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Auslands-Knigge Südafrika

Kommunikation

In Südafrika nennt man sich schnell nach der ersten Kontaktaufnahme beim Vornamen. Das Begrüßungsritual hingegen ist sehr knapp. Es besteht nur aus einem kurzen Händedruck. Ein afrikanischer Partner wird mitunter drei aufeinanderfolgende Handschläge anbieten, zuerst den üblichen europäischen, dann einen mit aufgestellter Hand und wieder den europäischen. Dies ist Ausdruck einer besonderen Wertschätzung. Frauen werden von Männern nicht unbedingt mit Handschlag, sondern mitunter nur mit einem freundlichen Kopfnicken begrüßt.

Die Südafrikaner, die in den Städten leben, sprechen fast alle neben ihrer Muttersprache auch noch Englisch oder Afrikaans. Kleine Bevölkerungsgruppen sprechen immer noch Khoisan. Das ist zwar keine offizielle Sprache, aber eine der weiteren acht anerkannten Landessprachen. Wer etwas Schriftliches mit nach Afrika bringt, sollte es in Englisch verfassen. Denn Schriftstücke auf Deutsch werden gar nicht erst gelesen und landen oft im Mülleimer.

Der Tafelberg in Kapstadt
Der Tafelberg in Kapstadt
Es ist unüblich teure Geschenke mitzubringen.

Bestimmte Gesprächsthemen wie Rassismus, Religion oder die afrikanische Politik sollten vermieden werden. Genauso ist es ratsam sich eher zurückzuhalten und nicht alles besser zu wissen, da die Afrikaner sehr stolz auf ihre Infrastruktur und ihre industriellen Errungenschaften sind. Daher werden sie nicht gerne auf ihre Unzulänglichkeiten hingewiesen. Außerdem sollte man mit Witzen aufpassen, da unterschiedliche Bevölkerungsgruppen auch verschiedene Sachen lustig finden. Beliebte Gesprächsthemen sind Sport, die schöne Landschaft Südafrikas oder Autos. Allerdings sollte man beim Thema Auto beachten, dass die Südafrikaner keinen Europäer, der einen Mittelklassewagen fährt, für erfolgreich halten.

Essen und Trinken

Die südafrikanische Küche wird von so vielen kulturellen Einwirkungen beeinflusst, dass es dementsprechend auch eine große Auswahl an internationalen Restaurants und Speisen gibt. Der Schwerpunkt in der traditionellen südafrikanischen Küche liegt auf Fleischgerichten aller Art, woraus sich auch eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Südafrikaner entwickelt hat: das Grillen (Afrikaans: Braii). Auch wenn man das Wort „Braii“ gar nicht wortwörtlich übersetzen kann. Die Küche der südafrikanischen Bevölkerung ist dominiert von schlichten Gerichten. Ein Beispiel dafür ist „Millie Pap“, eine Art Maisbrei, der eher in den ärmeren Bevölkerungsschichten gegessen wird. Eine weitere Spezialität ist „Biltong“, eine Art getrocknetes Fleisch vom Rind oder Wild, das in Südafrika oft als Snack zum Bier gereicht wird. Das "Braaien" ist ausschließlich Männersache und wird zelebriert. Aus westeuropäischer Sicht wird das Braaigut über eher kleiner Hitze gegart oder im geschlossenen Braaigerät geräuchert, was zu einer relativen Austrocknung des Fleisches führt. Der ausländische Besucher sollte jede Bemerkung, die als Kritik interpretiert werden könnte, vermeiden.

Südafrika entwickelt sich zu einem großen Weinproduzenten, da sich in den Tälern von Stellenbosch, Franschhoek und Paarl einige der besten Weingüter der Welt befinden.

