Ausbildung: Genau ein Monat und eine Woche in einer Zahnarztpraxis - und das war zu viel
Die 16-jährige Brenda hat im Sommer 2008 ihren Realschulabschluss gemacht und wollte im folgenden Schuljahr eine dreijährige Ausbildung als Zahnarzthelferin anfangen. Doch es lief nicht alles wie geplant. In einem Interview erzählt Brenda Sandra, der Praktikantin von Stellenboersen.de, von ihren beruflichen Erlebnissen.
Sandra stellte Brenda folgende Fragen:
Sandra: Wie bist du auf den Beruf der Arzthelferin gekommen? Brenda: Nach meinem Abschluss auf der Realschule wusste ich nicht genau, was ich machen möchte. Freunde und Bekannte haben mir dann erzählt, wie toll der Beruf als Zahnarzthelferin wäre. Also habe ich mir gedacht, warum nicht; schaden kann es ja nicht...Das dachte ich damals.
Sandra: Dann hast du also die Ausbildung angefangen? Brenda: Genau. Das heißt, ich meldete mich auf der Berufsschule (BBS) an; ging also dreimal in der Woche in die Praxis und zweimal zur Schule.
Sandra: Wie lange musstest du täglich arbeiten? Brenda: Morgens beginne ich von 8:00 Uhr bis 13:00 Uhr, bis 14:30 Uhr habe ich Pause und arbeite bis 18:00.
Sandra: In den fast eineinhalb Monaten, die du da warst, was hast du schon gesehen? Brenda: Gesehen hab ich schon einiges, wie zum Beispiel das Zähne ziehen und das Ersetzen von Zähnen. Sonst nichts besonderes.
Sandra: Was für Arbeiten konntest du in der Praxis verrichten? Brenda: Ich hatte die Ehre den Sauger zu halten, wenn Patienten behandelt werden. Ansonsten "durfte" ich das Zimmer putzen.
Sandra: Fühltest du dich da nicht ausgenutzt? Brenda: Natürlich, wann immer ich mich nur kurz hingesetzt habe, gaben mir meine angeblichen "Mitarbeiter" Aufgaben wie Fenster putzen oder den Kaffeeautomaten reinigen.
Sandra: Das trifft nicht die Vorstellung einer fairen Ausbildung. Brenda: Bei weitem nicht. Fakt ist, dass sie mich nicht ansatzweise unterstützt haben (das rum kommandieren konnten sie umso besser); dazu kommt, dass sie hinter meinem Rücken schlecht über mich gesprochen haben. Dabei habe ich nicht mal geahnt, dass sie mich für so schlecht halten.
Sandra: Das muss echt hart für dich sein. Ich meine, damit nehmen Sie dir nicht nur die Chance auf eine erfolgreiche Ausbildung und somit eventuell den späteren Beruf, sondern vergeuden so deine wertvolle Zeit. Brenda: Also ich bin schon enttäuscht, dass Sie mir gegenüber so unfair waren, aber das ist kein Weltuntergang für mich.
Sandra: Welche Gründe gab es für deinen Abbruch? Brenda: Sie haben mich nicht wie eine Auszubildende behandelt; ich fühlte mich wie ein unerwünschter, nerviger Gast. Angeblich kann ich keine Anweisungen umsetzten, spricht: wenn ein kleiner Fleck auf den Arbeitsgeräten zu sehen ist. Ich bin nicht da um sauber zumachen, das kann ich auch zu Hause tun. Außerdem wird man gleich als "unverschämt" abgestempelt, wenn man nach Urlaub fragt. Wäre das nicht eine Sache, die man im Vorfeld klären sollte?
Sandra: Gab es denn nichts, was du gerne gemacht hast oder interessant fandest? Brenda: Außer den Pausen, die mir wie Luxus vorkamen, fand ich das Erstellen der Abdruckmischung für das Gebiss relativ toll.
Sandra: Meinst du, wenn du deine Ausbildung als Zahnarzthelferin woanders gemacht hättest, wäre dieser Beruf etwas für dich gewesen? Brenda: Definitiv nicht. Ich bin nicht geeignet für Jobs in diesem Bereich.

Sandra: Wenn du wieder eine Ausbildung anfangen würdest, was würdest du ändern? Brenda: Ich würde mir die Ausbildungsplätze genauer ansehen und im Vorfeld mich intensiver über die Arbeitsbedingungen erkundigen. Ich habe den Fehler gemacht, die erstbeste Praxis zu nehmen. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass die Praxis unfähig war, sondern nur, dass Ihnen die Geduld gefehlt hat. Ich war dort eine Auszubildende, nicht allwissend und ich kann auch nicht alle Arbeiten auf Anhieb erledigen, ich bin nicht perfekt (sonst hätte ich die Ausbildung erst recht nicht angefangen) und ich brauche Zeit um zu lernen; das hatte die Praxis wohl offensichtlich nicht. Was ich allen Auszubildende nur raten kann ist, besprecht Probleme und Ängste sofort mit euren Mitarbeitern sofern sie euch zuhören und auch helfen wollen.
Sandra: Und was machst du jetzt? Du hast ja keinen Ausbildungsplatz mehr... Brenda: Da ich die Ausbildung abgebrochen habe, musste ich mich auch von der Schule abmelden, weil es im Zusammenhang steht. Die Ausbildung war sowieso nur eine Notlösung, da es an der Fachhochschule schon zu voll war. Ich hab vor, mich dort nochmal anzumelden für den Bereich Pädagogik. Vielleicht gibt es dort nun einen freien Platz. Andernfalls versuche ich es auf einer anderen BBS mit Gestaltung.
Sandra: Und hast du nun schon konkretere Vorstellungen hinsichtlich deines Berufswunsches? Brenda: Wenn es klappt, möchte ich später gerne Islamwissenschaft studieren um Islam-Lehrerin zu werden. Aber dafür brauche ich Sozialpädagogik, deshalb hoffe ich auf einen Platz an der Fachhochschule.
Sandra: Dann hoffen wir, dass du deinen wohlverdienten Platz bekommst.
Von Sandra Mai Huyen (Praktikantin bei Stellenboersen.de)

