Arbeit bei Hilfsorganisationen: Ärzte ohne Grenzen
Ärzte ohne Grenzen ist eine internationale medizinische Freiwilligenorganisation. Sie wurde 1971 von jungen, französischen Medizinern gegründet und kümmert sich seitdem um Menschen, die Opfer von Naturkatastrophen oder Kriegen wurden, ungeachtet ihrer religiösen oder ethnischen Herkunft.
Ärzte ohne Grenzen (ÄoG) ist unparteiisch und finanziert sich überwiegend durch private Spenden. Für ihre Arbeit wurde die Organisation 1999 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Wer kann mitmachen?
Ärzte ohne Grenzen bietet Ärzten, Fachärzten, Ernährungswissenschaftlern, Pflegepersonal, Hebammen, Laboranten, Logistikern, Technikern und Finanzkräften die Möglichkeit, an einem Projekt teilzunehmen. Dabei ist Berufserfahrung sehr wichtig. Mindestens 2 Jahre Erfahrung werden vorausgesetzt. Das ist gut nachvollziehbar, denn wer würde schon einen Berufsanfänger in ein Krisengebiet schicken? Studierende jeglicher Fachrichtung, Arzthelferinnen und Rettungsassistenten können sich nicht an einem Projekteinsatz beteiligen. Medizinische Mitarbeiter sollten sich tropenmedizinische Kenntnisse aneignen, denn bei manchen Projekten ist ein Tropenkurs Voraussetzung. Interessanterweise sind nur 60 % aller Mitarbeiter von ÄoG aus medizinischen Berufen. Es ist grundsätzlich nicht möglich, Praktika, Praktisches Jahr, Zivildienst, eine Berufsausbildung oder dergleichen in den Projekten von ÄoG zu machen.
Von allen Teilnehmern wird die Bereitschaft zu Fort- und Weiterbildungen auch schon vor dem eigentlichen Einsatz erwartet. Teilnehmer müssen gut Englisch sprechen und sollten idealerweise auch Französischkenntnisse besitzen. Ein Projekteinsatz dauert mindestens 6 Monate, für Chirurgen und Anästhesisten besteht auch die Möglichkeit, an einem kürzeren Einsatz teilzunehmen. Um zu wissen, worauf man sich einlässt, sollte man schon Reiseerfahrungen in Entwicklungsländer haben. Dazu zählen auch schon Teile Osteuropas. Natürlich sind auch Soft Skills wie Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und Respekt vor anderen Kulturen erwünscht. Eben alles, was bei einem Einsatz in einem Krisengebiet nützlich ist.
Was habe ich davon?
12 Semester Medizin studiert und dann für vergleichsweise wenig Gegenleistung unter vielleicht gefährlichen Umständen in Krisengebieten arbeiten? Wer zu Ärzte ohne Grenzen kommt, muss Idealist sein. Schließlich handelt es sich um eine Freiwilligenorganisation. Wegen des Geldes arbeitet dort niemand. Neben der persönlichen Bereicherung ist ein Projekteinsatz eine hervorragende Möglichkeit, sich weiterzubilden, Erfahrungen zu sammeln und er sticht in jedem Lebenslauf heraus. Wer sich in einem Krisengebiet bewährt hat, gilt als belastbar und flexibel. Aber das Wissen darum, anderen Menschen, die sonst ohne jegliche medizinische Versorgung leben müssten, helfen zu können, sollte für die eigene Motivation schon ausreichen.
Es gibt keine wirkliche Bezahlung, lediglich eine Aufwandsentschädigung von mindestens 600 Euro im ersten Jahr. Reise, Unterkunft, Verpflegung sowie Vorbereitungs- und Weiterbildungskurse sind kostenlos. Außerdem gibt es ein Versicherungspaket, das einen gegen alles absichert, wiederum aber keine Sozialversicherung. Nach der Rückkehr gehört man einem Netzwerk von ehemaligen Mitarbeitern an und für den Fall, dass es nötig sein sollte, gibt es eine psychologische Betreuung.
Natürlich kann man auch innerhalb der Organisation Karriere machen. Wer sich also längerfristig für die Arbeit bei Ärzte ohne Grenzen interessiert, hat viele Möglichkeiten für ein Engagement. Dazu gehören der Einsatz als Projekt- oder Landeskoordinator in einem Projektland oder als Programmleiter in einem der europäischen Zentren der Organisation. Für diese Tätigkeiten braucht man einige Erfahrungen in den Projekten, bekommt jedoch bessere Konditionen und jede Menge Aus- und Weiterbildungen.
Von Christine Unger


