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UNO-Studie zur weltweiten Migration

Die Freiheit, auszuwandern und seinen Wohnsitz selbst zu bestimmen, ist ein Menschenrecht und bringt zudem Vorteile sowohl für das Zielland, als auch für das Herkunftsland des Migranten. Trotzdem bleibt gerade den Bevölkerungen der ärmsten Nationen diese Mobilität verwehrt. Dies sind die Erkenntnisse des Berichts zur Entwicklung der Menschheit (Human Development Report), welcher im Jahr 2009 unter dem Thema der Migration (Titel: „Overcoming Barriers: Human Mobility and Development“) steht. Die Studie, die im Namen des Entwicklungsprogramms der UNO (United Nations Development Prgramme, UNDP) erstellt wurde, untersucht die Auswirkungen von Migration auf die Migranten sowie die Ursprungs- und Zielländer und entwickelt Reformvorschläge zur Verbesserung der inner- und internationalen Mobilität.

UNO-Studie zur weltweiten Migration

Migration stellt in einer Welt der enormen sozialen und ökonomischen Unterschiede für viele Menschen die einzige Möglichkeit dar, den eigenen Lebensstandard zu verbessern, Zugang zu Bildung und Gesundheitsleistungen zu erlangen, das Einkommen zu erhöhen und eine höhere Lebenserwartung zu erzielen. Doch Einschränkungen bei Einwanderungsgesetzen und Fremdenfeindlichkeit bzw. mangelnde Anstrengungen bei der Integration von Einwanderern stellen teils unüberwindbare Hürden für die Mobilität dar.

Die UNO-Studie zeigt, dass entgegen landläufiger Annahmen der Großteil des Migrantenstroms nicht von Entwicklungsländern in Industrienationen führt, sondern innerhalb des eigenen Landes verläuft. Mit 740 Millionen ist die Zahl der so genannte „inländischen Migranten“ fast vier Mal höher als die Zahl der internationalen Migranten. Von den internationalen Migranten wanderte nur etwa ein Drittel von einem Entwicklungsland in ein Industrieland aus. Allerdings spielt der Lebensstandard des Ziellandes eine wichtige Rolle. Drei Viertel der Auswanderer wählten ein Land mit einem höheren Lebensstandard als ihr Herkunftsland. Insgesamt liegt der Anteil von Migranten an der Weltbevölkerung seit 50 Jahren relativ stabil bei 3%.

Im Zielland angekommen, sind die meisten Migranten trotz der Hindernisse, die mit der Einreise verbunden sind, zufrieden mit ihren Lebensumständen. Menschen aus Ländern mit einem geringen Lebensstandard, zu denen größtenteils afrikanische Länder zählen, würden zwar am meisten vom Auswandern profitieren, haben allerdings auch die geringste Mobilität im internationalen Vergleich. Nur 1% der afrikanischen Bevölkerung konnte bisher nach Europa auswandern. Auch gering qualifizierte Arbeitskräfte können meist nicht dauerhaft emigrieren, sondern werden als Saison- oder Zeitarbeiter in Branchen mit Arbeitskräftemangel eingestellt. Etwa 50 Millionen Menschen arbeiten und leben in unregelmäßigen Abständen im Ausland. Dieser Umstand hat seinen Ursprung in Befürchtungen, die Beschäftigung ausländischer Arbeiter könnte sich nachteilig auf die Beschäftigung gleich qualifizierter, einheimischer Arbeitnehmer auswirken und die Löhne verringern, sowie zu sozialen und kulturellen Spannungen innerhalb der Gesellschaft führen. Die Studie betont allerdings, dass die negativen Auswirkungen von Migration zumeist gering, wenn nicht sogar nicht existent, sind.

Vielmehr stellt die Studie die Vorteile der Migration sowohl für das Herkunftsland, als auch für das Zielland dar. Einwanderer können die Wirtschaft des Ziellandes durch ihre Arbeitskraft fördern und lokale Strukturen wie die Kinderbetreuung unterstützen. Mit entsprechender Unterstützung durch einen festen Arbeitsplatz, Integrationsprogramme und Sprachkurse fügen sich Immigranten schnell und ohne Probleme in bestehende Strukturen ein. Die Wirtschaft des Herkunftslandes wird durch Geldsendungen erfolgreicher Auswanderer in die Heimat und die daraus folgende, steigende Kaufkraft der Angehörigen unterstützt. Zudem kann der Austausch von Ideen als Motor für sozialen und kulturellen Wandel wirken, wenn die Verbundenheit der Emigranten zum Heimatland bestehen bleibt.

Die Erkenntnisse über Migrationsprozesse haben politische Implikationen. Um die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte zu verhindern, empfehlen die Autoren der Studie den Regierungen, strukturelle Missstände wie Niedriglöhne und schwache Institutionen zu beheben. Migrationstendenzen können als Anlass genommen werden, auf nationaler Ebene nach Lösungsstrategien für Probleme wie Armut zu suchen.

Um die inner- und internationale Mobilität in allen Teilen der Welt zu erhöhen, schlagen die Autoren der Studie ein Reformprogramm bestehend aus sechs Säulen vor:

 1.Erleichterung der Migration für gering qualifizierte Arbeitskräfte (Vergütungsabkommen, Zusicherung von Gesundheits- und Sicherheitsstandards, Ermöglichung von weiteren Arbeitsaufenthalten usw.)

 2.Zusicherung von Grundrechten für Immigranten (Einkommensgleichheit bei gleicher Arbeit, gute Arbeitsbedingungen, Recht auf Interessenvertretung, Zugang zu Bildungsangeboten usw.)

 3.Reduzierung der Transaktionskosten der Emigration (z.B. Kosten für Ausweispapiere)

 4.Verbesserung der Auswirkungen der Mobilität für Migranten und deren Herkunftsländer

 5.Ermöglichung von inländischer Migration und Nutzung der daraus entstehenden Vorteile

 6.Anerkennung von Migration als Strategie nationaler Entwicklung

Diese Reformvoschläge können von den Regierungen, am Besten in Form einer internationalen Kooperation, realisiert werden. Die Suche nach gemeinsamen Lösungen für die Herausforderungen der internationalen Mobilität wird heute bereits im „Global Forum on Migration and Development“, dem 150 Nationen angehören, unternommen.

Die komplette Studie ist online unter http://hdr.undp.org/en/media/HDR_2009_EN_Complete.pdf

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