Für ein Jahr ins Ausland mit dem AFS/YFU Schüleraustausch
Hinter diesen, auf den ersten Blick kryptisch wirkenden, Abkürzungen verbergen sich zwei gemeinnützige US-amerikanische Organisationen mit einer wichtigen Mission: Durch Schüleraustausche mit unterschiedlichsten Ländern soll die Verständigung unter den Ländern verbessert werden. YFU bedeutet „Youth for Understanding“ und wurde 1957 in Michigan mit dem Ziel gegründet, die soziale Verständigung zwischen den Kulturen voranzutreiben. Der AFS hingegen hat seinen Ursprung in einem ganz anderen Bereich: Der American Field Service kümmert sich seit 1947 um Verletzte auf Schlachtfeldern und machte es zur Aufgabe, durch die Zusammenführung von Jugendlichen aus aller Welt in Zukunft Kriege zu verhindern. Vor diesem Hintergrund haben die vom AFS/YFU organisierten Schüleraustausche einen ganz besonderen Schwerpunkt.
Jugendliche können sich unter 55 Ländern ihr Wunschreiseziel für ein Austauschjahr aussuchen. Besonders gefragt seien die USA und auch Lateinamerika, wie Steffen berichtet. Der junge Mann mit auffallend krausem Haar und lässigem Auftreten vertritt die Organisationen zusammen mit einigen anderen ehrenamtlichen Mitarbeitern auf der diesjährigen Expolingua in Berlin. In der letzten Zeit werde auch Asien und in diesem Zusammenhang vor allem China aufgrund seiner „Andersartigkeit“ immer interessanter für die Jugendlichen, fügt Steffen hinzu. Die Austauschprogramme nach Osteuropa hingegen werden nur selten wahrgenommen, weshalb spezielle Stipendienprogramme ins Leben gerufen wurden, um den Austausch mit unseren östlichen Nachbarn anzuregen.
Steffen betont, dass die Teilnahme an einem einjährigen Austauschprogramm nicht an der Frage nach der Finanzierung scheitern soll. Die Organisationen verfügen über Stipendienfonds von über einer Million Euro, die in Form von Teilstipendien von 500 bis 2.000€ an Jugendliche verteilt werden. Die Zielgruppe sind 15- bis 17-Jährige, wobei der junge Mann darauf hinweist, dass man für einen Aufenthalt in den USA 18 Jahre nicht überschreiten sollte, während man für einen Austausch mit Lateinamerika nicht zu jung sein sollte. Meistens schieben Schüler das Austauschjahr zwischen die zehnte und elfte Klasse.
Das Programm umfasst einen Austausch von der Länge eines Jahres, ist aber insgesamt eine zweijährige Erfahrung. Interessenten nehmen an einem Vorbereitungsseminar teil, das von ehrenamtlichen Mitarbeitern organisiert wird. In diesem Seminar lernen sie nicht, kulturelle Fettnäpfchen zu vermeiden, sondern werden darin geschult, mit Konflikten umzugehen, die beim Zusammentreffen von Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft auftreten können, und diese letztendlich zu vermeiden. Schon im Rahmen der Vorbereitung steht die „Friedensidee“ im Mittelpunkt. Während des Auslandsaufenthalts wird ein begleitendes Seminar angeboten, welches Jugendliche bei Problemen unterstützt. Im Anschluss an die Rückkehr nach Deutschland findet ein Nachbereitungsseminar statt.
Diese Seminare werden von jungen Erwachsenen wie Steffen betreut, die die gemeinnützige Organisation ehrenamtlich unterstützen. Sie haben die nötigen Kompetenzen im Rahmen spezieller Seminare erworben. Grundsätzlich kann jeder Interessierte bei der Organisation mitarbeiten und ehrenamtliche Aufgaben übernehmen, eine spezielle langwierige Ausbildung ist nicht nötig, erklärt Steffen. Zuerst nimmt man am Stammtisch der Organisationen teil und wird dann Schritt für Schritt mit mehr Aufgaben betraut, wie beispielsweise der Öffentlichkeitsarbeit, der Betreuung von Vorbereitungs- und Nachbereitungsseminaren sowie mit koordinativen Aufgaben. Allerdings fehlt der Nachwuchs an ehrenamtlichen Mitarbeitern. Nach ihrer Rückkehr vom Austauschjahr unterstützen nur rund 10% der Jugendlichen die Organisationen auf regelmäßiger Basis, 20% arbeiten sporadisch mit.
Steffen selbst verbrachte 2003/04 ein Austauschjahr bei einer Gastfamilie in den USA. Inzwischen unterstützt er AFS/YFU seit etwa 6 Jahren tatkräftig und trainiert selbst Teamer.