Wer in Südafrika Essen gehen möchte, sollte wissen, dass es ratsam ist, rechtzeitig einen Tisch zu reservieren. Außerdem sollte man als Gast immer darauf warten, dass man an den Tisch gebracht wird. Es ist üblich zehn Prozent Trinkgeld zu geben. In Südafrika kann man in allen Restaurants seinen eigenen Wein mitbringen. Dafür wird von dem Restaurant eine Corkage Gebühr berechnet, die meistens zwischen zehn und fünfzehn Rand pro Flasche beträgt. Wenn man in Verbindung mit einem Restaurant BYO (Bring your own) hört, bedeutet dass das man sich seinen eigenen Wein mitbringen darf. Allerdings wird in den Supermärkten generell kein Alkohol verkauft. Verabredungen werden am liebsten am Mittag getroffen oder zum Frühstück, da die Afrikaner gerne früh schlafen gehen. Rauchen ist nur im Freien oder in speziellen Raucherzimmern gestattet. Trinksprüche sind ebenso unüblich wie eine Tischrede, welche nur bei besonderen Anlässen angebracht ist.

In Südafrika wartet man bei einem formellen Essen bis der Gastgeber die Gäste zum Essen auffordert oder selbst mit dem Speisen beginnt. Allerdings kann mit dem Trinken sofort begonnen werden, den ein „Prost“ vom Gastgeber ist sehr ungebräuchlich. Bei Tisch wird immer wieder nachgeschenkt. Beim Mittagessen hält man sich mit dem Alkohol eher zurück, wogegen beim Abendessen mitunter viel getrunken wird.

Kultur

Aufgrund der ethnischen Vielfalt und der historischen Entwicklung hat Südafrika keine einheitliche Kultur. Die Sitten und Gebräuche unterscheiden sich je nach Region und Bevölkerungsstruktur. Deshalb wird Südafrika heute oft als Regenbogennation bezeichnet. Ein beträchtlicher Teil der dunkelhäutigen Bevölkerungsmehrheit lebt immer noch in ländlichen und ökonomisch schwachen Gebieten. Dort herrscht immer noch sehr große Armut. Hier werden besonders die traditionellen Riten mit Tanz und Musik gepflegt und weiter geführt. Denn mit der zunehmenden Verstädterung und Europäisierung gehen immer mehr Traditionen verloren.

Die weiße Bevölkerungsminderheit in Südafrika hat teilweise die selben Lebensgewohnheiten, wie auch die Menschen in Ozeanien, Nordamerika oder Westeuropa. Frühere Feindseligkeiten zwischen Afrikaner und englischen Siedlern sind inzwischen ausgeräumt. Nun herrscht ein friedliches Miteinander dieser beiden Volksgruppen.

Kapstadt
Kapstadt
In Südafrika gibt es viele gesetzliche Feiertage, die teilweise mit unseren übereinstimmen, wie zum Beispiel Weihnachten. Sollte einer dieser Tage auf einen Sonntag fallen, ist der darauf folgende Montag ein Feiertag. Die Südafrikaner benutzen oft die Sätze „Das machen wir schon“ oder „kein Problem“. Von der Erfüllung dieser Aussagen sind viele Südafrikaner auch fest überzeugt, aber nachher stellen sich diese Versprechen oft als unhaltbar heraus.

Business

In Südafrika ist es durchaus üblich, dass der Chef der Auszubildenden die Tür aufhält. Diese Geste ist ein gutes Beispiel für die Zuvorkommenheit, die im unternehmerischen Hierarchiegefüge hervorzuheben ist. Da es in der alten Stammestradition nicht erlaubt ist den Häuptling oder Älteren zuerst anzusprechen, darf dieser nie zuerst gegrüßt werden. Das unterscheidet sich jedoch auch immer wieder von Ort zu Ort, da die Zusammensetzung der unterschiedlichen Gruppen in allen Teilen Südafrikas anders aufgeteilt ist. So sind auch die Gesprächspartner oft sehr unterschiedlich. Einige sind englischen Geschäftsmännern sehr ähnlich und anderen rutscht während des Gespräches auch mal ein „bloody“ heraus. Je nach Betätigungsfeld, Branche oder Rang kleiden sich die südafrikanischen Geschäftsleute unterschiedlich. Die verschiedenen Kleidungsstile reichen von Freizeitkleidung bis hin zu schwarzen Anzügen. Die männlichen Mitarbeiter in großen Bürogebäuden, die oft die Gesprächspartner für ausländische Verhandlungspartner sind, kleiden sich eher konservativ. Die Designeranzüge aus Europa sind nämlich unbezahlbar. Die Frauen kleiden sich im traditionellen englischen Stil. Es wird nicht unbedingt verlangt, dass sich europäische Geschäftspartner der afrikanischen Mode anpassen, allerdings sind Sandalen bei Männer völlig indiskutabel. So sind auch bei größter Hitze Anzug und Schlips erforderlich, das Sakko darf jedoch nach Beginn der Verhandlungen abgelegt werden. Wer mit einem Dolmetscher zu einem Geschäftstermin anreist oder versucht die Verhandlung mit brüchigem Schulenglisch zu führen wird nicht erst genommen.

