Auslands - Knigge Chile
Chile ist das längste Land der Welt. Wie man sich dort angemessen benimmt, könnt ihr hier nachlesen.
Kommunikation
Üblicherweise begrüßt man sich mit einem festen Handschlag und einem Lächeln. Dabei hält man Augenkontakt. Freunde küssen oder umarmen sich. In einer Gruppe muss jeder einzeln begrüßt werden. Wie viele Südamerikaner, benutzen die Chilenen den Nachnamen des Vaters und der Mutter. Der des Vaters steht an erster Stelle und wird während einer Unterhaltung benutzt. Bei der Anrede werden auch Titel benutzt. Wenn sie sich unterhalten, stehen Chilenen normalerweise dicht beieinander. Jemanden zu unterbrechen ist normal und wird nicht als unhöflich angesehen. Chilenen sehen dies mehr als Interesse am Erzählten. Kritik wird niemals direkt ausgesprochen, sondern immer höflich umschrieben. Gute Smalltalkthemen sind Kinder und Familie, die Osterinseln und die Geschichte des Landes. Chilenen freuen sich, wenn man sie nach ihren Hobbies fragt. Allzu persönliche Fragen hingegen, gelten als unhöflich.
Santiago de Chile
Essen und Trinken
Die Tischsitten unterscheiden sich kaum von europäischen Gewohnheiten. Trotzdem gibt es eine Reihe von Verhaltensregeln, die beachtet werden müssen: Man setzt sich nicht einfach hin, sondern wartet, bis einem ein Platz zugewiesen wird. Die Frauen setzen sich zuerst. Die Gastgeberin eröffnet das Essen. Der erste Toast wird vom Gastgeber ausgesprochen. Man darf erst etwas trinken, wenn dieser Toast ausgesprochen worden ist. Während des Essens werden die Hände immer oberhalb des Tisches behalten, die Handgelenke werden am Tischrand abgestützt. Wein wird immer mit der rechten Hand eingeschenkt. In Chile unterhält man sich normalerweise während des Essens. Wenn man spricht, sollte man es vermeiden, dabei das Besteck in der Hand zu halten. Wird man dazu aufgefordert, einen Nachschlag zu nehmen, sollte man dies zunächst dankend ablehnen. Erst bei der zweiten Aufforderung nimmt man an. Man sollte sich aber nicht mehr nehmen, als man essen kann, da es als höflich angesehen wird, wenn man seinen Teller leer isst. Sofort nach dem Essen zu gehen, gilt als unhöflich. Im Restaurant hebt man den Finger, um die Aufmerksamkeit des Servicepersonals auf sich zu lenken. Auf der Straße und im Gehen zu essen, gilt als schlechtes Benehmen. Obwohl im Rechnungsbetrag bereits 10% Trinkgeld enthalten sind, erwarten Kellner, dass man ihnen noch einmal 10% Trinkgeld gibt.
Kultur
Religion spielt in der chilenischen Kultur eine große Rolle. Die meisten Chilenen sind römisch – katholisch und sehr gläubig. Religion beeinflusst auch die Gesetzgebung. Ein Beispiel dafür ist, dass Scheidungen bis 2004 illegal waren . Es existiert ein ausgeprägtes Klassensystem und die Chilenen aus höheren Klassen legen Wert darauf, dass man ihren Status schon an ihrer äußeren Erscheinung erkennen kann. Zu einer privaten Einladung bringt man einige Standardgeschenke wie Blumen oder Süßigkeiten mit. Es wird gern gesehen, wenn man Blumen im Voraus verschickt. Von gelben Rosen ist allerdings abzuraten, sie stehen für Verachtung. Dunkelrote Blumen symbolisieren den Tod und werden ebenfalls nicht verschenkt. Scheren und Messer bedeuten, dass man die Beziehung durchtrennen will. Ist man zu einem normalen Essen eingeladen, kommt man mindestens 15 Minuten zu spät, bei einer Party sind es sogar mindestens 30 Minuten.
Business
Familienkultur spielt in Chile eine große Rolle. Das wirkt sich auch auf das Geschäftsleben aus. Viele kleinere Betriebe werden von Familien geführt und „Vetternwirtschaft“ ist in Chile ein positives Konzept. Die chilenische Kultur ist allgemein auf persönliche Beziehungen ausgerichtet. Chilenische Geschäftspartner werden einen also immer erst kennnenlernen wollen. Die ersten Gesprächsthemen werden dementsprechend persönlicher Natur sein. Vom Business spricht man erst dann, wenn die chilenischen Geschäftsfreunde es tun. Im Geschäftsleben gilt folgender Dresscode: Dunkelblauer oder grauer Anzug mit Krawatte. Für Männer. Frauen tragen Anzug und hohe Absätze. Niemals etwas mit Aufschlag tragen. Geschenke sind nur dann üblich, wenn die Geschäftsbeziehung schon sehr eng ist. Pünktlichkeit wird immer erwartet, selbst wenn die Chilenen selbst etwa 15 Minuten zu spät kommen könnten.
Tabus
Seine Handfläche nach oben zu strecken und dabei die Finger zu spreizen, bedeutet, dass man sein Gegenüber für dumm hält. Die rechte Faust in die Handfläche der linken Hand zu schlagen, wird als obszön angesehen. Die rechte Faust auf Kopfhöhe anzuheben gilt als kommunistisches Zeichen und wird nicht gern gesehen. Man sollte in einer Unterhaltung die Themen Politik und Menschenrechte nicht anschneiden. Da Chilenen sehr patriotisch sind, sollte man davon Abstand nehmen, das Land offen zu kritisieren. Chilenen und Argentinier miteinander zu verwechseln ist ebenfalls inakzeptabel, da diese Länder keine guten Beziehungen pflegen.
Sonstiges
In Chile herrscht in fast allen Zusammenhängen ein konservativer Kleidungsstil vor. Allzu bunte und ausgefallene Kleidung wird fast immer kritisch beäugt. Davon ist also abzuraten. Betritt eine Frau den Raum, wird es als höflich angesehen, wenn Männer aufstehen und darauf warten, dass sie die Hand zur Begrüßung ausstreckt. Chilenen haben nicht nur einen ausgeprägten Nationalstolz sondern interessieren sich auch sehr für fremde Kulturen. Es lohnt sich, Fotos und Bilder aus der eigenen Heimat mitzubringen, denn die Chilenen werden daran mit Sicherheit Interesse zeigen. Es ist illegal, etwas zu verkaufen und keine Quittung dafür auszugeben. Wenn man raucht, ist es höflich, den Umstehenden auch Zigaretten anzubieten.


