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Auslands-Knigge Kanada

Kommunikation

Trifft man jemanden zum ersten Mal gibt man ihm fest (!) die Hand, für Bekannte reicht ein Kopfnicken. Als Frau muss man als Erstes die Hand ausstrecken. Die Begrüßungsfrage „how are you?“ ist eine Standardfloskel. Niemand erwartet darauf eine detaillierte Antwort. Auf ein „thank you“ wird eine Antwort erwartet (z. B. „You're welcome.“). Wichtig ist auch, dass man seinem Gesprächspartner in die Augen sieht. Kritik und Zurechtweisungen kann man zwar äußern, sollte dann aber sehr auf den Ton bedacht sein. Es gilt als unhöflich, das harmonische Miteinander zu stören. Es kann schnell passieren, dass man mit dem Vornamen angesprochen wird. Das sollte man aber nicht als Duzen missverstehen. Die Kanadier haben einfach einen weniger strengen Umgangston als die Deutschen. Mit dem Vornamen angesprochen zu werden, wird als einladende kommunikative Geste verstanden. Ältere Menschen und Autoritätspersonen sollte man solange mit „Mr.“ und „Mrs.“ ansprechen, bis einem das Gegenteil gesagt wird. Das „Victory“ Zeichen wird als Beleidigung aufgefasst, wenn man den Handrücken dabei nach innen dreht. Man sollte sehr sparsam mit Berührungen umgehen. Körperkontakt ist eigentlich nur beim Handschlag erwünscht. Dazu gehört auch, dass man dem Gegenüber einen persönlichen Distanzbereich von etwa 60 cm lässt.

Essen und Trinken

Der Zugang zu Alkohol wird in Kanada streng geregelt. Es gibt ihn nur in speziellen Geschäften. Es ist nicht üblich, dass man zum Mittagessen Alkohol trinkt. In der Öffentlichkeit ist der Genuss von Alkohol generell untersagt. Außerdem wird es nicht gern gesehen, wenn man öffentlich im Gehen isst. Geht man mit Geschäftspartnern essen, sollte man geschäftliche Themen nur ansprechen, wenn die Geschäftsfreunde es tun. Ansonsten wird über Derartiges eigentlich nicht gesprochen. Es wird als unhöflich angesehen, wenn man mit dem Essen beginnt, bevor alle am Tisch etwas zu essen haben. Normalerweise wird das Essen von jemandem eröffnet, z. B. von der ältesten Person am Tisch. Es ist ebenso unhöflich, vor jemand Anderem zu essen und sein Essen nicht zu teilen. Im Restaurant gibt man min. 10% Trinkgeld. Um die Aufmerksamkeit des Servicepersonals auf sich zu lenken, werden keine Gesten benutzt.

Kultur

Einladungen in eine Privatwohnung werden selten ausgesprochen. Möchte man jemanden in Kanada besuchen, sollte man dies vorher ankündigen. Man sollte ein kleines Geschenk mitbringen. Mit Standardgeschenken wie Blumen oder Pralinen liegt man immer richtig. Übertrieben teure Geschenke werden als peinlich empfunden. Es wird im Allgemeinen sehr viel Wert auf Körperpflege und Kleidung gelegt. Dreckige Kleidung ist z. B. ein absolutes Tabu.

Business

Im Geschäftsleben ist die Kommunikation kurz und knapp. Kanadier schätzen es nicht, wenn man lange „herumschwafelt“, ohne zum Punkt zu kommen. Smalltalk und Geselligkeit gehören in einem größeren Umfang zum kanadischen Geschäftsleben als in Deutschland. Bei geschäftlichen Präsentationen darf man ruhig auch etwas Humor zeigen, ohne dass man gleich als inkompetent eingestuft wird. Wichtig ist, dass man sein Produkt selbstbewusst verkauft. Es wird viel Wert auf klassische Kleidung gelegt. Farbliche Experimente sind unerwünscht. Hose und Jackett müssen zusammenpassen. Für Männer besteht Krawattenzwang. Es gilt als unangemessen, wenn Frauen Hosen tragen. In der frühen Phase einer geschäftlichen Beziehung ist es nicht üblich, dass man einen Geschäftspartner in seine Privatwohnung einlädt.

