Auslands-Knigge – Frankreich
Kommunikation
Die allgemein üblichen Begrüßungsformeln lauten Bonjour (“Guten Tag”) und Comment allez-vous? oder das weniger förmliche Ça va? Beides bedeutet in etwa “Wie geht es Ihnen/Dir?”. Zum Abschied sagt man Au revoir (“Auf Wiedersehen”) oder das lockerere A bientôt (“Bis bald!”). Jemanden Unbekannten mit dem vertrauten „Du“ anzusprechen wird in Frankreich als abwertend und beleidigend gesehen, daher immer mit „Sie“ (vous) anreden. Daneben zählen zur Anrede auch Monsieur (“Herr”), Madame (“Frau”) und Mademoiselle (“Fräulein”). Ohne eine Nachfrage anzunehmen, dass die Leute Englisch sprechen, wird oft als unhöflich angesehen. Die Franzosen schätzen es dagegen, zuerst in Französisch gegrüßt zu werden. Danach kann gefragt werden, ob sie Englisch sprechen können. Es gibt bestimmte Themen, die am Beginn eines Gespräches oder ganz vermieden werden sollten. Dazu gehören: das Sprechen über Geld, Verdienst, soziale Position, Religion, Politik und Krieg. Mit den Themen Wein und Essen liegt man jedoch immer richtig. Außerdem sollte man nie den Nationalstolz der Franzosen verletzen.
Der Eiffelturm
Essen und Trinken
Die französische Esskultur ist weltbekannt. Daher ist es wichtig auf ansprechendes Verhalten in einem französischen Restaurant zu achten. In Frankreich sucht man sich seinen Tisch im Restaurant nicht selbst aus. Auch in einfachen Restaurants wird der Tisch vom Bedienungspersonal zugewiesen. Geflügel wird nicht mit den Händen gegegessen, auch für Hähnchenschenkel werden Messer und Gabel genutzt. Salatblätter werden nicht mit dem Messer zerschnitten, sondern mit der Gabel gefaltet. Ebenfalls wird es nicht gerne gesehen, den Brie oder andere Käsesorten an der Spitze anzuschneiden. Zu beachten ist auch, dass Rechnungen nicht geteilt werden - somit zahlt immer eine Person die Gesamtrechnung und dann werden die Anteile untereinander aufgeteilt.
Wird man zum Essen eingeladen, gibt es auch hier bestimmte Regeln. Jedoch werden diese unter Freunden nicht so ernst genommen. Wie auch in Deutschland, beginnt keiner mit dem Essen bevor jeder da ist. Das Essen nicht aufzuessen, wird häufig so interpretiert, dass es nicht geschmeckt hat oder der Gastgeber nicht einschätzen kann, wie groß eine Portion sein sollte. Möchte man sich noch Wein nachschenken, fragt man zuerst, ob jemand anderes auch möchte und schenkt sich dann als letzter ein. In Frankreich wird Brot nicht als ein Teil des Essens angesehen, sondern mehr wie Salz und Pfeffer. Daher wird die Scheibe Brot neben den Teller gelegt. Außerdem wird das Brot in kleine Stücke gebrochen – falls kein Belag drauf ist - und dann gegessen. Es sollte immer versucht werden, sein Brot aufzuessen, da es als Grundnahrungsmittel betrachtet wird und daher nicht verschwenderisch damit umgegangen wird. Es sollte darauf geachtet werden, seine Hand nicht unter den Tisch oder den Ellbogen auf den Tisch zu legen. Wenn man das Essen beendet hat, werden Messer und Gabel parallel auf den Teller gelegt. Es ist wichtig, das Essen und den Wein zu loben, da viele Franzosen darauf sehr stolz sind.
Kultur
Bei der Begrüßung nimmt der Mann seinen Hut ab, dies kommt jedoch zunehmend aus der Mode. Mittlerweile geben auch Franzosen zunehmend die Hand bei der Begrüßung. Es sollte darauf geachtet werden, die Handschuhe dafür auszuziehen. Einer Frau die Hand als Begrüßung zu geben, wird als distanziert betrachet. Es wird dagegen erwartet, sich zu umarmen und auf die Wange zu küssen.
Lavendelfeld
Zu einem formellen Anlass und in der Kirche sollte man nicht leicht bekleidet erscheinen. Männer, die Socken in Sandalen oder Tank Tops tragen, zeugen von schlechtem Geschmack.
Business
Der Kommunikationsstil in Frankreich zeichnet sich dadurch aus, dass die Dinge sprachlich verpackt werden. Das wird auch von Ausländern erwartet. Franzosen nehmen ihre Gastgeberrolle sehr ernst. Eine Einladung auszuschlagen ist sehr unhöflich. Daher sollte für Geschäftstermine immer genug Zeit eingeplant werden. Bei der Anrede legen Franzosen Wert auf Status und Titel. Geschäftspartner werden niemals gedutzt, außer es wird angeboten. Außerhalb Paris werden die Geschäftspartner selten Englisch sprechen. Daher sollte ein Dolmetscher hinzugezogen werden, vor allem für die schriftliche Kommunikation. Denn Franzosen sind Rechtschreibfehler verhasst. Trotzdem sollte man versuchen ein wenig Französisch zu sprechen, denn die Geschäftspartner werden das hoch anrechnen. In Frankreich ist es wichtig flexibel zu sein. Die Reihenfolge von Meetings wird zum Beispiel selten eingehalten, die Pünktlichkeit ebenso. Trotzdem sollte man selber pünktlich erscheinen. Bei privaten Einladungen dagegen empfiehlt es sich eine Viertelstunde später zu erscheinen, um den Gastgeber nicht in Bedrängnis zu bringen.
Tabus
Es gibt bestimmte Gesten, die vermieden werden sollten, zum Beispiel: mit der Handfläche auf die Faust klopfen, bedeutet Sex haben. Mit den Fingern auf das Innen-Handgelenk zu klopfen, heißt Blau zu machen. Außerdem wird es nicht gern gesehen, die „Italienische Ellenbogen Geste“ zu machen. Dabei wird die linke Hand in die Ellbogenkrümmung des rechten Arms gelegt. In Frankreich wird diese Geste als Verpiss dich verstanden.
Sonstiges
Als Gastgeschenk sollte man keine Chrysanthemen mitbringen, da sie in Frankreich zu traurigen Anlässen überreicht werden. Rote Rosen sollten nur geschenkt werden, wenn sie die Liebe zu einer Person ausdrücken sollen. Ansonsten wird es als unangebracht gesehen. Ein Haushaltsgerät als Geschenk für eine Frau kann als Anspielung auf ihre soziale Position gewertet werden.
Als Gastgeschenk eine Flasche Wein mitzubringen, deutet für den Gastgeber an, dass er nicht in der Lage ist einen Wein anzubieten. Außer man erklärt dem Gastgeber, dass er diesen Wein unbedingt einmal probieren sollte.
Nach dem Betreten eines Hauses, wird zuerst gefragt, ob man seine Jacke ablegen kann. Einen offenen Regenschirm im Haus zu halten, wird als schlechtes Omen angesehen. Der Hut sollte nicht auf das Bett gelegt werden, da Franzosen oft abergläubisch sind und dies als unheilverkündend betrachet wird.
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