Arbeiten, wo andere Urlaub machen Sommerjob im Feriencamp
Jedes Jahr zur Ferienzeit suchen Reiseveranstalter Betreuer und Animateure für ihre Reisen an die schönsten Plätze Europas. Ein solches Angebot klingt natürlich verlockend doch auch in einem Feriencamp gibt es viel zu tun, denn schließlich heißt es: Arbeiten, wo andere Urlaub machen....
Als ich mich vor zwei Jahren dazu entschloss, Ferien im Süden und Geld-Verdienen miteinander zu verbinden, war mir noch nicht so recht klar, was mich erwarten würde. Ein bisschen Arbeit, Leute unterhalten, nette Menschen kennen lernen und mehrere Wochen lang ganz viel Sonne...ich schätze so stellte ich mir das vor. Doch schon die Vorbereitungen waren anstrengender als erwartet, denn ich musste nicht nur ein Auswahlgespräch und ein mehrtägiges vorbereitendes Seminar besuchen, sondern auch noch Erste-Hilfe- und Rettungsschwimmer-Scheine einreichen. Besonders das Seminar, in dem man neben theoretischen Grundlagen wie Reisetechnik und Rhetorik auch Spiele und Grundlagen der Animation vermittelt bekam, machte mir zum ersten Mal klar, dass der Job im Sommer anstrengend werden wird. Schließlich war bereits in diesen Tagen an Schlaf kaum noch zu denken.
Und dann ging es los...
In einem Camp wie dem, in dem ich nun jeden Sommer arbeite, machen 150 400 Jugendliche aus ganz Deutschland Urlaub. Manche bleiben nur eine Woche, andere zwei. Einige sind erst 13, andere schon 18, die einen kommen aus dem Süden, die anderen aus Norddeutschland. Klar, dass es da auch schon mal zu Konflikten kommt, doch alle haben ein gemeinsames Ziel: einen schönen Urlaub ohne Eltern zu verbringen.
Jeder Reiseleiter, Teamer genannt, ist dort für eine Gruppe von etwa 20 Jugendlichen zuständig. Für diese ist er Ansprechpartner, gibt Infos, unterhält sie und tröstet auch schon mal bei Heimweh. Doch nicht nur für die eigene Gruppe muss man sich engagieren, alle Teamer arbeiten Hand in Hand, wenn es darum geht, den Jugendlichen ein Spitzenprogramm zu bieten und das sowohl tagsüber, als auch am Abend.
Los gehts mit Frühsport. Tagsüber gibt es immer wechselnde Angebote, von "Extreme-Zähneputzing", Beachvolleyball und "Wellnessday" über Basketball und Beacholympiade bis zu diversen Karaoke- oder Quizshows am Abend. Langweilig muss es da niemandem werden. Aber was für die Urlauber toll ist, bedeutet für das Team Stress, denn alle Aktionen müssen geplant und vorbereitet werden. Schließlich soll alles reibungslos ablaufen. Das tägliche Teamtreffen am Morgen ist deshalb für jeden Pflicht und dauert durchaus auch mal zwei Stunden. Anschließend ist jeder selbst dafür verantwortlich, die ihm zugeteilten Aufgaben zu erledigen.
So ist es eher die Regel als Ausnahme, dass man zuerst Surferarmbänder bastelt, dann am Strand zeigt, wie man sich richtig eincremt und bräunt (Mit geschlossenem Mund, sonst werden die Zähne braun!), anschließend noch Volleyball spielt und schließlich beim Wellnessday Gesichtsmasken anrührt. Und auch nach dem gemeinsamen Abendessen in der Gruppe geht es weiter: Aufbauen für die Show, Act-Betreuung im Backstage-Bereich, ein kurzer Karaoke-Auftritt, Abbauen der Anlagen und schließlich noch mit dreißig Leuten in die Disco gehen. Wenn man dann gegen drei Uhr morgens zurück ins Camp kommt und alles ruhig ist, beginnt tatsächlich der Feierabend, der allerdings meist recht schnell auf der Luftmatratze im Zelt endet, denn bald schon wird es wieder hell - und im Zelt viel zu heiß zum schlafen.
Viel Freizeit bleibt bei einem solchen Tagesablauf nicht, aber wenn am Ende des Urlaubs die Jungs und Mädels mit Tränen in dem Augen vor dir stehen und dir sagen, dass der Urlaub mit dir toll war, dann hat sich der ganze Stress doch gelohnt!
Und deshalb werde ich auch in diesem Jahr wieder für ein paar Wochen meine Koffer packen und mich verabschieden - ab in den Süden!
Von Nina Wolfs


