Auslands-Knigge – Polen
Kommunikation
Zur Anrede eines Mannes verwendet man Pan (“Herr”) vor dem Nachnamen, bei einer Frau Pani (“Frau”). Erst nach Absprache beginnt man sich zu duzen und mit dem Vornamen anzureden. Häufige Grußformeln sind Dzien dobry (“Hallo” oder “Guten Morgen”) Dobry wieczór (“Guten Abend”) und Do widzenia (“Auf Wiedersehen”).
Essen und Trinken
Polen laden gerne zum Abendessen oder einfach zu Kuchen und Tee ein. Zu Einladungen jeglicher Art ist es gebräuchlich, eine ungerade Anzahl Blumen mitzubringen. Gelegentlich führt der Gastgeber einen auch in eine Kawiarnia aus - eine Art Café, das neben einheimischen Spezialitäten auch französisches Gebäck anbietet. Wegen des frühen Arbeitsbeginns bleiben Besucher an Wochentagen normalerweise nicht länger als bis 23.00 Uhr, an Wochenenden jedoch länger.
Isst man zum Essen Fisch, wird kein normales Messer benutzt. Dies wirkt sehr ländlich. Daher sollte der Fisch mit einer Gabel zerteilt oder ein spezielles Fischmesser verwendet werden. Es ist nicht weiter schlimm zu einer Abendparty zu spät zu kommen, jedoch niemals zum Mittagessen. Es wird sonst als sehr unhöflich angesehen.
Ein klirrendes Geräusch mit dem Löffel zu machen, wenn man seine heißen Getränke umrührt, zeugt von schlechten Manieren.
Kultur
Zur Begrüßung reicht man einander die Hand. Gute Freundinnen küssen einander auf die Wange. Es ist auch nicht unüblich, die Frau mit einem Handkuss zu begrüßen. Die Polen sind ein sehr gastfreundliches, herzliches und freundliches Volk. Oft wird immer noch wieder Essen angeboten, auch wenn man schon lange satt ist und die Gastgeber wollen einem meistens nur das beste bieten.
Business
Die Hierarchien in Polen haben eine größere Bedeutung und werden auch mehr ausgelebt. Daher werden die Personen auch mit ihrem Titel angeredet, wie zum Beispiel „Herr Direktor“. Akademische Bezeichnungen werden nur Professoren gegenüber angewendet. Auch bei Briefen wird die offizielle Anrede genutzt, bei E-mails die informelle Anrede. Es macht einen guten Eindruck die polnische Sprache zu beherrschen, es ist aber nicht zwingend notwendig. Für erfolgreiche Geschäftkontakte empfiehlt es sich, eine freundschaftliche Beziehung aufzubauen. Man sollte ausführlicher kommunizieren und nicht so schnell auf den Punkt kommen, sondern erst etwas Small Talk führen und sich nach dem Befinden des Geschäftspartners erkundigen. Polen sind im Allgemeinen flexibler, spontaner, improvisieren gerne und sind nicht immer sehr pünktlich. Man sollte auf keinen Fall als Besserwisser auftreten, sonst könnte es sein, dass die Polen einen austricksen.
Tabus
Man sollte Polen nicht mit Russland vergleichen, nebeneinanderstellen oder in die gleiche kulturelle Gruppe ordnen. Außerdem ist es sehr unhöflich, die Hauptstädte zu verwechseln. Vermieden werden sollte es außerdem negativ über den verstorbenen Papst Johannes Paul II. oder über die Kirche zu reden. 
Sonstiges
Es empfiehlt sich immer ein Gastgeschenk mitzubringen: Wein für den Hausherrn, Schokolade für die Kinder und Bücher für alle. Übersetzungen polnischer Klassiker oder Bücher über Hobbies der Gastgeber werden sehr geschätzt.
Für Polen bringt es Pech, wenn man seine Gäste auf der Eingangsstufe begrüßt oder andere Dinge erledigt, wie zum Beispiel die Pizza bezahlen. Daher immer damit abwarten, bis die Person im oder aus dem Haus ist. Die Religion spielt in Polen eine sehr große Rolle. Daher sehen es die Polen auch als sehr unhöflich an, wenn Leute zu Ostern, Weihnachten oder Familienfeiern normal gekleidet sind.
In Polen tritt man in ein großes Fettnäpfchen, wenn man Pferdefleisch isst oder anbietet. Für Polen ist das, als wenn man seinen Freund aufisst. Es beruht auf einer über 1000-jährigen Tradition der polnischen Kavallerie und den bekannten und beliebten Gemälde von Wojciech Kossak.
Noch ein letzter Tipp: Für Polen gehört es sich nicht, eine Frau nach dem Alter zu fragen.


