Auslands-Knigge Türkei
Kommunikation
In der Türkei begrüßt man sich per Handschlag, unter Freunden und Bekannten ist auch ein Küsschen rechts und links auf die Wange üblich.
Frauen werden mit "Bayan" oder "Hamin" (Dame) angesprochen, Männer dagegen mit "Bay". Diese Zusätze folgen auf den Vornamen.
Auf jeden Fall sollten in einem Gespräch Themen zur Kurdenfrage und Einwände gegen die Regierung und Politik vermieden werden.
Positiv hingegen wirkt sich eine Konversation über die Rolle Atatürks als Gründer der Türkei aus oder ein Gespräch über die türkische Geschichte.
Der Erzählstil der Türken ist eher blumig. Aber den Erzählvorgang durch direkte Fragen abkürzen zu wollen, ist kein guter Weg.
Essen und Trinken
Das türkische Essen ist eine Mischung aus der ursprünglichen nomadischen Kochtradition der türkischen Stämme und der indischen, persischen, kurdischen und arabischen Küche.
In der Türkei wird sehr viel Lammfleisch gegessen, aber auch Fisch und Meeresfrüchte sind eine Spezialität. Die bekanntesten türkischen Getränke sind der Ayran (Erfrischungsgetränk aus Joghurt) und der Raki (Anisschnaps). In einem türkischen Restaurant gilt es als besonders unhöflich, wenn man sich am Tisch die Nase putzt. Das ist mit einem Aufstoßen gleichzusetzen. Man sollte aufstehen und sich etwas Abseits vom Tisch die Nase putzen.
Zum türkischen Kaffee wird immer ein Glas Wasser gereicht. Man sollte das Wasser jedoch vor dem Kaffeegenuss trinken und nicht hinterher. Denn durch das Trinken von Wasser wird der Mund gereinigt, damit er die besonderen Kaffeearomen aufnehmen kann. Wenn Tee getrunken wird und man keinen mehr nachgeschenkt bekommen möchte, muss man seinen Löffel quer über die Tasse legen.

Eine Stadt zwischen zwei Kontinenten - Istanbul
In einem türkischen Restaurant wird das Essen in der Regel lauwarm bis kalt serviert. Allerdings haben sich die Lokale in den Touristengebieten darauf eingestellt, das Essen heiß zu servieren.
Im Restaurant ist es üblich, dass eine Person am Tisch für alle übrigen Begleiter bezahlt und nicht jeder für sich.
An Trinkgeld bekommen Kofferträger umgerechnet einen Euro pro Gepäckstück "Bakschisch", Kellner 10 Prozent vom Rechnungsbetrag, Taxifahrer die aufgerundete Summe (höchstens zehn Prozent). Zimmermädchen erhalten ein bis zwei Euro pro Tag.
Kultur
Eine Einladung abzulehnen, gilt als unhöflich. Denn eine Einladung bringt dem Gastgeber nach orientalischer Vorstellung mehr Prestige. Wird man zu einem Türken eingeladen, so bedeutet dies allerdings, dass der Eingeladene zu einer Gegeneinladung oder einem Gastgeschenk verpflichtet ist. Vor dem Betreten der Wohnung sollten die Schuhe ausgezogen werden.
Die Türken sind großzügige Gastgeber und das Essen kann mehrere Stunden dauern.
Wenn man satt ist, sollte man dies auch deutlich äußern und nicht unbedingt das Essen loben, denn dann bekommt man noch mehr auf den Teller.
Reist man zufällig im Fastenmonat Ramadan in die Türkei, so sollte sich auch der Reisende in der Öffentlichkeit mit essen und trinken zurückhalten.
Business
Weibliche Türkeireisende sollten auf eine gewisse Distanz achten und vor allem geschäftliche und private Angelegenheiten nicht vermischen. Insgesamt ist die Kleidung seriös. Die Männer sollten gründlich rasiert sein und die Frauen sollten ein dezentes Make-up tragen und einen nicht zu kurzen Rock wählen.
Teamarbeit ist in der Türkei noch nicht weit verbreitet. Chefs sollten nicht zu viel Sympathie den Untergebenen gegenüber zeigen, da Anweisungen sonst nur als unverbindliche Möglichkeit angesehen werden könnten.
Pünktlichkeit wird immer wichtiger, obwohl dies bisher lockerer gesehen wurde.
Tabus
In der Türkei sollte man nicht oben ohne baden oder in der Sonne liegen, denn Nacktheit gilt in der Religion der Türken als Sünde.
Küssen und ähnlicher Austausch von Zärtlichkeiten sind in der Öffentlichkeit nicht gern gesehen.
Das in Deutschland als "OK" bekannte Zeichen, den Daumen und Zeigefinger zu einem Kreis formen, gilt in dem Land am Bosporus als Beleidigung.
Sehr abfällig werden bei Frauen auch unrasierte Achseln und Beine betrachtet.
Frauen sollten in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Restaurants nie neben Männern sitzen.
Bettelnden Kindern sollte man in der Türkei, so hart es auch klingt, kein Geld geben, da sich sonst niemand um eine Schulbildung für die Kinder bemüht und sie so zu Berufsbettlern werden. Bei alten und kranken Menschen, die betteln, ist es aber anders.
In Restaurants, Kinos, Theatern, Stadtbussen und Dolmussen (Sammeltaxis) darf nicht geraucht werden.
Sonstiges
Vor dem Betreten einer Moschee müssen die Besucher die Schuhe ausziehen. Die Kleidung muss, bei Männern und Frauen, die Schultern und Knie bedecken. Frauen müssen dazu noch ihre Haare mit einem Kopftuch verhüllen. Des Weiteren sollte man vermeiden an einem Freitag eine Moschee zu besichtigen, da das der Hauptgebetstag der Moslems ist. Generell sollte die Moschee während eines Gebets nicht betreten werden.
Im Reisegepäck sollte immer eine kleine Taschenlampe vorhanden sein, denn es kann mitunter zu Stromausfällen kommen.
Hart bestraft wird der Erwerb, Besitz und die Ausfuhr von "Kultur- und Naturgütern", da diese als staatliches Eigentum gelten. Auch Touristen sind vor einer Strafe (Freiheitsstrafe oder hohe Kautionen) nicht gefeit. Es sollten daher grundsätzlich keine Antiquitäten, alte Münzen, Steine oder Ähnliches gekauft bzw. mitgenommen werden.
In der Vergangenheit kam es in der Türkei zu Sprengstoffanschlägen. Aus diesem Grund sind die Sicherheitsvorkehrungen in dem Land auf einem hohen Niveau. Dennoch wird Türkeireisenden zu Vorsicht geraten.


