, existiert ein kleines Informationsheft in der „Box de Apuntes“. Der Preis liegt bei etwa 0,1 Euro. Wer also genauer wissen möchte, was sich hinter den einzelnen Lehrveranstaltungen verbirgt, welche Literatur verwendet wird und wie die Organisation (Leistungsnachweise, etc.) im Einzelnen aussieht, sollte sich solch ein Heft besorgen. Skripte zu Vorlesungen erhält man ebenfalls in der „Box de Apuntes“, während die begleitende Literatur in der „Fotocopiadora“ erhältlich ist.

Anders als in Frankfurt schreibt man in Córdoba in den meisten Fächern so genannte „Parciales“ (Zwischenprüfungen). Dies geht meist schon nach rund sechs Wochen los. Die Benotung erfolgt mit den Noten von null bis zehn. Mit vier Punkten hat man bestanden. Normalerweise schreibt man drei Zwischenprüfungen und eine Abschlussprüfung (Examen final). Für einige Fächer besteht die Möglichkeit mit einem Durchschnitt von sieben Punkten in den Zwischenprüfungen eine vereinfachte Abschlussprüfung zu erhalten (Promoción). Man erhält dann entweder ein Kolloquium oder eine schriftliche Prüfung mit eingeschränktem Stoff oder zu vorher genau bekannten Themen. Für Hausarbeiten, insbesondere in der Gruppe, stehen an der Uni auch spezielle Arbeitsräume zur Verfügung. Einige auch mit PC.

Von Tim Langenbach

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