Toronto Hafen
Toronto Hafen

Hat man einen langfristigen Termin vereinbart, ist es ratsam, vor dem Termin noch einmal eine kurze höfliche Email zur Erinnerung abzuschicken. Im Anschluss an die Verhandlungen kann man sich auf demselben Weg noch einmal für die guten Gespräche bedanken. Nach dem erfolgreichen Abschluss eines geschäftlichen Projekts oder Verhandlungen sollte man den Geschäftspartnern ein Geschenk machen.

Tabus

Besonders Quebec ist ein heikles Thema in Kanada: Das französisch-englische Verhaltnis in Kanada wird fast als Nationalsport betrieben. Darüber zu reden oder danach zu fragen ist überhaupt kein Problem. Sätze wie "I hear Quebec wants to leave Canada", sind aber nicht unbedingt gern gesehen. Zum einen ist Kanada eine Demokratie und würde Quebec sich abspalten wollen, wäre das wohl schon längst geschehen, außerdem sind 88% der Kanadier insgesamt dafür Französisch sowie Englisch als Landessprachen zu haben. So können sie wenigstens deutlich machen, dass sie sich von den USA unterscheiden. Übrinens: Quebec ist nicht die einzige französischsprachige Provinz. Auch in Nouveau Brunswick leben französischsprachige Kanadier. Insgesamt wohnen 20% aller französischsprachigen Kanadier außerhalb Quebecs.

Man sollte Kanada auch nicht mit den USA vergleichen, Kanadier sehen sich selbst kulturell eher den Briten zugehörig. Es werden keine weißen Lilien und keine Chrysanthemen verschenkt. In öffentlichen Gebäuden wird grundsätzlich nicht geraucht. Im Arbeitsbereich ist es ein Tabu, andere nach ihrem Gehalt zu fragen In manchen Firmen ist dies sogar verboten. In Kanda legt man großen Wert auf „political correctness.“ Auf diesem Gebiet sollte man nicht ins Fettnäpfchen treten. Das bedeutet, dass man keine Witze oder beleidigende Äußerungen über andere Religionen oder Ausländer machen sollte. Kanada ist ein Einwanderungsland mit einer enormen ethnischen Vielfalt und deswegen sehr um Toleranz anderen Kulturen gegenüber bemüht. Selbst wenn jemand aus einer anderen ethnischen Gruppe anfängt, Witze über seine Herkunft zu machen, sollte man sich dem nicht anschließen.

Sonstiges

In Quebec-dem französischsprachigen Teil Kanadas-unterscheiden sich einige Umgangsformen gravierend von denen des englischsprachigen Teils. Kulturell sehen sich die Franko-Kanadier mehr in Verwandtschaft mit den Franzosen. Beispielsweise beim Thema Kommunikation ist das Verhalten der frankophonen Bevölkerung ganz gegensätzlich zu dem des anglophonen Teils. Über eventuelle Unterschiede sollte man sich genau informieren. Generell gilt, dass der französisch geprägte Teil Kanadas ähnlichen Wert auf die Basics des guten Benehmens legt und dass es keinen Unterschied darüber gibt, was die Grundwerte des sozialen Miteinanders anbetrifft.

Sprache

Wie auch die Neuseeländer, Australier und Amerikaner haben die Kanadier eine ganze Reihe Eigenheiten in die englische Sprache einfließen lassen. So wird zum Beispiel in Kanada jeder zweite Satz mit einem "eh?" beendet (Bsp.: "Germany's a long way away, eh?"). Diese Endung entspricht mehr oder weniger dem deutschen Wort "oder?" wird aber wesentlich häufiger verwendet. Ist man in Kanada ist es -im Gegensatz zu bestimmten Ausdrücken im Australischen- gar kein Problem diese Eigenart zu imitieren. Es klingt natürlicher für einen Kanadier und sie sind sogar sehr stolz darauf. T-Shirts mit der Aufschrift "Canadian, eh?" zeigen das. Eine zweite Besonderheit des kanadischen Englisch ist die Aussprache von "ou" was eher wie "oh" oder "u" klingt. "Out and about in a boat" wird dann zu "Oht an aboht in a boht".

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