Tabus

Wer unbedingt mal in ein Township ( armes Dorf mit den sogenannten Wellblechdächer) fahre möchte, sollte dies nicht alleine machen. Nur mit einer geführten Tour darf man sich einen Einblick in das Leben der dortigen Bevölkerung holen.

Man sollte möglichst vermeiden nachts im Dunkeln in Parks oder am Strand Spazieren zugehen, ebenso ist es ratsam dunkle Häusereingänge oder Nebenstraßen zu meiden. Man darf auch keine Anhalter mitnehmen oder anhalten, wenn jemand vorgibt Hilfe zu benötigen, da dies eine gefährliche Falle sein könnte. Außerdem wird davon abgeraten einen der Mini-Busse zu benutzen, da diese Fahrten äußerst unsicher sind. Auch wenn man durch Johannesburg fährt, sollte man die Autofenster und-türen immer geschlossen halten, da es immer noch zahlreiche Fälle von „Carjacking“ (Raub von Taschen oder ähnlichem aus Autos, die zum Beispiel an Ampeln warten) gibt. Wen man ganz sicher sein möchte, ist man besser beraten, wenn man mit einem eingeschalteten Mobil-Telefon unterwegs ist.

Man sollte zudem keine großen Bargeldmengen bei sich haben. Auch die „DigiCam“ und das Handy sollten in der Tasche und nicht offensichtlich herum getragen werden. Die Geldautomaten sollten möglichst nur in Supermärkten und Banken benutzt werden.

Besonders anfällig für Diebe sind touristische Punkte. Wer in der Natur unterwegs ist begibt sich nicht so leicht in Gefahr ausgeraubt zu werden. Auch sollte man sich vor den Kindergangs in den Stadtzentren in Acht nehmen. Außerdem sind Drogen verboten.

Sonstiges

In Südafrika fährt man auf der linken Straßenseite. Überholt wird rechts.

An vielen Kreuzungen und in allen Nebenstraßen gibt es sogenannte Bumper. Das sind teilweise gefährliche Einbauten quer zur Fahrbahn, die bei überfahren mit zu hoher Geschwindigkeit ein Auto von der Straße abbringen können oder das Fahrzeug erhebliche beschädigen können. Die zugehörigen Warnzeichen am Straßenrand sind oft nicht vorhanden oder können leicht übersehen werden bzw. sind bei hoher Geschwindigkeit zu nahe am Hindernis, um noch rechtzeitig und normal die Geschwindigkeit reduzieren zu können.

An den Ampeln findet man immer wieder ein kleines Schild mit „3F“ oder „4F“ Diese Zeichen stehen für die Anzahl der Ampelphasen. Manche Südafrikaner haben nämlich die Angewohnheit auf die Ampelphase der kreuzenden Straße zu achten. Daher lassen sie ihr Fahrzeug schon mal langsam vorrollen, wenn sie erwarten gleich Grün zu haben. Diese Eigenart kann schon mal dazu führen, dass ein Auto mitten auf der Kreuzung steht und ein anderes beim Abbiegen behindert, weil er das Schild übersehen hat. Die Ampelanlagen stehen auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Wenn an einer Kreuzung ein Schild steht auf dem „4S“ steht, wird davor gewarnt, dass sich an allen Einmündungen der Kreuzung Stopp-Schilder befinden. Das bedeutet, dass dort jeder anhalten muss. Wer zuerst an der Kreuzung war, darf auch als erster wieder fahren. Dieses Verhalten ist allerdings sehr gewöhnungsbedürftig. Auch die weißen Striche quer zur Fahrbahn an Einmündungen oder Kreuzungen bedeuten Stopp. Das gilt auch wenn kein entsprechendes Schild vorhanden ist.

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