Auslands-Knigge Brasilien
Kommunikation
Mit Englisch und Deutsch kommt man in Brasilien nicht weiter. Selbst Spanisch ist eher hinderlich als hilfreich, da Brasilianer sich nicht als Hispanics verstehen und es daher nicht mögen, auf Spanisch angesprochen zu werden. Rudimentäre Portugiesischkenntnisse sind also erforderlich. Wenn Männer sich treffen, schütteln sie die Hände und halten dabei Augenkontakt. Frauen küssen sich in der Regel auf die Wangen. Freunde umarmen sich meist. Möchte man als Frau einen Mann per Handschlag begrüßen, muss man die Hand zuerst ausstrecken. Trifft man auf eine Gruppe, muss man jeden für sich begrüßen. Einen Einzelnen vor einer Gruppe zu kritisieren führt dazu, dass der Betroffene und man selbst sein Gesicht verliert, weil man den Anderen gedemütigt und sich selbst nicht an eine Grundregel brasilianischer Kommunikation gehalten hat. Kritik sollte man sowieso nur indirekt und höflich verpackt äußern. In Brasilien ist es überhaupt kein Problem, wenn alle durcheinander reden. Es gilt nicht als unhöflich, andere zu unterbrechen. Gute Smalltalkthemen sind das Land Brasilien, Sport und Karneval.
Christus-Statue von Rio de Janeiro
Essen und Trinken
Bei einem größeren Essen wird man offiziell begrüßt, worauf man antworten muss. Bei einer Einladung ins Restaurant zahlt der Einladende. Der übliche Satz für Trinkgeld beträgt 10%. Während des Essens zu rauchen, ist unhöflich. Sich zu betrinken ist ein großer Faux-Pas und wird nicht gern gesehen.
Kultur
Private Einladungen werden häufig ausgesprochen. Ist man dennoch privat eingeladen, bringt man der Gastgeberin kleine Geschenke mit. Blumen, vor allem Orchideen, werden gern gesehen. Man muss aber darauf achten, dass die Blumen nicht dunkelrot sind. Dies ist in Brasilien eine Trauerfarbe. Halstücher werden ebenfalls mit Tod und Trauer in Verbindung gebracht. Versäumt man es, der Gastgeberin eine Aufmerksamkeit zu schenken, kann man am nächsten Tag noch Blumen überreichen. Ist man zum Abendessen eingeladen, kommt man mindestens 30 Min. zu spät. Zu einer Party kommt man sogar mindestens eine Stunde zu spät. Auf das Aussehen wird in Brasilien viel Wert gelegt. Es kann vorkommen, dass man nach seiner Erscheinung beurteilt wird. Im Zweifelsfall sollte man lieber over – als underdressed sein. Die brasilianische Kultur ist gruppenorientiert. Deswegen sollte man immer darauf achten, dass man nichts sagt oder macht, was dazu führt, dass der Andere sein Gesicht verliert. Außerdem sind Brasilianer patriotisch und stolz auf das, was ihr Land erreicht hat. Am liebsten mögen es Brasilianer, wenn man sich als Gast positiv über ihr Land äußert.
Business
Bei Geschäften möchten Brasilianer ihr Gegenüber gern erst einmal kennenlernen. Der individuelle Ansprechpartner ist ihnen wichtiger als das Unternehmen. Während den ersten geschäftlichen Treffen, spricht man erst dann übers Geschäft, wenn die Brasilianer damit anfangen. Alles Andere gilt als Druck und ist unhöflich. Kommt man das zweite oder dritte Mal zusammen, sind kleine Geschenke angebracht. Nützlich ist es immer, die Sekretärin zu beschenken, da dies zukünftige Arbeitsprozesse beschleunigen kann. Vor einem Treffen ist es ratsam, schriftlich nachzufragen, ob der Termin noch steht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Termine kurzfristig abgesagt oder verschoben werden. Pünktlichkeit wird erwartet. Lassen brasilianische Geschäftspartner einen warten, darf man aber nicht beleidigt sein. Brasilianer sehen Zeit oft als einen unberechenbaren Faktor an. Generell sollte man Konfrontationen vermeiden. Bei der Kleidung sollte man darauf achten, dass man konservativ bleibt. Ein dunkler Anzug mit Krawatte ist immer richtig. Dreiteilige Anzüge werden in Brasilien von männlichen Führungspersonen getragen. Für Frauen sind feminine Anzüge und Kleider erwünscht. Außerdem werden manikürte Fingernägel erwartet. Hierarchien werden ernst genommen, Entscheidungen können meist nur von einer Person getroffen werden. Es ist möglich, dass Ansprechpartner schnell wechseln, da Brasilianer sich beruflich oft verändern.
Tabus
Persönliche Fragen zu stellen gilt als unhöflich. Homosexualität wird öffentlich verachtet. Dieses Thema sollte man also vermeiden. Ebensowenig sollte man Kritik an der Religion oder an einheimischen Kulten üben. Ebenfalls tabu sind die Probleme mit dem Regenwald und der Kinderarbeit. Grün und gelb dürfen nicht zusammen getragen werden. Auch nicht als Muster auf Kleidungsstücken. Die „OK“ - Geste wird in Brasilien als unverschämt angesehen. In der Öffentlichkeit zu gähnen oder sich zu strecken gilt als unhöflich. Außerdem wird in der Öffentlichkeit nicht gegessen.
Sonstiges
Arroganz stößt bei Brasilianern immer auf Ablehnung. Rechthaberei wird als Überheblichkeit ausgelegt. In den meisten öffentlichen Orten ist rauchen verboten.


