Eine kleine Geschichte des Erasmus
Das Austauschprogramm für Studierende Erasmus ist wohl nicht erst seit dem Film L’auberge espagnol bekannt, in dem ein junger französischer Student für ein Jahr nach Barcelona zieht. Während seines Aufenthaltes muss er zwar allerlei positive und negative Erfahrungen sammeln, doch vor allem lernt er einiges über sich selbst.
Erasmus wurde bereits 1987 für Studierende und Lehrende von der Europäischen Union ins Lebens gerufen. Das Programm hat seinen Namen von dem zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert lebenden niederländischen Humanisten, Theologen und Philologen Erasmus von Rotterdam. Dieser sprach sich dafür aus, die Gemeinsamkeiten zwischen Menschen anderer Herkunft und Kultur zu erforschen. Das Wort Erasmus an sich ist außerdem ein Akronym und steht für: European Community Action Scheme for the Mobility of University Students. Ein Ziel des Programms ist es demnach, Studierenden die Möglichkeit zu geben, an einer anderen europäischen Hochschule Kurse zu belegen und Leistungen zu erarbeiten. Durch die Mobilität von Lehrenden soll die Zusammenarbeit der Hochschulen mithilfe des Programms verbessert werden. Außerdem werden Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Erasmusprogramms von der Europäischen Union gefördert und sollen von dem zusätzlichen finanziellen Aufwand eines Auslandsstudiums entlastet werden.
Studienabschlüsse sollen innerhalb der EU anerkannt werden können. Hiefür wurde das Europäische System zur Anrechnung von Studienleistungen (ECTS) eingeführt. Diese Anpassung soll zusätzlich durch die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master vollzogen werden, was sich allerdings häufig noch als sehr kompliziert herausstellt. Oftmals können sich Studierende nicht alle Leistungen, die an einer ausländischen Hochschule erbracht worden sind, von der Hochschule im Heimatland anerkennen lassen.
Doch trotz dieser Probleme stehen meistens die Erfahrungen im Mittelpunkt, die die Teilnehmer und Teilnehmerinnen während eines Erasmusprogramms sammeln. Nicht nur das Erlernen einer Sprache kann durch einen Auslandsaufenthalt gefördert und erleichtert werden, sondern auch das Verständnis für eine andere Kultur. Studierende haben die Möglichkeit beim Besuch eines der 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, interkulturelle Kompetenzen zu erwerben, die in ihrem späteren Leben von Vorteil sein können. Denn selbst bei einem Aufenthalt in einem Nachbarland, wie z.B. Frankreich können sich einige kulturelle Unterschiede auftun, was beispielsweise die Sendung Karambolage des deutsch-französischen Fernsehsenders Arte jede Woche aufs Neue unter Beweis stellt.
Das Erasmusprogramm hat eindeutig eine Erfolgsgeschichte zu verzeichnen. Bereits 1994, im siebten Jahr nach seiner Gründung, hatten schon mehr als 200.000 Studentinnen und Studenten an einem Auslandsaufenthalt in einem anderen europäischen Land teilgenommen. Für die aktuelle Laufzeit des Programms (2007-2013) hat sich die Europäischen Union das Ziel gesetzt, mindestens drei Millionen Einzelpersonen während eines Auslandsaufenthaltes zu fördern. Die EU stellt hierfür Gelder in Höhe von 3,1 Milliarden Euro zur Verfügung, wovon mindestens 80 Prozent für die individuelle Förderung der Mobilität von Studierenden und Lehrenden vorhergesehen ist.
Von Tanja Wiehn


