Auslands-Knigge Mexiko
Kommunikation
Zur Begrüßung schüttelt man sich die Hände und lächelt dabei. Begrüßt man eine Gruppe, muss man jedes Mitglied einzeln ansprechen. Männer spricht man mit Señor, Frauen mit Señorita, verheiratete Frauen mit Señora an. In Mexiko ist es immer üblich, dass man sein Gegenüber siezt. Jemanden einfach mit dem Vornamen anzusprechen ist ein Tabu. Wichtig ist auch, dass man sein Gegenüber mit dem korrekten Titel anspricht. Englisch ist keine besonders beliebte Sprache in Mexiko, besser ist es, wenn man vor der Reise wenigstens einige Brocken Spanisch lernt. Selbst wenn man die Sprache schlecht spricht, wird der Versuch, sich mit der Sprache auseinander zu setzen wohlwollend aufgenommen. Da vieles in Mexiko etwas langsamer geht, als man es in Deutschland gewöhnt ist, sollte man auf seine Tonlage bedacht sein. Hektisch zu sprechen wird leicht als aggressives Drängeln verstanden. Das gleiche gilt für Hände, die man auf die Hüften legt. Seine Hände in die Taschen zu stecken, gilt als unhöflich. Wenn Mexikaner keinen Augenkontakt halten, ist dies ein Zeichen von Respekt und keine Beleidigung. Während einer Unterhaltung steht man dicht beieinander. Vom Anderen wegzurücken, kann als Unhöflichkeit ausgelegt werden. Eine regelrechte Beleidigung ist es, wenn man eine Unterhaltung dadurch beendet, dass man betont, man habe noch andere Termine. Eine weitere Beleidigung ist ein direktes „Nein.“ Eine Ablehnung sollte immer höflich umschrieben werden.
Essen und Trinken
Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte auf folgende Speisen verzichten: Gusano de Maguey (Agavenwurm), Chapulines (Heuschrecken) , Escamoles (Ameiseneier) und Ahuautles (Moskitolarven). Frühestens um 14.00 Uhr beginnt das Mittagessen, das meist eine ausgiebige Mahlzeit ist. Beim Essen behält man die Handgelenke am Tischrand und achtet darauf, dass die Hände immer sichtbar sind. Bei einer privaten Einladung setzt man sich nicht einfach, sondern wartet, bis einem ein Platz zugewiesen wird. Es wird als höflich angesehen immer einen kleinen Rest auf dem Teller liegen zu lassen.Im Restaurant (wie auch bei allen anderen Serviceleistungen) gibt man immer Trinkgeld, da dies für manche Familien die Lebensgrundlage bildet. 10 bis 15% Trinkgeld sind der übliche Satz. Dieses Trinkgeld ist nicht im Rechnungsbetrag enthalten und wird deswegen auf jeden Fall bezahlt.
Ein Maya Tempel
Kultur
In Mexiko gelten noch viele Umgangsformen, die man in Deutschland vielleicht als altmodisch abtun würde. Wenn eine Dame an den Tisch tritt, stehen die Herren auf. Verabredet sich ein Mexikaner und sagt, wir treffen uns das nächste Mal bei dir, dann meint er damit ein Treffen bei sich. Pünktlichkeit spielt bei privaten Einladungen eine weniger große Rolle, eher ist es unhöflich, früh zu gehen. Ist man irgendwo eingeladen, braucht man keine Geschenke mitzubringen. Möchte man gern eine Kleinigkeit mitbringen sind Süßigkeiten, Blumen oder Kunstgegenstände aus der Heimat geeignet. Verschenkt man Blumen, sollte man darauf achten, dass gelbe Blumen den Tod repräsentieren und rote für das Aussprechen von Zaubern stehen. Weiße Blumen gelten dagegen als aufmunternd. Gegenstände aus Silber werden nicht verschenkt. Vor allem direkt nach dem Essen sollte man noch etwas bleiben. Es wird sehr viel Wert auf adrette Kleidung gelegt. Selbst in der größten Hitze ziehen Mexikaner nur am Strand Shorts an. Möchte man jemanden fotografieren, sollte man immer vorher fragen. In einigen Gegenden herrscht noch immer der Glaube, dass man durch ein Foto in die Seele eines Menschen schauen kann. Mexiko ist ein zutiefst religiöses Land. In einer Kirche während einer Zeremonie zu fotografieren, verletzt diese religiösen Gefühle. Kinder werden ganz besonders geschätzt. Sie dürfen absolut alles. Sich über lärmende Kinder zu beschweren, wird nicht gern gesehen und ist überflüssig. In Mexiko ist das Tempo langsamer als in Deutschland. Geduld ist ein absolutes Muss. Etwas sofort haben zu wollen und darauf zu pochen, führt meist zum gegenteiligen Ergebnis.
Business
Es wird gern gesehen, wenn man vorher versucht, eine Beziehung zu dem Geschäftspartner aufzubauen. Am besten funktioniert dies bei einem ausgedehnten Mittagessen. Allerdings wird bei diesem Essen kaum über Geschäftliches gesprochen. Jeder Mexikaner spricht gern über seine Familie. Kinder sind also ein gutes Einstiegsthema für eine Unterhaltung. Als Frau darf man einen männlichen Geschäftspartner nur dann einladen, wenn andere Männer zugegen sind. Im Geschäftsleben ist Englisch allgemein akzeptierte Umgangssprache, doch Spanischkenntnisse werden hier ebenso gern gesehen. Ist Unpünktlichkeit im Privatleben kein Problem, sollte man bei geschäftlichen Terminen immer rechtzeitig erscheinen, umgekehrt aber nicht erwarten, dass der Geschäftspartner ebenso pünktlich auftaucht. Unter Umständen muss man einige Zeit warten. Das darf man dem Anderen aber nicht anlasten. Jeans werden niemals getragen, sie gelten immer als unangemessen. Geschenke sind nicht erforderlich. Möchte man unbedingt etwas verschenken, werden kleine Werbegeschenke mit dem Firmenlogo gern angenommen. Hierarchien werden in Mexiko ernst genommen, man sollte Vorgesetzten gegenüber also Respekt zeigen.
Tabus
Frauen bezahlen niemals eine Rechnung. Man sollte als Frau auch nicht darauf bestehen, das zu tun, weil dies als höchst beleidigend empfunden wird. Ebenso falsch ist es, eine Einladung auszuschlagen. Dienstpersonal herablassend zu behandeln, gilt als extrem unhöflich und hat zur Folge, dass man nicht weiter bedient wird. Arrogantes oder aufschneiderisches Verhalten sollte man grundsätzlich unterlassen. Seinen Reichtum zur Schau zu stellen, lockt Diebe an. Tabuthemen im Gespräch sind: Der mexikanisch-amerikanische Krieg, Armut, illegale Einwanderer und Erdbeben. Ein weiteres Tabu ist es, Zeigefinger und Daumen zu einem Ring zusammenzuschließen. Dieses Zeichen ist in Mexiko anstößig.
Sonstiges
Schreibt man den Namen eines Anderen auf, benutzt man dafür niemals rote Tinte. Wenn Mexikaner etwas nicht wissen, geben sie dies in der Regel nicht zu. Fragt man also nach dem Weg, kann es sein, dass man eine falsche Wegbeschreibung erhält, weil der Beschreibende zu stolz war, um zuzugeben, dass er den Weg nicht kannte.


