Auslands-Knigge Ägypten
Kommunikation
Zunächst begrüßt man sich und hält etwas Smalltalk. Selbst,wenn man mit dem Gesprächspartner eine ganz bestimmte Sache besprechen möchte, gilt es als unhöflich, dies direkt zu äußern. Anders als in Deutschland, reicht man bei der Begrüßung als Erstes den Männern die Hand. Über Themen wie Religion und Politik sollte man seine Ansichten lieber für sich behalten. Ein gutes Gesprächsthema hingegen, ist die ägyptische Kultur. Die Einheimischen freuen sich darüber, wenn man als Ausländer Interesse daran zeigt. Bei einer Unterhaltung wird wenig persönlicher Abstand gehalten. Beginnt man in der Öffentlichkeit ein Gespräch mit einem Ägypter, darf man sich nicht wundern, wenn man sich schnell inmitten einer Menschenmenge wiederfindet, in der lebhaft über das Problem diskutiert wird. Essen und Trinken
Bei einem privaten Essen sollte man seinen Teller nur leer essen, wenn man noch einen Nachschlag möchte. Ansonsten wird einem der Teller so lange wieder aufgefüllt, bis man einen Rest über lässt. Der Gasgeber wird aber auch dann noch mehrere Male fragen, ob man wirklich satt ist. Während des Essens darf man sich nicht die Nase putzen. Ansonsten variieren die Tischsitten von Gegend zu Gegend und man sollte sich an das Vorbild der Gastgeber halten. Wenn kein Besteck angeboten wird, benutzt man stattdessen üblicherweise das mitgereichte Fladenbrot zum Essen. Da Moslems keinen Alkohol trinken, kann es unter Umständen negativ auffallen, wenn man selbst welchen trinkt. Im Zweifelsfall lieber vorher fragen. Schweinefleisch gilt als unrein und wird von keinem religiösen Moslem gegessen. Nach dem Essen gleich zu gehen, ist unhöflich. Gern gesehen wird es hingegen, wenn man der Köchin Komplimente macht und Interesse an ihren Rezepten bekundet. Wenn man im Restaurant isst, muss man nur Trinkgeld geben, wenn man mit dem Service wirklich zufrieden war. Dann sind 10% des Rechnungsbetrages der übliche Satz.
Kultur
Religion spielt in Ägypten eine sehr große Rolle und beeinflusst das Alltagsleben maßgeblich. Die meisten Ägypter sind Moslems, aber es gibt auch relativ viele Christen, besonders koptische Christen sind verbreitet. Ägypter geben gern Auskunft, wenn man sie nach etwas fragt. Nach einer Wegbeschreibung gefragt, würde ein Ägypter es nicht zugeben, wenn er keine Ahnung hat, wo`s langgeht und lieber eine falsche Beschreibung abgeben, als gar keine. Deswegen ist es ratsam, mehrere Ägypter nach dem Weg zu fragen. Wird man von einem Ägypter zum Essen eingeladen, ist das zunächst nicht ernst gemeint und man sollte die Einladung ausschlagen. Erst nach der dritten Einladung muss man zusagen. Betritt man dann das Haus eines Gastgebers ist es höflich, ein Geschenk dabei zu haben. Bevorzugt werden hier Süßigkeiten aller Art. Kindern kann man auch kleine Geldgeschenke machen. Blumen hingegen kommen vor allem bei traditionellen Ägyptern nicht gut an, sie sind eher passend für Beerdigungen. Ägyptische Gastgeber bieten einem gern großzügige Geschenke an- erwarten aber nicht, dass diese auch angenommen werden. Erhält man ein kleines Geschenk, sollte man darauf achten, es mit der rechten Hand oder mit beiden Händen anzunehmen. Die linke Hand gilt bei Muslimen als unrein und darf nicht gezeigt werden. Muss man eine Einladung absagen, sollte man den Termin nur verschieben. Den Gastgeber endgültig zu versetzen, ist eine Beleidigung. Außerdem wird erwartet, dass man die Einladung in irgendeiner Form vergilt, z.B. durch ein Essen im Restaurant. Es kann sein, dass einem ganz absurde Dienstleistungen aufgedrängt werden. Weil Betteln verpönt ist, wird dann ein Obulus für diese „Gefallen“ erwartet. Dies sollte man aber verweigern. Möchte man einem Bettler etwas geben, tut man dies versteckt, um den Bettler nicht bloßzustellen. Taxi und Minibusfahrer erhalten kein Trinkgeld. Gastfreundschaft ist den Ägyptern sehr wichtig, aber sie erwarten dafür auch, dass sich der Gast respektvoll verhält. Obwohl ausländische Frauen nicht den gleichen Restriktionen unterliegen wie die Einheimischen, kann es passieren, dass sie gebeten werden, sich in einer Schlange von den Männern getrennt anzustellen oder dass sie aufgefordert werden, sich im Bus nach vorne zu den anderen Frauen zu setzen. Auch in der U-Bahn ist der erste Wagen in der Regel den Frauen vorbehalten. Als Mann darf man eine unbekannte ägyptische Frau nicht ansprechen. Das ist ein Verstoß gegen die Etikette.
Business
Titel und Hierarchien werden in Ägypten sehr ernst genommen. Vorgesetzen gegenüber muss man sich dementsprechend respektvoll verhalten.
Tabus
Man sollte es unterlassen mit seinen Fingerspitzen zu spielen. Das ist eine Beleidigung. Weiterhin zeigt man nicht seine nackten Fußsohlen. In der Öffentlichkeit werden nie Zärtlichkeiten ausgetauscht. Die Schönheit eines Kindes übermäßig zu loben, weckt im Glauben der Ägypter böse Geister. Dies gilt auch wenn man die Anzahl einer kinderreichen Familie an den Fingern abzählt. Verschleierte Frauen mögen nicht als Fotomotiv herhalten. Das gilt sogar für Brücken, Flughäfen und Bahnhöfe, den Suezkanal und für betende Moslems. Denen darf man übrigens auch nicht vor die Füße laufen, weil deren Gebet dadurch an Gültigkeit verliert und wiederholt werden muss. Auf keinen Fall sollte man irgendein Verhalten an den Tag legen, das nach religiöser Bekehrung aussieht. Das ist in Ägypten strafbar.
Sonstiges
Auch wenn die Temperaturen steigen, muss man immer darauf aufpassen, dass man nicht zu luftig bekleidet ist. Das ist besonders für Frauen sehr wichtig- zu luftige Kleidung ist für das weibliche Geschlecht verpönt. Aber auch Männer dürfen sich nicht in kurzen Hosen zeigen.


