Auslands-Knigge – Italien
Kommunikation
Eine formlose Begrüßung unter Freunden ist Ciao (“Hallo” oder “Tschüs”). Bei etwas offizielleren Anlässen sagt man Buon giorno (“Guten Tag”) oder Buona sera (“Guten Abend”). Oft gehen Italiener gleichen Geschlechts Arm in Arm. Bei der Anrede legen die Italiener großen Wert auf Titel. Im Gespräch sollte jeder Studierte mit „dottore“ und jeder Lehrer mit „professore“ angesprochen werden. Wenn der Gesprächspartner bei der Unterhaltung etwas näher kommt, ist dies kein Zeichen von Aggressivität. Es ist hier einfach üblich, sich beim Sprechen etwas näher zu stehen, als wir das in Nordeuropa kennen. Viele Hinweise für die Vermeidung bestimmter Fettnäpfchen ähneln denen für Frankreich. So gilt auch in Italien: Jemanden Unbekannten mit dem vertrauten „Du“ (tu) anzusprechen wird als unhöflich und beleidigend gesehen, daher immer mit „Sie“ (lei) anreden.
Essen und Trinken
Es verstößt gegen die guten Sitten, in einem besseren italienischen Restaurant nur Pizza oder Pasta zu bestellen. Es empfiehlt sich wenigstens einen Nachtisch dazu kommen zu lassen.
In Italien sucht man sich seinen Tisch nicht selbst aus, sondern wartet, bis ein Tisch zugewiesen wird. Beim Essen sollte man gute Tischmanieren pflegen, zum Beispiel dreht man die Spaghetti mit der Gabel auf den Löffel und zerschneidert sie nicht. Die Rechnung wird vom Gastgeber bezahlt. Dabei teilen die Italiener die Einstellung des gegenseitigen Einladens – die Devise lautet: heute ich, morgen du.
Gondeln in Venedig
Bei einem privaten Essen beginnt keiner zu Essen bevor alle bereit sind. Das Essen nicht aufzuessen, wird häufig so interpretiert, dass es nicht geschmeckt hat oder der Gastgeber nicht einschätzen kann, wie groß eine Portion sein sollte. In einigen Regionen dagegen, wird es als unhöflich angesehen, sein Essen aufzuessen. Es könnte andeuten, dass die Portion nicht ausgereicht hat.
Auch in Italien wird das Brot mit der Hand gebrochen, da nur hungrige Kleinbauern ihren Mund mit Brot vollstopfen. Die Ellenbogen werden nicht auf den Tisch gelegt. Ist man mit dem Essen fertig, werden Messer und Gabel parallel auf den Teller gelegt (auf die 4 Uhr Position).
Auch in Italien sollte Alkohol nur in Maßen getrunken werden. Beschwipst oder betrunken zu sein, gilt als stillos.
Kultur
Zur Begrüßung reicht man sich die Hand und schaut sich in die Augen. Es sollte darauf geachtet werden, die Handschuhe dafür auszuziehen. Einer Frau die Hand als Begrüßung zu geben, wird als distanziert betrachet. Es wird dagegen erwartet, sich zu umarmen und auf die Wange zu küssen. Die Anzahl der Küsschen unterscheidet sich je nach Region, jedoch sind es gewöhnlich zwei.
Auf öffentlichen Plätzen in Bikini oder Badehose zu laufen - in manchen Orten auch in zu salopper Freizeitkleidung, z.B. Shorts und offenes Hawaii-Hemd - ist in Italien besonders verpönt. Es droht sogar ein Bußgeld von bis zu 200 Euro. Nackt baden oder sonnen ist im ganzen Land ausdrücklich verboten und ebenso total verpönt. Trotzdem lassen Mutige an einigen, wenigen Stränden die Hüllen schon einmal fallen. "Oben ohne" wird zwar nicht gern gesehen, setzt sich aber nach und nach durch.
Blick über Rom
Business
Italiener sind beziehungsorientierter als Deutsche. Deshalb empfiehlt es sich Zeit für eine ausführliche Begrüßung und etwas Small Talk zu nehmen. Es ist wichtig geduldig zu sein und nicht alles genau festzulegen, sondern auch Dinge offen zu lassen. Oft muss man die Italiener mit viel Charme für etwas überzeugen. Freundlich, scherzend und ein bisschen ironisch schafft man es meistens auf das gewünschte Thema zurück zu kommen. Bei einem Business-Lunch sollten alle geschäftlichen Themen bis zum Kaffee angesprochen sein. Denn mit dem Kaffee ist das Essen beendet und weitere Gespräche nicht vorgesehen. Üblicherweise wird Espresso bestellt. Milchkaffee und Cappuccino werden nur bis zum späten Vormittag getrunken. Italiener gestikulieren viel und sehen es nicht als unhöflich an, wenn man sie unterbricht. Im Gegenteil, man sollte misstrauisch werden, wenn ein Italiener ganz ruhig sitzen bleibt.
Tabus
Es gibt bestimmte Gesten, die vermieden werden sollten, zum Beispiel: die „Italienische Ellenbogen Geste“ zu machen. Dabei wird die linke Hand in die Ellbogenkrümmung des rechten Arms gelegt. In Italien wird diese Geste als Verpiss dich verstanden. In Unterhaltungen sollte nicht über den Zweiten Weltkrieg, Probleme der katholischen Kirche und Mafia gesprochen werden.
Sonstiges
In Italien ist das Rauchen in allen Zügen verboten.
Es ist nicht erlaubt eine Kirche zu betreten, wenn die Arme und Beine nicht bedeckt sind. Bei Frauen sollte der Rock bis zu den Knien reichen.
Auch in Italien sollte man als Gastgeschenk keine Chrysanthemen mitbringen, da sie zu traurigen Anlässen überreicht werden. Rote Rosen sollten nur geschenkt werden, wenn sie die Liebe zu einer Person ausdrücken sollen. Ansonsten wird es als unangebracht gesehen.
Nach dem Betreten eines Hauses, wird zuerst gefragt, ob man seine Jacke ablegen kann. Einen offenen Regenschirm im Haus zu halten, wird als schlechtes Omen angesehen. Der Hut sollte nicht auf das Bett gelegt werden, da Italiener oft abergläubisch sind und dies als unheilverkündend betrachet wird.


