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Erfahrungsbericht

Ausbildungsplatz um jeden Preis?

Viele Azubis stellen sich im Verlauf ihrer Berufsausbildung die Frage, ob sie sich für das richtige Arbeitsfeld entschieden haben, und wenn nicht, ob sie die Ausbildung bei der momentanen Arbeitsmarktsituation abbrechen können.
Auch der 21- jährige Benjamin Schmidt hat während seiner Ausbildung im Bereich Mediendesign Erfahrungen gesammelt, die ihn diese Frage aufwerfen ließen. Stellenboersen.de hat er erzählt, warum es so weit gekommen ist.

Ist diese Ausbildung die Richtige?
Ist diese Ausbildung die Richtige?

Meine Freude war groß, als ich vor circa neun Monaten erfuhr, dass ich endlich einen Ausbildungsplatz im Bereich Mediendesign bekommen würde. Mein alter Praktikumsbetrieb erklärte sich bereit mich auszubilden und beendete damit eine Zeit voller Rückschläge. Dutzende erfolglose Bewerbungen und ein fehlgeschlagener Bewerbungsversuch an einer Bielefelder Fachuniversität, hatten meine Stimmung an einen Tiefpunkt gedrückt. Umso erleichterter war ich, als ich die Zusage erhielt und umso unsicherer bin ich heute, da ich weiß wie sich die Ausbildung entwickelt hat. Meine anfängliche Freude wich schnell einer großen Skepsis. Zwar ist das Arbeitsklima hervorragend, doch viele Dinge laufen nicht so, wie man es eigentlich erwartet hat. Während ich von meinen Klassenkameraden in der Berufsschule erfahren habe, dass sie bereits produktive und kreative Aufgaben am PC erledigen, habe ich den Schritt aus der Produktionswerkstatt noch immer nicht machen dürfen. Während sie die Kundenwünsche entwerfen, muss ich die Kundenwünsche arbeitsintensiv produzieren. Dass meine Klassenkameraden bereits diese Aufgaben erledigen, konnte ich auch nur dadurch erfahren, dass mein Chef mich nicht noch zu weiteren Messeaufbauten eingeplant hatte. Fast alle Schultage musste ich nämlich aufgrund dieser Aufbauarbeiten bei verschiedenen Messen ausfallen lassen und sie jetzt lernintensiv nachholen. Dass ich die angefallenen Spesen bis heute nicht erstattet bekommen habe, möchte ich hier nur am Rande erwähnen. Ob das Fehlen eines persönlichen Ausbilders positive Effekte auf meine Ausbildung hat, möchte ich genauso kritisch anmerken, wie die Vorliebe meines Chefs, mich zu seinen privaten Umzugs- und Umbauaktionen heranzuziehen.

Ich stehe jetzt also vor einer schwierigen Situation. Auf den ersten Blick habe ich das große Glück eine Ausbildungsstelle zu haben, zu Mal ich weiß, dass es vielen meiner Freunde anders geht und man immer wieder in den Medien hört, wie schlecht die Ausbildungssituation momentan ist. Auf den zweiten Blick habe ich eine Ausbildungsstelle, die mir überhaupt nicht das vermittelt, was sie vermitteln soll und meine Freude zu Frust werden ließ. Natürlich weiß ich, dass Ausbildungsjahre keine Herrenjahre sind und man oft Dinge tun muss, die einem nicht so zusagen. Doch die Vielzahl an Dingen, die meiner Meinung nach schlecht laufen und der Blick in die Zukunft, der eine fundierte und qualitativ hochwertige Ausbildung als Voraussetzung für gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt erscheinen lässt, lassen mich fragen, ob ich diese Ausbildung fortsetzen will. Ich werde die nächste Zeit abwarten, selbst Initiative ergreifen, um etwas zu ändern und dann eine Entscheidung treffen müssen.

Von Kai Nübel

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